Infektionskrankheit
Corona-Patient in Münster ist wohlauf

Münster/Berlin -

Dem Coronavirus-Patienten der Uniklinik Münster, der sich bei einer Iran-Reise angesteckt hatte, geht es „ausgesprochen gut“. Bei der Suche nach Desinfektionsmitteln greifen manche Menschen unterdessen nach rabiaten Mitteln. An der Uniklinik gab es sogar einen Einbruch.

Montag, 02.03.2020, 16:52 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 17:10 Uhr
Nach der Sitzung des Krisenstabs in Münster äußern sich Prof. Stephan Ludwig (von links), Prof. Hugo Van Aken (beide UKM), Oberbürgermeister Markus Lewe, Krisenstab-Leiter Wolfgang Heuer und Norbert Schulze Kalthoff (Gesundheitsamt).
Nach der Sitzung des Krisenstabs in Münster äußern sich Prof. Stephan Ludwig (von links), Prof. Hugo Van Aken (beide UKM), Oberbürgermeister Markus Lewe, Krisenstab-Leiter Wolfgang Heuer und Norbert Schulze Kalthoff (Gesundheitsamt). Foto: Matthias Ahlke

Die Bundesregierung und renommierte Experten haben zu Besonnenheit, aber zugleich zu Wachsamkeit wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland gemahnt. „An bestimmten Stellen in Deutschland wird der Alltag ein Stück eingeschränkt sein müssen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin.

Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin wies darauf hin, dass es sich bei Covid-19 um eine milde Erkrankung handle, ähnlich einer Erkältung. Die Sterblichkeitsrate sei nach allem, was bislang bekannt sei, gering. 0,3 bis 0,7 Prozent der Infizierten sterben demnach an dem Virus.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

Münsteraner auf dem Weg der Besserung

Unterdessen ist der 51-jährige Ingenieur aus Münster, der bei einer Iran-Reise infiziert wurde, auf dem Weg der Besserung. Dem Patienten gehe es „ausgezeichnet“, sagte Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster (UKM). Er sei zuversichtlich, dass der Mann schon bald die Klinik verlassen könne, um zu Hause behandelt zu werden.

Die Ehefrau des Mannes mit iranischer Staatsbürgerschaft sei nicht angesteckt worden. Das hätten zwei Tests ergeben. Sie bleibe aber vorerst noch in häuslicher Quarantäne. Der Münsteraner war am Freitag von Teheran nach Frankfurt geflogen. Per Zug reiste er nach Köln und fuhr dann allein mit dem Auto nach Münster. Die Stadt nahm bereits Kontakt zur Lufthansa auf. Sechs Passagiere, die in der Nähe des Mannes saßen, sollen überprüft werden. Zudem gab es bereits Kontakt zur Deutschen Bahn.

Die Betten in den Kliniken sollten den Schwererkrankten vorbehalten sein, damit diese bestens medizinisch versorgt werden.

Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster

Das UKM kündigt mit Blick auf eine weitere Ausbreitung des Virus an, ab sofort nur schwer erkrankte Covid-19-Patienten stationär aufzunehmen. Stattdessen solle bei Patienten mit leichten Symptomen eine häusliche Quarantäne angeordnet werden.

„Die Betten in den Kliniken sollten den Schwererkrankten vorbehalten sein, damit diese bestens medizinisch versorgt werden“, meint Van Aken. Er beklagt Engpässe bei sterilen Materialien für die Versorgung infizierter Patienten sowie Desinfektionsmitteln.

Pressekonferenz in Münster

In einem Liveticker haben wir über die Pressekonferenz des Corona-Krisenstabs in Münster berichtet.

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Desinfektionsmittel aus Lager der Uniklinik geklaut

Beim Versuch, sich vor dem neuartigen Coronavirus zu schützen, greifen manche Menschen zu rabiaten Mitteln - in Münster sogar zu einem Einbruch: Die Uniklinik Münster bestätigte nach Angaben einer Sprecherin den Einbruch in ein Warenlager. Dort wurde eine ganze Palette mit Desinfektionsmitteln gestohlen. Gegenüber der „Bild“-Zeitung hatte der Ärztliche Direktor der Uniklinik, Hugo Van Aken, berichtet, dass der Bereich jetzt mit einer Kamera überwacht werden.

Ansteckungsrisiko offiziell hochgestuft

Am Montag stufte die EU-Gesundheitsagentur ECDC das Risiko für eine Ansteckung durch das neuartige Virus von moderat auf hoch, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Brüssel. Das bedeute, dass das Virus sich weiter ausbreite. Insgesamt wurden offiziell bisher rund 2100 Infektionen und 38 Todesfälle in 18 EU-Staaten nachgewiesen.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, teilte mit, die Risikoeinschätzung für das Virus sei von „gering bis mäßig“ auf „mäßig“ gestellt worden. Wieler bekräftigte, die Lage sei weiter sehr dynamisch und müsse täglich neu bewertet werden.

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