Premiere von „Blake and Me and the Universe“ des Theaters MAKE
Raus ins All – rein in den Zellkern

Münster -

Wie bekommt man alle übrigen Menschen auf der Welt auf ein Foto? Indem man sich mit der Kamera weit genug entfernt. Wie die Astronauten, die uns Bilder und ergriffene Schilderungen einer bläulichen Murmel geliefert haben. In seiner aufwendigen Produktion zur Feier des 20-jährigen Jubiläums seines Theaterlabels MAKE verkoppelt Manfred Kerklau in „Blake And Me And The Universe“ zeitgenössische An- und Einsichten anregend mit dem Werk des englischen Künstler William Blake.

Freitag, 06.03.2020, 13:52 Uhr
Faszinierende Blicke auf das Verhältnis von Mensch und Kosmos vermittelt Manfred Kerklau zum 20-Jährigen seines Theaterlabels in der Produktion „Blake And Me And The Universe“: ein Sandkorn als Heimat.
Faszinierende Blicke auf das Verhältnis von Mensch und Kosmos vermittelt Manfred Kerklau zum 20-Jährigen seines Theaterlabels in der Produktion „Blake And Me And The Universe“: ein Sandkorn als Heimat. Foto: Erich Saar

Wie bekommt man alle übrigen Menschen auf der Welt auf ein Foto? Indem man sich mit der Kamera weit genug entfernt. Wie die Astronauten, die uns Bilder und ergriffene Schilderungen einer bläulichen Murmel geliefert haben. In seiner aufwendigen Produktion zur Feier des 20-jährigen Jubiläums seines Theaterlabels MAKE verkoppelt Manfred Kerklau in „Blake And Me And The Universe“ zeitgenössische An- und Einsichten anregend mit dem Werk des englischen Künstler William Blake (1757-1827).

Blake schuf das Diktum von den „Pforten der Wahrnehmung“, jener „Doors Of Perception“, die Aldous Huxley später in einem Drogenexperiment öffnete und die einer amerikanischen Rock-Band zum Namen verhalfen. Spätestens da war Blake als visionärer Maler und Dichter, der zu seinen Lebzeiten als exzentrisch und geradezu geistesgestört galt, in der Pop-Kultur angekommen, wo auch der jugendliche „Doors“-Fan Kerklau auf ihn aufmerksam wurde.

„Blake And Me And The Universe“ schickt das Publikum im Pumpenhaus auf eine Reise. Und zwar im wörtlichen Sinne: Vom Foyer aus werden die Besucher durch den Keller auf die Galerie geführt und schauen hinab auf die durch Blakes geheimnisvolle Bilder inspirierte Bühne, fast auf Augenhöhe mit fahl angeleuchteten Tellern. Auf dem Boden wälzen sich Gestalten im Zwielicht. Projektionen erhellen einen amorphen Teppich, der mal von flirrendem Leben erfüllt ist, mal als pulsierender Schmelzofen oder milchig und fahl wirkt. Zitate von Weltraumfahrern beschreiben den „Overview-Effekt“, den sie im All beim Blick auf den Heimatplaneten demütig erlebten: alles irdisches Leben und Tod, konzentriert „auf diesem kleinen Punkt, den du mit deinem Daumen verdecken kannst“. Das moderne Pendant zu Blakes Worten: vom Erblicken der Welt in einem einzelnen Sandkorn.

Während die Darsteller zu Sprache (vornehmlich handlungstreibende Zitate aus Blakes Gedichten) und tänzerischer Bewegung finden und dabei die menschlich-planetarische Entwicklung abbilden, steigt das Publikum zu ihnen hinunter. Die Blickwinkel und die räumlichen Ebenen des kosmischen Spiels wechseln ein um das andere Mal, vertikal, horizontal: Von der Spitze einer der hohen Stangen auf der Bühne gleitet Sabeth Dannenberg in atemloser Stille zeitlupenhaft und scheinbar schwerelos herab. Ein zarter, humorvoller Mythos von Erde, Mond und Sonne wird erzählt, wie alles hier multilingual, weil universell.

Die Frage der Perspektive, das zeigt diese Performance bildmächtig und fesselnd, bleibt aber ohne menschliche Erfahrung und Vorstellungskraft kalt: „Raus ins Universum! Rein in den Zellkern!“ treibt es den Menschen. Jedoch, grimmt Carsten Bender: „Das Mikroskop weiß nichts“. Denn ebenso wie das Teleskop berührt es das Objekt nicht. Jede Fliege könne das besser – mit ihren Augen, den Fenstern zur Seele. Denn da beginnt der Trip.

Vorstellungen sind am Freitag und Samstag (6. und 7. März) um 20 Uhr sowie am Sonntag (8. März) um 19 Uhr. Karten im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt oder online. Am Samstag (7. März) liest der US-Autor David Schein aus seinem Buch „The Adoption“; am Sonntag (8. März) findet ein philosophisches Gespräch statt.

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