Alex-Talk
Hormone: Dirigenten unserer Gefühle

Münster -

Die Leiterin des Alexianer-Centrums für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie Münster nahm ihre Zuhörer beim jüngsten Alex-Talk mit auf eine spannende Reise in die Welt der Botenstoffe und deren Wirkungen.

Samstag, 22.02.2020, 20:00 Uhr
Auf große Resonanz stieß das Thema „Hormone und Psyche“, das Alexianer-Expertin Dr. Eva-Nadine Striepens unter der Moderation von WN-Redakteur Stefan Werding vorstellte.
Auf große Resonanz stieß das Thema „Hormone und Psyche“, das Alexianer-Expertin Dr. Eva-Nadine Striepens unter der Moderation von WN-Redakteur Stefan Werding vorstellte. Foto: Anja Große Wöstmann

„Ach, das sind bestimmt die Hormone.“ Bei vielen Gefühlsregungen berufen wir uns auf die hormonelle Situation in unserem Körper – offenbar zu Recht: „An dieser vielzitierten Vermutung ist einiges dran, denn ohne Hormone gäbe es tatsächlich keine Gefühle“, bestätigte Dr. Eva-Nadine Striepens den rund 130 Gästen beim jüngsten Alex-Talk.

Die Neurowissenschaftlerin und Leiterin des Alexianer-Centrums für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie Münster (CPM) nahm ihre Zuhörer mit auf eine spannende Reise in die Welt der Botenstoffe und deren Wirkungen. „Die Endokrinologie besteht schon seit mehr als 130 Jahren und doch kennen wir aktuell nur etwa 100 Hormone“, stellte die Psychiaterin und Psychotherapeutin ihrem Vortrag voran. Rund 90 Prozent der Hormone seien noch unbekannt.

Irrglaube rund um Testosteron

Gut erforscht seien immerhin einige der markantesten „Dirigenten unseres Lebens“ wie zum Beispiel das „Glückshormon“ Serotonin. Dessen Konzentration im eigenen Körper könne man sogar selbst fördern: „Und zwar, in dem sie genau die Dinge machen, die ihnen Freude bereiten wie zum Beispiel ihren geliebten Hobbys nachgehen, sich mit Freunden treffen oder Sport treiben.“

Viel Irrglaube ranke sich hingegen oft um das bekannte Männer-Hormon Testosteron. Dies habe traditionell eher einen schlechten Ruf: Es mache aggressiv, sexsüchtig und egoistisch. Ob es diese Effekte aber tatsächlich auf das menschliche Verhalten hat, kann die Wissenschaft noch nicht klar beantworten.

Viele weitere Hormone

Für eine Vielzahl psychischer und somatischer Symptome sei der weibliche Gegenspieler zum Testosteron, das Östrogen, verantwortlich. Sowohl aktiv in jungen Jahren wie auch bei dessen Rückgang mit Beginn der Menopause könne es vielen Frauen körperlich wie psychisch schwer zu schaffen machen.

Negativfolgen zeigten Studien zu den Auswirkungen von Stress in der Schwangerschaft auf: Hier führe das Stresshormon Cortisol zu einer schnelleren Hirnreife der Kinder, jedoch auf Kosten der Funktionalität. Die Kinder hätten damit ein erhöhtes Risiko, im weiteren Leben Angsterkrankungen, Depressionen, ADHS sowie Herz- und Diabeteserkrankungen zu entwickeln.

Überraschendes erfuhren die Zuhörer zum Kuschel- und Bindungshormon Oxytocin. So habe dieses Hormon neben den vielen positiven Wirkungen wie soziale Bindung, Nähe und Vertrauen auch eine „dunkle Seite“: Studien unterstreichen Oxytocin zwar als Verstärker des „Wir-Gefühls“, zugleich fördere es jedoch auch Abgrenzung, Ethnozentrismus und gruppendienliche Verlogenheit.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7280952?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker