Die Spielzeit 2020/21 im Theater Münster
Beamte tanzen auf der Bühne

Münster -

Das Theater Münster lockt mit seinen verschiedenen Sparten unterschiedliche Zuschauer an. Was Musiktheater, Schauspiel und Tanz in der Spielzeit 2020/21 zu bieten haben, wurde jetzt präsentiert.

Mittwoch, 04.03.2020, 19:04 Uhr
Nach der Präsentation des Spielplans gestern im Theaterinnenhof: (v. l.) Schauspieldirektor Frank Behnke, Jugendtheater-Dramaturgin Monika Kosik, Generalintendant Dr. Ulrich Peters, Generalmusikdirektor Golo Berg, Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann, Tanztheater-Chef Hans Henning Paar, Operndirektorin Susanne Ablaß
Nach der Präsentation des Spielplans gestern im Theaterinnenhof: (v. l.) Schauspieldirektor Frank Behnke, Jugendtheater-Dramaturgin Monika Kosik, Generalintendant Dr. Ulrich Peters, Generalmusikdirektor Golo Berg, Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann, Tanztheater-Chef Hans Henning Paar, Operndirektorin Susanne Ablaß Foto: Wilfried Gerharz

Der erste Teil von Goethes „Faust“ im Sprechtheater, Wagners „Walküre“ in der Oper, Bachs Johannes-Passion getanzt und Beethovens Fünfte im Konzert gespielt: Wer auf Repertoire-Highlights aus ist, wird im neuen Spielplan des Theaters Münster schnell fündig. Und auch das Junge Theater trumpft mit Helden wie Frankenstein und Robin Hood auf, die man kaum mehr vorstellen muss.

Dahinter stecke aber kein besonderes Konzept, es sei schlichtweg die Konsequenz eines so umfangreichen wie vielfältigen Spielplans für die Saison 2020/21, sagt Schauspieldirektor Frank Behnke stellvertretend für die Leitung des Hauses, die gestern ihr Programm nicht nach Sparten geordnet, sondern im chronologischen Hin und Her zwischen Wort, Gesang und Tanz präsentierte. Gewiss gibt es da auch Zusammenhänge zwischen Nachbar-Sparten: Wer etwa Wagners „Walküre“ ab Dezember genossen hat, wird ein Zitat daraus im letzten Sinfoniekonzert der Saison wiederfinden. Entscheidender aber ist, abermals mit den Worten Frank Behnkes, die „ganz großen Autoren zu befragen und mit der Gegenwart abzugleichen“. Was er mit der Saisoneröffnung, die am 28. und 29. August dem Schauspiel obliegt, direkt anpackt: Im Kleinen Haus kombiniert er Shakespeares vielzitiertes, aber selten gespieltes Drama über den Politiker Julius Caesar, der sich als gottgleicher Machthaber geriert, mit dem Text „Die Politiker“ von Wolfram Lotz, der auch schon mal mit „König Lear“ gespielt wurde. Am Tag darauf folgt „Faust I“ als „zentraler Text des Abendlandes“.

Zwischen Tschechows „Möwe“ und Kipphardts „Bruder Eichmann“ sowie einigen Uraufführungen verbirgt sich mit Felicia Zellers Komödie „Der Fiskus“ ein Stück über das Finanzamt, in dem Beamte tanzen und singen werden – was zur Ballettoper „Preußisches Märchen“ von Boris Blacher im Musiktheater überleitet, weil auch dort die fleißigen Staatsdiener aufs Korn genommen werden. Allerdings sind es in dieser Variante des „Hauptmanns von Köpenick“ preußische Beamte.

Ausgrabungen

Was dem Schauspiel die Uraufführungen, das sind dem Musiktheater die Ausgrabungen. So dürfte etwa beim Stichwort Bayreuth jeder an Richard Wagner, aber kaum jemand an Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth denken, die Schwester Friedrichs des Großen. Sie komponierte und schuf womöglich aus eigener leidvoller Erfahrung mit dem väterlichen Soldatenkönig die Oper „Argenore“, in der es um einen Tyrannen geht. Das sei „die finsterste Barockoper, die mir je untergekommen ist“, sagt Münsters Intendant Dr. Ulrich Peters, der das Werk auch inszenieren wird. Für ein anderes, ebenfalls unbekanntes Stück setzt sich Peters ebenfalls als Regisseur ein, wobei es allerdings erheblich lustiger zugehen soll: „Triumph der Liebe“ ist ein Musical des Komponisten Jeffrey Stock, das als „Schauspieler-Musical“ nicht so leicht zu singen sei wie die Bezeichnung suggeriert, aber interessanterweise ohne Chor und Tänzer auskomme – und trotzdem sehr fetzige Musik biete, verspricht Peters.

Die großen Premieren

 

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Tänzer und Chorsänger, aber natürlich auch Solisten versammelt Hans Henning Paar im ersten Tanzabend der kommenden Saison: Er bringt Bachs Johannes-Passion auf die Bühne des Großen Hauses und dokumentiert damit nicht nur sein Interesse an spartenübergreifender Arbeit, sondern will das Werk auch zu Themen wie Leiden und Leidenschaft, Religion und Politik befragen. Zeitlose Themen mithin, die für das Theater auch Grund genug sind, das populärste Stück aus Wagners „Ring“, nämlich „Die Walküre“, separat zu präsentieren. „Es behandelt Themen von grundsätzlicher Bedeutung“, betont Generalmusikdirektor Golo Berg. Wobei allerdings auch niemand aus der Theaterleitung leugnet, einfach große Lust auf dieses tolle Stück zu haben – zumal eine starke Besetzung versprochen wird.

Übrigens steckt auch ein bisschen Westfälisches im Spielplan: Die Niederdeutsche Bühne bringt ein Stück von Peter Shaffer als „Swatte Kumelge“ heraus. Und was manchen Zeitgenossen überraschen mag: Leonard Bernsteins „Candide“, mit der die Musiktheaterspielzeit am 19. September beginnt und die vom Live-Illustrator Robert Nippoldt aus Münster begleitet wird, spielt zu großen Teilen in Westfalen. Das haben Goethe und Wagner nicht zu bieten.

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