Das Coronavirus erreicht Münster: 51-Jähriger wird in der Uni-Klinik isoliert behandelt
Leere Regale – und abends der erste Corona-Fall

Münster -

An diesem Samstagvormittag decken sich viele Münsteraner mehr mit Lebensmitteln ein als sonst. Am Abend wird der erste Corona-Fall festgestellt. Die Stadt schaltet in den Krisenmodus.

Sonntag, 01.03.2020, 16:15 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 18:21 Uhr
In vielen Lebensmittelmärkten waren länger haltbare Produkte zwischenzeitlich wegen der Nachfrage ausverkauft.
In vielen Lebensmittelmärkten waren länger haltbare Produkte zwischenzeitlich wegen der Nachfrage ausverkauft. Foto: privat

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch Münster erreichen würde: Am Samstagabend stellten die Virologen des Universitätsklinikums (UKM) dann die Ansteckung mit dem Virus bei einem 51-Jährigen fest, der gerade von einer Urlaubsreise aus dem Iran zurückgekehrt war.

Am frühen Sonntagnachmittag informierten Stadt und UKM die Öffentlichkeit über den Vorfall. Die beste Nachricht: Dem Mann gehe es gesundheitlich gut. Seine Ehefrau habe sich in freiwillige häusliche Quarantäne begeben, heißt es weiter.

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Ordnungsdezernen mahnt zur Besonnenheit

Die schon in der vergangenen Woche für diesen Montag terminierte Sitzung des städtischen Krisenstabs erhält durch den ersten Corona-Fall in Münster weitere Brisanz, auch wenn Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer unter Verweis auf einen bislang „einzelnen Fall“ zur Besonnenheit mahnt.

Unterdessen kam es in Lebensmittelgeschäften und Drogerien zu Hamsterkäufen [MZ+]. Desinfektionsmittel waren vielerorts aus den Regalen verschwunden – „aufgrund der aktuellen Situation“, wie es entschuldigend auf einer Kundeninformation einer Drogeriemarkt-Kette hieß.

In den Discountern und Lebensmittelmärkten waren etwa haltbare Milch, Nudeln oder Konserven dermaßen nachgefragt, dass vielerorts die Regale geräubert waren. Auch Toilettenpapier und Haushaltsrollen nahmen die viele Münsteraner offenbar vorsichtshalber mit nach Hause, um im Fall des Falls vorbereitet zu sein.

Krisenstab stimmt sich Montag ab

Am Montagmittag wird die Stadtverwaltung über den aktuellen Stand und die wichtigsten Fakten rund um das SARS-CoV-2-Virus informieren, wie es am Sonntag in einer Mitteilung hieß. Unter anderen wollen um 13 Uhr Oberbürgermeister Markus Lewe, der Leiter des städtischen Krisenstabs, Wolfgang Heuer, und Gesundheitsamtsleiter Dr. Norbert Schulze Kalthoff Ergebnisse aus der unmittelbar zuvor tagenden Sitzung des Krisenstabs mitteilen.

Auch Mediziner des UKM sollen an dieser Pressekonferenz im Stadtweinhaus teilnehmen. Als am Samstagabend das positive Testergebnis vom Institut für klinische Virologie  am UKM vorlag, folgte in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Münster die stationäre Behandlung in der Uniklinik.

WN-Special

Informationen zum Coronavirus finden Sie auch in unserem WN-Special zum Thema.

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Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

    Foto: dpa
  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

 

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