Der Internationale Frauentag in Münster
Frauen kämpfen für ihre Rechte

Münster -

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist auch im Jahr 2020 noch längst nicht überall eine Selbstverständlichkeit. Zahlreiche Frauen – aber auch Männer – beteiligten sich deshalb am Wochenende in Münster an Aktionen zum Weltfrauentag.

Sonntag, 08.03.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 08:55 Uhr
„Würde“ und „Gleichberechtigung“ waren zwei der Schlagworte, die bei der Mahnwache auf dem Domplatz genutzt wurden.
„Würde“ und „Gleichberechtigung“ waren zwei der Schlagworte, die bei der Mahnwache auf dem Domplatz genutzt wurden. Foto: Oliver Werner

Der Wind pfiff am Sonntagvormittag über den Domplatz und ließ Plakate, Banner und Fahnen erzittern. „Einbahnstraße Männerkirche“ steht auf einem, „Würde und Gleichberechtigung“ auf einem anderen. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (KFD) und die Initiative „Maria 2.0“ hatten zu einer Mahnwache aufgerufen.
Das Datum war nicht zufällig gewählt: Am Sonntag war Internationaler Frauentag. Und der wurde in Münster am Wochenende gleich an mehreren Stellen begangen. Bereits am Samstag veranstaltete das münsterische Frauenstreikbündnis eine Demo in der Innenstadt, der Verein „Frauenhaus und Beratung“ machte mit einer Kunstaktion auf getötete Frauen in Deutschland aufmerksam. Für jede im vergangenen Jahr in Deutschland getötete Frau – insgesamt 135 – stellten sie ein Paar rote Schuhe auf dem Stubengassenplatz auf.

Gleichstellung der Geschlechter

Die Gleichstellung der Geschlechter – darum geht es beim internationalen Frauentag. Und was das angeht, sieht sich auch die katholische Kirche großen Herausforderungen gegenüber. Das machten die nach Angaben der Polizei etwa 300 Teilnehmer bei der Mahnwache vor dem Dom deutlich. „Die Zeit ist mehr als reif. Wir wollen endlich einen Dialog auf Augenhöhe“, sagte Judith Everding, KFD-Vorsitzende im Bistum Münster. „Ich könnte den ganzen Tag lang reden, um zu sagen, welche Probleme und Ungerechtigkeiten Frauen erleben.“

Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag

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  • Zum Internationalen Frauentag gab es in Münster gleich mehrere Aktionen und Veranstaltungen. Der Verein „Frauenhaus und Begegnung“ hatte eine Kunstaktion organisiert.

    Foto: Oliver Werner
  • Für jede im vergangenen Jahr in Deutschland getötete Frau wurde ein Paar rote Schuhe aufgestellt – insgesamt 135 Stück.

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  • Zusätzlich zur Kunstaktion gab es noch einen Tanz.

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  • Der Weltfrauentag soll vor allem für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern sorgen.

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  • Zahlreiche Frauen beteiligten sich an der Aktion auf dem Stubengassenplatz.

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  • Die Mitglieder des Frauensportvereins demonstrierte so, wie sie es am besten können: sportlich.

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  • Vor dem Dom veranstalteten die KFD und die Initiative „Maria 2.0“ eine Mahnwache.

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  • Aus weißen Tüchern wurde ein großes Kreuz vor dem Dom ausgebreitet.

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  • Viele Frauen und auch zahlreiche Männer beteiligten sich an der Mahnwache.

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  • Die „Männerkirche“ wurde auf den Plakaten als „Einbahnstraße“ bezeichnet.

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  • “Würde“ und „Gleichberechtigung“ waren zwei zentrale Schlagworte.

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  • Mit Plakaten machten die Frauen ihre Meinung deutlich.

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Dass es den Frauen am Sonntag dabei nicht nur um die Rolle in der katholischen Kirche geht, machte Andrea Voß-Frick von „Maria 2.0“ deutlich: „Es geht um die Benachteiligungen von Frauen auf der ganzen Welt.“ Um diese zu bekämpfen, könne die katholische Kirche mit ihren weltweit etwa 1,2 Milliarden Mitgliedern eine Vorbildfunktion einnehmen. „Die Kirche hat eine große Verantwortung, in Sachen Gleichberechtigung voran zu gehen“, so Voß-Frick.

Wir wollen unseren Glauben leben in einer Kirche, die für alle zugänglich ist.

Anne Kloth

Auch die Frauen, die mit Plakaten in den Händen vor der kleinen Bühne standen, hatten eine klare Meinung. „Wir wollen unseren Glauben leben in einer Kirche, die für alle zugänglich ist“, machte Anne Kloth aus Rheine deutlich. Ihrer Meinung nach sei es schon „fünf nach zwölf“. Auch für Ulla Stemberg und Hildegard Klapprott, die von Selm aus nach Münster gekommen sind, sei die Zeit „überreif“. „Wir wollen eine geschlechtergerechte Kirche“, so Klapprott.
Die Gewerkschaftsfrauen in Münster stellten den Frauentag unter das Motto „Wir fairändern“. „Für echte Gleichstellung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt müssen wir an verschiedenen Stellschrauben drehen“, so die Gewerkschaftssekretärin Anne Sander.

Ausstellung im VHS-Forum

Und auch im VHS-Forum wurde der Weltfrauentag begangen: Dort ist eine Ausstellung unter dem Leitwort „Münsters Frauen sehen rot“ zu sehen. Ausgestellt werden rote Handtaschen, die Erfahrungsberichte von Frauen beinhalten. „Wir haben die Farbe gewählt, um auf die noch bestehende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern hinzuweisen“, so Karin Münster, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Frauenorganisationen. Am 17. März, dem Equal Pay Day, werden die Handtaschen versteigert.

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