Neues Programm: Rosa Latour singt Michel Legrand
Bittersüße Lebensart

Münster -

Wenn die Lieder des französischen Filmkomponisten Michel Legrand erklingen, dürfen gefüllte Weingläser und Geplauder über Gott und die Welt dabei sein. Mittendrin die Sängerin Rosa Latour.

Sonntag, 01.03.2020, 17:06 Uhr
Chris Kühne (l.), Rosa Latour und Daniel Masuch
Chris Kühne (l.), Rosa Latour und Daniel Masuch Foto: Günter Moseler

Die Musik und die Liebe: Sie halten einander die Treue wie Romeo und Julia und bleiben unzertrennlich in größter Ekstase wie höchster Not. Auch die Songs und Chansons, die Rosa Latour als Hommage an den französischen Filmkomponisten Michel Legrand (1932-2019) im „Angelissimo“ vortrug, waren restlos von Liebe erfüllt – auch in Momenten ihres Scheiterns.

Im Lokal schien sich ein Gesamtkunstwerk à la „Savoir-vivre“ anzubahnen: Man trank Wein, plauderte angeregt über Gott und die Welt, es kreisten Rot- und Weißwein. Irgendwann schneite die Künstlerin herein, improvisierte Daniel Masuch am Keyboard ein paar lockere Skalen, stimmte Chris Kühne seinen Kontrabass und ließ sich Rosa Latour wieder im Bühnenoutfit blicken. Man spielt hier praktisch „im Schaufenster“, auf einem winzigen Podest, wo bereits das choreographische Arrangement von Instrumenten, Notenpulten, Mikrofonen und Laptop kunstvoll wirkte. Atmosphärisch schien alles in der Schwebe von „fast“ bis „noch nicht“, wie Legrands Musik: Ihre Anleihen an verschiedenen Spielarten der Unterhaltungsmusik, das Ab- und Vermischen populärer Idiome, Trends und Traditionen.

Dann gläserne, jazzige Glitzerklänge vom Keyboard, ein paar Pizzicati im Kontrabass, etwas Chromatik, etwas Moll und nostalgische Vergangenheit: „What are you doing the rest of your life?“, ein Liebeslied mit Oscar-Nominierung. Latour sang es mit sympathischer Zurückhaltung, ohne Technicolor-Pathos. „After the rain“ blieb in ihrer Interpretation ganz im Intimen verhüllt („I love the quiet right after the rain here with you“), der melancholische Optimismus des Titelliedes aus „Die Regenschirme von Cherbourg“ (1964) besaß Anmut und Charme, rhythmische Finessen gelangen der Sängerin präzise und prägnant.

Latours gestischer Ausdruck blieb beim Vortrag stets dezent präsent und relativierte mitunter eine theatralische Attitüde der Musik, in der Sentiment und Sentimentales sich verschränkten. In „The summer knows“ aus einem Kriegs-Melodram (1970) schlenderten die Harmonien wie geschlagen durch die Zeilen, und auch Frau Latour stand mit ernster Miene da. Die endlosen Figurationen in „La Valse des Lilas“ spielten mit dem Laissez-faire vager Leidenschaft, bevor Masuch am Keyboard David Raskins Ballade „The love and I“ zele­brierte, dessen verminderte Akkordfolgen wie risikolos einem Happy End entgegensegelten. In Barbara Streisands furiosem „The way he makes me feel“ aus „Yentl“ lieferten Bass und Keyboard den psychologischen Salto mortale zur rasanten Vocal-Power Latours – das Publikum war begeistert!

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