Studioausstellung im Picasso-Museum zeigt Künstler- und Malerbüchern
Der Händler als „Architekt“

Münster -

Wirre Linien. Ein wahnhafter Künstler. Ohne Farbe und Sinn für die Realität. So illus­trierte Pablo Picasso die Künstlernovelle „Das unbekannte Meisterwerk“.

Mittwoch, 04.03.2020, 18:54 Uhr
Vier Blätter aus den Malerbüchern im Picasso-Museum (v.o.l. im Uhrzeigersinn): Charles Baudelaires „Die Blumen des Bösen“ (1966) von Georges Rouault, zwei Blätter (l. o. und u.) aus „Amour“ (1899) von Maurice Denis sowie das Porträt Ambroise Vollards – eine Radierung von Pablo Picasso.
Vier Blätter aus den Malerbüchern im Picasso-Museum (v.o.l. im Uhrzeigersinn): Charles Baudelaires „Die Blumen des Bösen“ (1966) von Georges Rouault, zwei Blätter (l. o. und u.) aus „Amour“ (1899) von Maurice Denis sowie das Porträt Ambroise Vollards – eine Radierung von Pablo Picasso. Foto: VG Bild Kunst Bonn

Wirre Linien. Ein wahnhafter Künstler. Ohne Farbe und Sinn für die Realität. So illus­trierte Pablo Picasso die Künstlernovelle „Das unbekannte Meisterwerk“ von Honoré de Balzac für den Galeristen und Kunsthändler Ambroise Vollard (1865-1939). Das Kunstmuseum Pablo Picasso widmet sich in seiner aktuellen Studioausstellung „Von Bonnard bis Picasso – die Bücher des Monsieur Vollard“ der großen Leidenschaft des Galeristen: den Künstler- und Malerbüchern.

Monsieur Ambroise Vollard war ein echter Geschäftsmann und verdiente mit dem Verkauf von Gemälden im Paris des späten 19. Jahrhunderts gutes Geld. Schnell baute er ein internationales Netzwerk und einen berühmten Kundenstamm auf. Dazu zählten wichtige Sammler wie Albert C. Barnes oder Gertrude Stein. „Seine kleine, 1895 gegründete Galerie auf der Rue Laffitte wurde zum Schmelztiegel der Pariser Avantgarde und präsentierte die ersten Einzelausstellungen von Künstlern wie Paul Cézanne, Henri Matisse und Pablo Picasso“, erzählt Alexander Gaude, Kurator der Ausstellung.

Doch die wahre Leidenschaft des Kunsthändlers galt zeitlebens den bibliophilen Künstler- und Malerbüchern. Vollard sah sich selber als „Architekten“ dieser Werke, für die er zunächst die Texte auswählte, um dann gezielt auf Künstler zuzugehen.

Illustriert und ausgestellt ist in der Ausstellung im Picasso-Museum zum Beispiel der Gedichtband „Die Blumen des Bösen“ des Autoren Charles Baudelaires. Pablo Picasso selbst widmete sich der Umsetzung der Künstlernovelle „Das unbekannte Meisterwerk“. Es ist die Geschichte eines Künstlers, der die perfekte Darstellung eines weiblichen Modells schaffen will. Als er sein Werk enthüllt, sind nur wirre Linien zu erkennen. „Die Zeichnungen thematisieren das Verhältnis von Abbild und Wirklichkeit, von Maler und Modell. Picasso war davon so fasziniert, dass er in das fiktive Atelier des Malers in Paris zog“, so Gaude.

Die Linien und Konturen von Picassos Illustrationen schaffen auch die Verbindung zur großen Ausstellung „Beauty Is a Line (Schönheit ist eine Linie)“. Etwa 50 Exponate von Künstlern wie Marc Chagall, Georges Rouault, Maurice Denis, Pierre Bonnard und Georges Braque sind in „Von Bonnard bis Picasso – Die Bücher des Monsieur Vollard“ zu sehen. Darunter auch zahlreiche Porträts von Vollard, die befreundete Künstler von ihm anfertigten. Sämtliche Werke der Ausstellung stammen aus der im Museum beheimateten Sammlung Classen und werden zum Teil erstmalig präsentiert.

Die Studioausstellung ist parallel zur Ausstellung „Beauty Is a Line – Von Cy Twombly bis Gerhard Richter“ bis zum 24. Mai im Picasso-Museum zu sehen.

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