„Alle Jahre wieder“-Projekt
Liebfrauen-Küster als „Spezie“

Münster -

Nächste Runde im „Alle Jahre wieder“-Projekt: Dieses Mal standen für Foto-Remakes des Schamoni-Films der münsterische Friedenssaal und die Überwasserkirche auf dem Programm. Letztere hatte das Projekt-Team anfangs gar nicht auf dem Schirm. Der Küster der Überwasserkirche fand sich dabei in der Rolle des „Spezie“ wieder, während Oberbürgermeister Lewe sich an der Seite einer spanischen Studentin wiederfand.

Donnerstag, 20.02.2020, 09:52 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 10:00 Uhr
Küster Markus Offer als „Spezie“ (rechts neben dem Foto in der beigen Jacke).
Küster Markus Offer als „Spezie“ (rechts neben dem Foto in der beigen Jacke). Foto: Maris Hartmanis

Im Drehbuch stand noch St. Lamberti, tatsächlich wurde die legendäre Szene des Films „Alle Jahre wieder“ in der Liebfrauen-Kirche gefilmt. Das Team des „Alle Jahre wieder“-Projekts hatte sie zunächst gar nicht auf der Liste der Drehorte. Aber zahlreiche Zuschriften unserer Leser und eine Anfrage von Markus Offer – Küster der Überwasserkirche – führten dazu, dass ein halbes Jahrhundert später, der Innenraum wieder als Kulisse diente.

Gleich 20 Gemeindemitglieder traten nach dem Gottesdienst als Komparsen vor die Kamera. Das Fotografen-Team Maris Hartmanis und Johannes Klein-Reesink stellten sicher, dass sie an exakt derselben Stelle posierten wie ihre Vorgänger am 21. Dezember 1966. Küster Offer schlüpfte in die Rolle des „Spezie“ Johannes Schaaf. An dem Datum hatte Ulrich Schamoni zusammen mit seinen Schauspielern eine vorgezogene Christmette in Szene gesetzt, bei der die damaligen Gemeindemitglieder, motiviert auch durch einen Aufruf dieser Zeitung, als Statisten auftraten. Zwei von ihnen, die als Chorsängerinnen aktiv waren und in dieser Rolle auch im Film zu sehen sind, berichteten immer noch begeistert von den damaligen Dreharbeiten und den aufgeregten Versprechern des Dechanten. Nur wenige Tage nach dem Fotoshooting lud Offer seine Gemeinde zum gemeinsamen Anschauen des Kultfilms.

Oberbürgermeister Lewe als Stadtführer

Ein weitere Szene, die im Rahmen des Projekts nachgestellt wurde, spielt in Münsters Friedenssaal. Dort erklärt der Stadtführer der Besucherin aus der Großstadt, wie es sich damals bei den jahrelangen Verhandlungen auf dem Weg zum Westfälischen Frieden zugespielt hat. Wie so viele Nebenrollen wird in „Alle Jahre wieder“ auch der Stadtführer von einem charismatischen Münsteraner verkörpert: Helmuth Rudowski, damals „Bestandteil“ des Friedenssaals.

Im Foto-Remake tritt Oberbürgermeister und „Alle Jahre wieder“-Fan Markus Lewe in die Fußstapfen des Stadtführers. Lewe staunte über Dreharbeiten mit Thomas Nufer auf der Promenade – wir berichteten – und sagte noch vor Ort seine Mitwirkung am Projekt zu.

Zeichen der sich wandelnden Zeit

In die Rolle der modernen Sabine Sinjen schlüpfte die 20-jährige spanische Studentin Maria Caelles, die ihr BWL-Studium in ihrer Heimatstadt Barcelona um ein Auslandssemester an der WWU ergänzt und sich in Münster geradezu verliebt hat – Winterwetter hin oder her. Als Caelles ein Porträts des damaligen spanischen Königs entdeckt, wechselt die Rolle des Erklärenden allerdings kurzfristig.

Und selbst der Friedenssaal hat sich über die Jahrzehnte verändert. Die Sitzpolster der originalen Bänken sind Absperrungen gewichen, und die Kerzenhalter sind aus der Holzwand verschwunden – der Brandgefahr wegen. Das Bewahren der Geschichte für die nachfolgenden Generationen ersetzt die grenzenlose Freiheit des Einzelnen – auch ein Zeichen der sich wandelnden Zeiten. Denn nicht zuletzt darum es bei diesem Vorhaben: das Foto-Remake als Chronist des Wandels.

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