Informations-Offensive zum Coronavirus
Münsters Krisenstab tagt ab sofort regelmäßig

Münster -

Am Tag, nachdem die erste Coronavirus-Infektion in Münster bekannt geworden ist, tagt der Krisenstab der Stadt. Er beschließt nicht nur, ab sofort alle zwei Tage zusammenzukommen – sondern will auch die Bürger stärker informieren. Sowohl Vertreter der Verwaltung als auch der Uniklinik betonen am Montag einmütig, dass es keinen Anlass zu Sorge oder gar Panik gebe.

Montag, 02.03.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 20:04 Uhr
Informierten über die aktuelle Corona-Lage in Münster (v.l.): Prof. Dr. Stephan Ludwig (UKM), Dr. Norbert Schulze Kalthoff (Leiter des Gesundheitsamtes) und Prof. Dr. Hugo van Aken (Ärztlicher Direktor des UKM).
Informierten über die aktuelle Corona-Lage in Münster (v.l.): Prof. Dr. Stephan Ludwig (UKM), Dr. Norbert Schulze Kalthoff (Leiter des Gesundheitsamtes) und Prof. Dr. Hugo van Aken (Ärztlicher Direktor des UKM). Foto: Matthias Ahlke

Ernst und konzentriert treten am Montagmittag Vertreter von Stadt und Uniklinik vor die Presse, um über die aktuelle Corona-Lage in Münster zu informieren. Dabei ist ihre erste Nachricht durchaus positiv: Dem 51-jährigen Mann, der nach einer Iran-Reise positiv getestet wurde, gehe es „ausgezeichnet“ , sagt Prof. Dr. Hugo van Aken, Ärztlicher Direktor des UKM. Der Patient werde die Klinik wohl bald verlassen können und in häusliche Quarantäne gehen. Da er mit keinem anderen Münsteraner in Kontakt gestanden habe, bestehe für die übrigen Bürger kein Anlass zur Sorge.

„Wir haben den Fall komplett im Griff“, zeigt sich auch Oberbürgermeister Markus Lewe optimistisch. Derweil wird hinter den Kulissen intensiv daran gearbeitet, damit sich die Lage nicht doch noch verschärft – oder im Fall einer Eskalation außer Kontrolle gerät.

Kein Anlass zu übertriebener Sorge

Drei Stunden hat am Montagvormittag der Krisenstab der Stadt Münster getagt, Vertreter aus 20 Ämtern waren dabei. Man sei sich einig gewesen, dass man nicht den Entwicklungen hinterherlaufen, sondern „vor die Lage kommen“ wolle, sagt Stadtrat Wolfgang Heuer. Also agieren statt reagieren.

Auch Heuer sieht keinen Anlass zu übertriebener Sorge. „Die Notwendigkeit, ein ganzes Maßnahmenbündel umzusetzen, ist noch nicht gegeben“, betont er. So sei es derzeit nicht erforderlich, Veranstaltungen oder Fußballspiele abzusagen. Auch gegen den bevorstehenden Start der Vorlesungszeit an der Fachhochschule habe er „keine Bedenken“. Es gelte aber, dafür zu sorgen, die Verwaltung für den Fall einer Lageveränderung „fit zu machen“. „Eine funktionierende Verwaltung ist elementar“, sagt Heuer.

Informationsoffensive geplant

Im Zentrum stehe die Kommunikation mit der Bevölkerung. So soll in Kürze eine Hotline freigeschaltet werden, bei der sich Bürger rund um das Coronavirus informieren können. Zudem werde der Krisenstab ab sofort alle zwei Tage zusammenkommen – das nächste Mal am Mittwoch, dann auch mit Vertretern von Polizei, Medizinischer Fakultät und Stadtwerken.

Norbert Schulze Kalthoff, Leiter des Gesundheitsamtes, appelliert an besorgte, aber gesunde Bürger, nicht das Gesundheitssystem lahmzulegen. Wer Informationsbedarf habe, könne sich auf der nun um Coronavirus-Informationen erweiterten Internetseite des Gesundheitsamtes informieren – in zwölf Sprachen.

Virus-Tests in drei Containern

Auch das UKM setzt auf Information. Inzwischen sei eine Hotline ausschließlich für Ärzte eingerichtet worden, um zu verhindern, das mit dem Coronavirus Infizierte in Praxen oder Krankenhäusern auftauchen. Am UKM finden Virus-Tests in drei Containern auf dem Außengelände statt, berichtet van Aken. Für Infizierte stünden aktuell 23 Patientenzimmer mit 27 Betten bereit – sie befänden sich nicht in den Bettentürmen.

Am Ende der Pressekonferenz wirken die Beteiligten erleichtert. Lewe betont, dass er sich noch öfter die Hände wasche, UKM-Virologe Prof. Dr. Stephan Ludwig zeigt sich überzeugt, dass kein Land besser für den Kampf gegen Corona gerüstet sei.

Darauf scheint indes nicht jeder zu vertrauen: Am Montag wird bekannt, dass in der Nacht zu Samstag aus einem Warenlager des UKM eine Palette mit Desinfektionsmitteln gestohlen wurde. Der Bereich werde nun mit einer Kamera überwacht, berichtet eine Klinik-Sprecherin. 

Kommentar: Mit ruhiger Hand

Die Bilder von leeren Regalen in Supermärkten dürften sich am Wochenende vielen Münsteranern eingeprägt haben. Hamsterkäufe – wann hat es das zuletzt in dieser Stadt gegeben?

Sie zeigen, wie groß die durch das Coronavirus verbreitete Verunsicherung inzwischen ist. Stadtverwaltung und Uniklinik wissen das – und reagieren – mit Telefon-Hotlines, Online-Informationen und regelmäßiger, enger Abstimmung.

Sie tun dies gelassen, ohne Panik, mit ruhiger Hand – damit die Verunsicherung nicht noch wächst. Fakt ist: Derzeit gibt es in Münster keinen Anlass zu Angst oder gar Panik. Das kann sich ändern. Die Botschaft am Montag: Auch darauf wird Münster vorbereitet sein.

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Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

 

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