Kommentar zum neuen WDR-Studio in Münster
Chapeau: WDR hat gut verhandelt

Münster -

Der WDR möchte in den kommenden fünf Jahren in ein neues Landesstudio am Servatiiplatz ziehen. Doch selbst bauen will er nicht. Ein Kommentar.

Sonntag, 01.03.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 11:44 Uhr
Kommentar zum neuen WDR-Studio in Münster: Chapeau: WDR hat gut verhandelt
Der Parkplatz an der Ecke Eisenbahnstraße  / Wolbecker Straße soll nach Wunsch der Stadt und des WDR Standort des neuen Rundfunk-Studios werden. Foto: Oliver Werner

Der WDR entscheidet sich bewusst für den Standort Münster und möchte in spätestens fünf Jahren ein digital ausgerichtetes Landesstudio im Herzen der Stadt beziehen. Das ist mit Blick auf die Medienkompetenz im Münsterland und die 130 festen und freien Arbeitsplätze eine gute Nachricht. Aber auch, dass am jetzigen WDR-Standort an der Mondstraße nach dem Umzug über 100 Wohnungen entstehen sollen, sofern sie bezahlbar sind.

Auch wenn viele spannende Details in der millionenschweren Gesamtplanung nicht bekannt sind, so wie das Kostenvolumen, lässt sich eines bereits klar erkennen: Die WDR-Gebäudewirtschaft aus Köln hat hervorragend mit der Stadt verhandelt und für den Sender ein optimales Ergebnis herausgeholt. Vorausgesetzt, der Rat fasst Ende März den politischen Grundsatzbeschluss und der WDR-Verwaltungsrat stimmt zu. Zwei Punkte stechen heraus:

WDR nicht Bauherr

1.) Das zeitgemäße Radio- und Fernsehstudio entsteht auf dem Servatiiplatz, wo jetzt noch über 50 öffentliche Parkplätze sind – also in direkter Bahnhofsnähe, auf einem der letzten verfügbaren Grundstücke dieser Größenordnung in der Innenstadt. Wenn man an die endlos lange Debatte um eine Bebauung des Hörster Parkplatzes denkt, wird hier ganz geräuschlos ein für den Sender in Sachen Sichtbarkeit optimales Areal freigeräumt.

2.) Der WDR hatte nachdrücklich die Absicht geäußert, nicht als Investor für den bis zu fünfgeschossigen Neubau zur Verfügung stehen zu wollen und selbst Bauherr zu sein. Das übernimmt nun die Wirtschaftsförderung Münster, eine Tochter der Stadt, die das Gebäude in kommunaler Verantwortung errichtet und nur die dann für den Sender relevanten Teilflächen nach Fertigstellung des Baus in Form eines Sondereigentums an den WDR veräußert.

Hohe Ansprüche

Mit anderen Worten: Die öffentliche Hand übernimmt das Risiko und baut das Medienhaus für den Sender, was mit Blick auf die natürliche Distanz zwischen Stadt und Journalismus zumindest auffällt. Die Baukosten für das bis zu 20 Meter hohe Gebäude, wofür bald der internationale Architektenwettbewerb starten soll, werden nicht von Pappe sein. Die Ansprüche sind mit vertikalen Gärten an den Fassaden, großer Veranstaltungsfläche und Digitalwand riesig.

Und wer zieht auf die restlichen Flächen? Der WDR möchte sich verkleinern und nur die Hälfte der Bruttogeschossfläche von 3000 Qua­dratmetern haben. Die Stadt sucht Anknüpfungspunkte aus Bereichen wie Volkshochschule und Digitalisierung („Smart City“) – weiß aber noch nicht genau, welche –, während in den drei Stadthäusern um jeden einzelnen Büroraum gekämpft wird.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7301791?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker