Müllwerkerinnen aus ganz Deutschland treffen sich in Münster
Diese Frau kann anpacken

Münster -

Sie liebt es draußen zu sein und sich bei der Arbeit zu bewegen. Ihr Tag beginnt sehr früh, dafür kann sie sich nachmittags um ihre Familie kümmern. Tina Riech arbeitet als Müllwerkerin bei den Abfallwirtschaftsbetrieben. Ein Job, der für sie perfekt ist, wie sie sagt.

Samstag, 07.03.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 07.03.2020, 11:26 Uhr
Tina Riech (44) arbeitet seit Juni bei den Abfallwirtschaftsbetrieben Münster (AWM). Sie ist eine von fünf Frauen, die dort beschäftigt sind und heute viel glücklicher, als in ihrem alten Job, sagt die gelernte Floristin.
Tina Riech (44) arbeitet seit Juni bei den Abfallwirtschaftsbetrieben Münster (AWM). Sie ist eine von fünf Frauen, die dort beschäftigt sind und heute viel glücklicher, als in ihrem alten Job, sagt die gelernte Floristin. Foto: Renée Trippler

Was an ihr sofort auffällt, ist ihr gepflegtes Äußeres, von der Frisur über das Make-up bis zu den perfekt manikürten, blass weißen Fingernägeln. Ginge es nach dem optischen Eindruck, würde man sie vermutlich überall vermuten – nur nicht auf einem Müllwagen. Den einzigen Hinweis auf ihre vermeintlich schmutzige Tätigkeit liefert der orangefarbene Komplett-Look. Tina Riech ist eine von fünf Müllwerkerinnen bei den Abfallwirtschaftsbetrieben (AWM). Anlässlich des internationalen Frauentages am Sonntag wirbt sie mit 30 Kolleginnen aus ganz Deutschland bei einem Netzwerktreffen in Münster für ihren Beruf. Dass den bislang so wenig Frauen ausüben, versteht sie nicht.

„Für mich gibt es keine Männer- und Frauenberufe mehr“, sagt Tina Riech auf dem Weg „ins Revier“. Dass der Job sie teilweise auch körperlich fordert, ist das, was die 44-Jährige daran so liebt. „Andere gehen zum Sport, ich gehe arbeiten. Ich glaube, ich komme viel ausgeglichener und entspannter nach Hause, als andere Frauen aus dem Büro.“ Ein entscheidender Vorteil seien auch die Arbeitszeiten, sagt sie: Tinas Arbeitstag beginnt um 6 Uhr morgens. „Dafür bin ich um 15 Uhr zu Hause und kann den Nachmittag mit meinen Kindern verbringen.“ Ein Bürojob kam für die gelernte Floristin nie infrage: „Ich liebe es, draußen zu sein.“

Lieblingsrevier in Gremmendorf

Tina Riechs Kollegen sind mit dem Einsatzfahrzeug im Kreuzviertel unterwegs. Ein Team, mit dem sie schon viel gefahren ist. Man kennt sich, macht Späße miteinander. Die 44-Jährige ist in ihrem ersten Berufsjahr – und deshalb als Springerin immer in verschiedenen Gebieten unterwegs. Dabei lernt sie alle Gebiete kennen. Ihr Lieblingsrevier sei das „Laufrevier“ in Gremmendorf, sagt Tina. „Wir nennen das so, weil es eben sehr weitläufig ist und man sich viel bewegt.“ Manche Kollegen fänden das auch blöd, seien lieber in der Stadt unterwegs, wo alles kompakter ist, „aber ich finde das toll.“

Wer mit Tina und ihren Kollegen unterwegs ist, merkt schnell, dass ihr Job entgegen vieler Vorurteile weder schmutzig noch ekelig ist. Denn von dem Müll, der ein- und abgeladen wird, kriegt die Lkw-Besatzung so gut wie nichts mit – abgesehen von dem Gewicht. Und falls doch mal was daneben geht, „sind wir ja durch die Kleidung und Handschuhe geschützt.“

Veranstaltungen zum Frauentag in Münster

Der 8. März (Sonntag) steht auch in Münster ganz im Zeichen des Internationalen Frauentags. Am Wochenende finden gleich mehrere Veranstaltungen statt. So ruft der kfd-Diözesanverband zusammen mit der Initiative „Maria 2.0“ zu einer Mahnwache auf. Diese beginnt um 11.15 Uhr vor dem Dom. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Gleichberechtigungen von Frauen in Kirche und Gesellschaft. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lädt ab 11.30 Uhr zu einer Matinée in das Kreativhaus, Diepenbrockstraße 28, ein. Das Motto lautet dort „Wir fairändern“. Im Cinema, Warendorfer Straße 45-47, werden am Sonntag gleich mehrere Filme zum Frauentag gezeigt. Ab 13.30 Uhr sind insgesamt vier Filme über den Tag zu sehen. Im VHS Forum werden am Sonntag ab 17 Uhr unter dem Motto „Frauen sehen rot“ rote Handtaschen versteigert. Josefine Paul (MdL) veranstaltet anlässlich des Frauentags bereits am Samstag (7. März) ein Erzählcafé mit Live-Musik im Café Montmatre, Wolbecker Straße 30.

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Es seien „auch mal sauschwere Tonnen dabei, aber dann hat man immer nette Kollegen, die mit anpacken“, sagt Tina. Und das gelte sowohl für Frauen, als auch für Männer: „Wenn mal ein Kollege dabei ist, der Rückenschmerzen hat, dann nehme ich die schwere Tonne.“ Demnächst will sie ihren Lkw-Führerschein machen.

Man merkt, dass der Umgang in den Teams ausgeglichener und aufmerksamer ist.

Manuela Feldkamp

Manuela Feldkamp von den AWM – die in diesem Jahr das Netzwerktreffen der Müllwerkerinnen und Stadtreinigerinnen ausrichten – sagt, auch die Entsorgungs-Unternehmen profitierten von mehr Frauen auf der Straße: „Man merkt, dass der Umgang in den Teams ausgeglichener und aufmerksamer ist.“ Mit dem Treffen wolle man darauf aufmerksam machen, was für ein toller Beruf das für Frauen ist.“ Ein wichtiges Thema werde die Arbeitskleidung sein, sagt Feldkamp. Seit einigen Monaten bekommen die AWM Frauenkleidung, die Auswahl soll noch verbessert werden.

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