Rassistischer Anschlag
Gedenken an die Morde von Hanau

Münster -

Auch in Münster trauert man um die Opfer von Hanau - einige Hunderte Münsteraner versammelten sich vor dem Hautbahnhof zu einer spontanen Gedenkfeier.

Donnerstag, 20.02.2020, 20:34 Uhr aktualisiert: 21.02.2020, 09:30 Uhr
Rassistischer Anschlag: Gedenken an die Morde von Hanau
Foto: Oliver Werner

Zu einer spontanen Kundgebung aus Anlass des Anschlags in Hanau trafen sich am Donnerstagabend einige Hundert Münsteraner vor dem münsterischen Hauptbahnhof. „Solche Taten fallen nicht vom Himmel. Sie werden angetrieben von rechter Hetze“, hieß es in der Einladung dazu. „Rassistische Morde sind keine Unfälle oder Taten von wirren

Einzelnen, sie gedeihen in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Menschenfeindlichkeit salonfähig geworden ist. Solche Taten sind nicht isoliert.“ Erinnert wurden auch an weitere Morde, etwa die der rechten Terrorgruppe NSU beziehungsweise an den antisemitischen Anschlag von Halle.

Kommentar: Kruder Rassismus

Zwei Schreckensnachrichten ­liegen übelkeitserregend nahbeieinander. Vor wenigen Tagen durchkreuzte die Polizei die perfiden Pläne einer rechten Terrorzelle. Doch die Erleichterung währt nur kurz, weil in Hanau ein Attentäter seine kruden rassistischen Ideen in einen Terrorakt münden lässt. Dies ist nicht nur die abscheuliche Tat eines Wirrkopfes mit mutmaßlich psychischen Problemen. Hier zeigt sich, wie die Ausdehnung des Sagbaren nach und nach Gedanken und Wertegerüste bis zur Menschenverachtung und Selbstüberhöhung mutieren kann.

Diese Folge nimmt in Kauf, wer weiter Hass und Fremdenfeindlichkeit befeuert. Dabei ist nicht erst nach den rechtsextremistisch motivierten Morden von Hanau, Halle und Kassel erkennbar, wie gefährlich sich das gesellschaftliche Klima verändert hat. Wie Wut und Hass auch die politische Debatte verändern und verhindern.

Es wird zu klären sein, warum der Plan des irrlichternden Einzelgängers in Hanau so lange unbemerkt gären konnte. Spätestens jetzt müssen Polizei und Verfassungsschutz die rechtsextremistische Bedrohung genauso ernst nehmen wie die islamistische Terrorgefahr. 

Hilmar Riemenschneider

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