Langjährige LEG-Mieterin
Kündigung für Rentnerin landet vor Gericht

Münster -

Die 73 Jahre alte Rentnerin wohnt seit fast 50 Jahren an der „kleinen“ Bahnhofstraße in derselben Mietwohnung. Jetzt klagt sie gegen ihre Vermieterin, die LEG. Die Gesellschaft hatte ihr im vergangnen Jahr fristlos gekündigt, nachdem sie die Miete gemindert hatte. Mit gutem Grund, wie die Richterin durchblicken ließ.

Donnerstag, 05.03.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 20:28 Uhr
Im Haus neben dem Neubau (l.) an der „kleinen“ Bahnhofstraße wurde einer langjährigen Mieterin gekündigt. Sie hatte wegen monatelangen Baulärms die Miete gekürzt und zog jetzt vor Gericht.
Im Haus neben dem Neubau (l.) an der „kleinen“ Bahnhofstraße wurde einer langjährigen Mieterin gekündigt. Sie hatte wegen monatelangen Baulärms die Miete gekürzt und zog jetzt vor Gericht. Foto: Karin Völker

Die 73 Jahre alte Münsteranerin wohnt seit 48 Jahren in der Mietwohnung in der „kleinen Bahnhofstraße“. Genau vor einem Jahr zog ihr ein Brief ihrer Vermieterin, der LEG, buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Sie erhielt die fristlose Kündigung. Der Grund: Sie hatte in Absprache mit dem Mieterbund, wo sie Mitglied ist, die Miete um zehn Prozent gekürzt.

Gleich neben ihrer Wand wurde über Monate das Gebäude der damaligen Paketpost abgerissen . „Der Lärm der Abrissbagger ging schon um sechs Uhr am Morgen los“, erzählte sie am Donnerstag bei der Güteverhandlung im Amtsgericht. Nachbarn aus demselben Haus, die als Zuhörer gekommen waren, riefen der Richterin zu: „Das Geschirr schepperte stundenlang im Schrank.“

Als die Kündigung der LEG kam, bekam die Mieterin mit kleiner Rente Angst, überzog ihr Bankkonto und leistete die von der LEG geforderte Nachzahlung in Höhe von knapp 1800 Euro, um in der Wohnung bleiben zu können. Den Betrag will sie trotzdem zurück haben, sie klagte vor dem Amtsgericht. Der Streit mit der LEG dreht sich zudem um eine Modernisierungsmieterhöhung, die die Vermittlungsgesellschaft nach der Dämmung des Hauses erhoben hatte.

Dreiwöchige Frist gesetzt

Die Dämmung aber ist bisher nicht abgeschlossen worden. Es fehlen bis heute die Decke des Obergeschosses und das gesamte Spitzdach. Der Dämm-Effekt funktioniere dann nicht, führte der Anwalt der Mieterin im Gericht aus und verglich das unvollständig gedämmte Haus mit „einer Thermoskanne ohne Deckel“. Der Anwalt des Wohnungsunternehmens bestritt den Sachverhalt im Grundsatz nicht.

Der Richterin gab er bei dem Gütetermin den Hinweis, dass er sich vorstellen könne, die LEG werde sich bewegen, wenn sie einen Hinweis gebe, in welche Richtung ihr Urteil ausfallen werde, sollte es eben nicht zu einer Einigung kommen. „Es wohnt ja nicht nur die Klägerin im betroffenen Haus.“ Weil aktuelle Schriftsätze des Anwalts der Mieterin noch nicht gesichtet und bewertet werden konnten, wurde noch einmal eine dreiwöchige Frist bis zu einer Entscheidung gesetzt.

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