Neue Empfehlungen
Bei Corona-Verdacht zuerst den Hausarzt anrufen

Münster -

Die Wahrscheinlichkeit, dass auch in der hiesigen Region Corona-Infektionen auftauchen, steigt. Gesundheitsbehörden, niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser, Rettungsdienste und Labore haben sich deswegen am Mittwoch auf neue Handlungsempfehlungen geeinigt. Wer befürchtet, sich angesteckt zu haben, sollte zuerst seinen Hausarzt anrufen.

Mittwoch, 26.02.2020, 19:15 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 08:05 Uhr
Neue Empfehlungen : Bei Corona-Verdacht zuerst den Hausarzt anrufen
Betroffene sollten nicht einfach in die Praxis gehen, sondern zunächst telefonisch das Gespräch mit einem Arzt suchen. Foto: dpa

Nach den ersten bestätigten Infektionen durch das Corona-Virus in Nordrhein-Westfalen wächst die Besorgnis in der hiesigen Bevölkerung. Die Gesundheitsbehörden erwarten eine größere Verbreitung des Erregers – und haben nun ihre Handlungsempfehlungen an die Bevölkerung geändert.

Das Wichtigste: Wer selbst den Verdacht hat, er könnte am Corona-Virus erkrankt sein, soll zunächst nicht zum Arzt, in ein Krankenhaus oder zum Gesundheitsamt gehen, betont Dr. Hendrik Oen. Oen, niedergelassener Internist in Münster, ist Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung für Münster sowie die Kreise Steinfurt und Warendorf. Am gestrigen Mittwoch hat er mit Vertretern der Gesundheitsämter, der Ärztekammer, der Rettungsdienste, Labore und Krankenhäuser aktuelle erforderlichen Maßnahmen abgestimmt.

Corona-Test zu Hause machen

„Alle Personen mit begründetem Verdacht auf eine Infektion sollen auf das Virus getestet werden“, erklärt Oen. Doch das müsse nicht unbedingt in einer Arztpraxis oder in einem Krankenhaus geschehen. Der für den Labortest erforderliche Abstrich könne zu Hause selbstständig genommen und von einer anderen Person zur Arztpraxis gebracht werden. Alle wichtigen Schritte sollten mit dem jeweiligen Hausarzt telefonisch abgestimmt und veranlasst werden, fasst Oen zusammen – mit einer Ausnahme: „Wenn jemand schwere Krankheitssymptome zeigt, wird er selbstverständlich in ein Krankenhaus gebracht und dort behandelt.“

Noch bis gestern hatte es geheißen, Personen mit begründetem Corona-Virus-Verdacht sollten per Rettungswagen zum Abstrich für den Test in Kliniken gebracht werden. „Dies wäre bei einer Ausbreitung der Epidemie logistisch nicht mehr zu leisten. Das Gesundheitswesen würde an seine Grenzen stoßen“, ergänzt der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Norbert Schulze Kalthoff, der an seiner Behörde vermehrt Anrufe und Besuche von besorgten Menschen registriert. Wer befürchte, infiziert zu sein, und nicht schwer krank sei, solle nach telefonischer Abstimmung mit seinem Arzt zu Hause bleiben und möglichst wenig Körper-Kontakt zu anderen Menschen haben, bis der Verdacht geklärt sei, appellieren Schulze Kalthoff und Oen. Sie weisen darauf hin, dass der weitaus überwiegende Teil der Infektionen bisher offenbar mild verlaufe.

So verhält man sich richtig

Angesichts der aktuellen Verbreitung von Influenza- und Corona-Viren werden vom Gesundheitsamt folgende Regeln zum persönlichen Schutz empfohlen:

1. Richtig Hände waschen und pflegen
Waschen Sie Ihre Hände mehrmals täglich 20 bis 30 Sekunden mit Seife, auch zwischen den Fingern. Pflegen Sie regelmäßig Ihre Haut mit einer Hautschutzcreme.

2. Hände vom Gesicht fernhalten
Vermeiden Sie es, Mund, Nase oder Augen mit den Händen zu berühren, weil auf diesem Weg Viren von den Händen über die Schleimhäute in den Körper gelangen können.

3. Hygienisch husten und niesen
Halten Sie beim Husten und Niesen Abstand zu anderen Personen. Husten und niesen Sie in ein Einmaltaschentuch oder in Ihre Armbeuge, auf keinen Fall in die Hand. Das Taschentuch gehört nach einmaliger Benutzung sofort in den Abfall.

4. Auf erste Anzeichen achten
Auf Fieber, Krankheitsgefühl, Husten und Gliederschmerzen achten. Wenn Sie sich krank fühlen, vereinbaren Sie telefonisch mit Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin einen Termin zum Gespräch und zur Diagnostik, um ein Ansteckungsrisiko im Wartezimmer zu vermeiden.

5. Andere schützen
Halten Sie möglichst einen Abstand von mindestens 1,5 Meter, solange Sie unter Krankheitssymptomen leiden. Drehen Sie sich am besten weg, wenn Sie husten oder niesen müssen. Verzichten Sie, wenn Sie erkrankt sind, auf Körperkontakt wie Händeschütteln, Umarmen, Küssen usw. Wenn Sie zu Hause versorgt werden, halten Sie sich nach Möglichkeit in einem separaten Raum auf. Achten Sie auf generelle Sauberkeit Ihrer Wohnung, insbesondere in Küche und Bad. Auch beim Naseputzen gibt es eine klare Empfehlung: Verwenden Sie stets ein Einmaltaschentuch, das Sie wirklich nur einmal benutzen und sofort entsorgen, z. B. in einer am Bett bereitliegenden Plastiktüte. Waschen Sie sich wenn möglich anschließend die Hände, um eine Virusübertragung auf andere Menschen zu vermeiden.

6. Geschlossene Räume regelmäßig lüften
Lüften Sie geschlossene Räume drei- bis viermal täglich für jeweils zehn Minuten. Dadurch wird die Zahl der Viren in der Luft verringert, ein Austrocknen der Mund- und Nasenschleimhäute verhindert.

7. Abstand halten, Menschenansammlungen meiden
Viren verbreiten sich besonders dann, wenn Menschen einander nahekommen. Sie können also einer Ansteckung vorbeugen, indem Sie möglichst Abstand zu anderen halten.

8. Über Hygienemasken Bescheid wissen
Eine Hygienemaske aus einer mehrlagigen Filterfläche, die über Kinn, Mund und Nase getragen wird (Mund-Nasen-Schutz z. B. aus der Apotheke), verhindert in erster Linie die Anzahl von Erregern, die vom Anwender in die Umgebung ausgeatmet werden. In begrenztem Maße schützt sie aber auch vor dem Einatmen großer Tröpfchen oder Spritzer.

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Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

 

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