Bürgerveranstaltung
Streitobjekt Hafenmarkt: Offener Schlagabtausch blieb aus

Münster -

Die Bauarbeiten am Hafencenter ruhen, derweil die Planungen für den Hafenmarkt in die nächste Runde gehen. Proppevoll war es Dienstagabend in der Mehrzweckhalle der Stadtwerke am Hafenplatz: Die Stadt und das Unternehmen Stroetmann informierten am Dienstagabend über das Projekt Hafenmarkt. Es begann mit einer Überraschung.

Dienstag, 03.03.2020, 21:45 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 21:52 Uhr
Bürgerveranstaltung : Streitobjekt Hafenmarkt: Offener Schlagabtausch blieb aus
Die Stadt muss einen neuen Bebauungsplan aufstellen, weil der bisherige vom Oberverwaltungsgericht gekippt wurde. Foto: Matthias Ahlke

Der erste Zwischenruf kam, noch ehe die Veranstaltung begonnen hatte. „Warum gibt es hier keine Stühle?“, fragte jemand quer durch die Mehrzweckhalle des Stadtwerke Münster, als dort am Dienstagabend die Pläne für den umstrittenen neuen Bebauungsplan des Hafenmarktes (früher Hafencenter) vorgestellt wurden. Hunderte Interessierte irrten orientierungslos durch den Raum, weil es keine Stuhlreihen und kein Podium gab, wie man es sonst von Bürgerversammlungen kennt.

Stattdessen standen viele kleine Tische im Raum und noch mehr Stellwände an den Seiten. Man habe sich bei dieser Veranstaltung für das „Messeformat“ entschieden, erklärte Oberbürgermeister Markus Lewe, um den Bürgern die Möglichkeit zu geben, in kleinen Gruppen zu diskutieren und die versammelten Gesprächspartner direkt ansprechen zu können.

Begutachtung des Modells

Mindestens zwei Dutzend Referenten standen zur Verfügung, allesamt zu erkennen an ihren farblich markierten Namensschildern: gelb für den Investor Stroetmann; blau die Architekten und Einzelhandelsexperten, grün die die Gutachter und orange die Vertreter der Stadt.

Prompt intervenierte Rainer Bode als Sprecher der Gegner des Hafencenters. Ihm war klar, dass es bei besagtem Messeformat zu keinem offenen Schlagabtausch kommen würde – womit er auch Recht behalten sollte.

Vorübergehend sah es so aus, als würde sich die Spannung im Raum in einem großen Knall entladen. Aber es kam anders. Die Besucher, ganz überwiegend aus dem Lager der Gegner, verteilten sich an den Ständen und begutachteten das Modell des Hafens, auch wenn Bode zuerst noch demonstrativ verkündete: „Wir bleiben in der Mitte stehen.“

Lob- und Meckerecke

Eben dort diskutierten Hafencenter-Gegner in der folgenden Stunde erst mit Lewe, dann mit Stadtbaurat Robin Denstorff. Angesichts der jahrelangen Kontroverse über dieses Millionenprojekt war allen Beteiligten die Anspannung anzumerken – und doch verlief die Aus­ein­andersetzung abseits der sonst üblichen Bahnen: dezentral, nicht so laut und an vielen Stellen sogar sachlich. So hätte man es bei früheren Hafencenter-Veranstaltungen wohl kaum für möglich gehalten, dass sich eine regelrechte Menschentraube um den Unternehmer Max Stroetmann bildet, wenn dieser sein Einzelhandelskonzept für den Hafen erklärt.

An allen Ständen befanden sich weiße Blätter, wo Interessierte Anmerkungen machten, ganz am Ende des Saales konnten Besucher sogar die Lobecke oder auch die Meckerecke aufsuchen. In der Meckerecke war mehr los. Als die entsprechende Tafel erst um eine zweite und dann um eine dritte erweitert werden musste, war aber längst die aggressive Stimmung verschwunden. Die Möglichkeit, die „bösen“ Investoren oder auch die vermeintlich autofixierten Verkehrsplaner einmal direkt ansprechen können, wirkte Wunder – zumindest atmosphärisch.

Wie sagte Lewe: „Sie werden vielleicht nicht zufrieden, aber zumindest doch informiert diesen Saal verlassen.“

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