Liedermacher Moritz Schmidt
Musik über den Dächern der Stadt

Münster -

Beruflich hat er sich der Medizin verschrieben, sein Hobby ist die Musik. Dabei musste er einen Umweg gehen, um musikalisch zu dem zu werden, der er heute ist.

Donnerstag, 27.02.2020, 10:00 Uhr
Moritz Schmidts Leidenschaft ist die Musik. Hoch oben im Hansaviertel lässt er Gefühlen und Gedanken freien Lauf.
Moritz Schmidts Leidenschaft ist die Musik. Hoch oben im Hansaviertel lässt er Gefühlen und Gedanken freien Lauf. Foto: Björn Meyer

Moritz Schmidt wurde in Münster im Franziskus-Hospital geboren. Er besuchte die Overberg-Grundschule und später das Annette-Gymnasium. Moritz Schmidt ist ein Kind dieser Stadt, doch um ihr das zurückzugeben, was er einst von ihr bekam, musste er Münster erst verlassen. Er studierte, ging nach Berlin, wie so viele in seiner Generation. Doch die deutsche Metropole verlor für Moritz Schmidt irgendwann ihren Reiz. Seitdem hat er sein Leben neu geordnet, nicht zuletzt musikalisch.

„Meine Freunde haben gesagt, Münster sei irgendwie nie aus mir herausgegangen“, sagt der 37-jährige Mediziner rückblickend. Nun, da er wieder zurück in Münster ist und im Hansaviertel wohnt, nur wenige Meter von dem Haus entfernt, wo er einst aufwuchs, macht er Musik über den Dächern der Stadt.

Gefühle zum Ausdruck bringen

Musik schreibt Schmidt dabei eigentlich schon länger. Zunächst auf Englisch, bis ihm bewusst wurde, dass er sich im Deutschen weitaus natürlicher und detailreicher ausdrücken zu vermag. „Seither schöpfe ich Wortspiele, Doppeldeutigkeiten und Raum zwischen den Zeilen voll aus“, so Schmidt.

Heute arbeitet er daher ausschließlich auf Deutsch und bringt nur mit Gitarre und Stimme seine Gefühle und Gedanken zum Ausdruck. Für einen Musiker sei er ein echt guter Arzt, habe ein Freund zuletzt über ihn gesagt, lacht Schmidt. Vielleicht ist es aber auch so, dass da zwei Herzen in einer Brust schlagen. Der Beruf und das Lieblingshobby, das er mit möglichst vielen Menschen teilen möchte.

Proben im Hansaviertel

Und dabei gab es in der Vergangenheit durchaus auch Rückschläge. 2017 trat Schmidt das erste Mal beim Treibgut-Festival auf und gibt zu: „Ich war nicht zufrieden mit mir.“ Lange grämen wollte er sich freilich nicht. „Es kann nur besser werden“, sagte sich Schmidt. Ein Problem, das jeder Singer/Songwriter dabei hat: „Alleine Musik zu machen, bedeutet auch, dass das Feedback fehlt.“ Etwas Abhilfe schafft ein Singer/Songwriter-Stammtisch, den er mit zwei Freunden gegründet hat. „Das ist schon so ein bisschen ein Nerd-Talk“, lacht Schmidt, wenn er an die Abende zwischen Texten und Gitarre denkt.

Musikalisch aber kommt Schmidt weiter. Das hat er nicht zuletzt seiner Freundin und seinen Nachbarn zu verdanken. Die nämlich lassen ihn in Ruhe in seiner Wohnung hoch oben im Hansaviertel üben. Mehr noch: „Manchmal bekomme ich schon mal eine Nachricht von unten, warum ich denn schon aufhöre“, sagt Schmidt und schmunzelt.

Viele Wege führen ans Ziel

Sein eigenes Licht stellt der ruhige Münsteraner dabei bisweilen unter den Scheffel. Wohl auch, weil er, das hört man im Gespräch immer wieder heraus, sehr selbstreflektiert mit sich und seiner Musik umgeht. Dazu gehören auch die Gedanken darüber, wie er mit seiner Musik die Menschen bestmöglich erreichen kann. Sein Fokus liegt dabei auf Melodie und Text – auch, weil er weiß, dass im Publikum häufig viele seine Songs zum ersten Mal hören. Wichtig sei, dass die Melodie einen mitnehme, sagt Schmidt.

Das Ergebnis: Schmidt merkt, wie er sicherer in seiner Musik wird. Nun soll der nächste Schritt folgen. Der 37-Jährige will mehr Auftritte außerhalb Münsters spielen. Gleichwohl „seine“ Stadt nicht aus den Augen verlieren. Beim Treibgut-Festival hilft er bei der Organisation mit, auch weil er weiß, welch fantastische Gelegenheit die Veranstaltung für Newcomer ist. Auch eine EP will er bald aufnehmen.

Letztlich aber ist es das verbindendende Element, das Schmidt an der Musik am meisten liebt. Auch, weil er selber von sich sagt, dass er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat, widmet er sich gesellschaftlichen Themen. „Allerdings möchte ich das nicht mit erhobenem Zeigefinger machen“, sagt der musizierende Arzt. Damit geht er einen anderen Weg als manch anderer, auch weil Schmidt eben gelernt hat, dass viele Wege ans Ziel führen. Auch wenn sie nicht gleich über Berlin führen.

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