Trainingsplatz am Dortmund-Ems-Kanal
Stadt setzt Hundefreunde vor die Tür

Münster -

Der „Verein für Deutsche Schäferhunde“, Ortsgruppe Münster, besteht seit 112 Jahren. Seit den 70er-Jahren unterhält der Verein einen Trainingsplatz am Wilhelmshavenufer; damit ist bald Schluss – die Stadt hat den Vertrag gekündigt.

Sonntag, 08.03.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 14:39 Uhr
Die Mitglieder des „Verein für
Die Mitglieder des „Verein für Foto: Luca Pals

Auch wenn gerade gelüftet wurde: Es liegt etwas in der Luft. Der Ärger im Raum ist greifbar, die Vereinsmitglieder machen keinen Hehl über ihren Unmut: Fristgerecht zum Ende des Monats muss die Ortsgruppe Münster des „Vereins für Deutsche Schäferhunde“ ihr Hab und Gut zusammengepackt haben – dann wird der Hundetrainingsplatz am Wilhelmshavenufer nach 45 Jahren schließen und einer Ausgleichsfläche für Hochwasser weichen müssen.  

Dafür – so Schriftführer Alfred Benecke – könnten sie zwar Verständnis aufbringen, nicht aber dafür, dass die Tierliebhaber mitsamt den vierbeinigen treuen Seelen ohne Alternative seitens der Stadt vor die Tür gesetzt werden.

„Wir hängen an diesem Platz. Das ist ein großer Teil unseres Lebens.“ Klaus Ettlinger, erster Vorsitzender des Vereins, bringt es auf den Punkt. Etwa 20 Mitglieder habe der Verein zurzeit, einige von ihnen sind seit der Einweihung des Trainingsplatzes in unmittelbarer Nähe zum Dortmund-Ems-Kanal dabei. Franz-Josef Unnewear sagt: „Der Sport hier ist Ausgleich zur Arbeit. Wir haben einfach sehr viel Spaß mit unseren Hunden hier gehabt. Darüber hinaus haben wir hier eine kleine Familie aufgebaut.“ Seit 1908 besteht der Verein, zum 100-Jährigen Bestehen sei die politische Riege Münsters erschienen. Nun – so Ettlinger – lasse sich keiner blicken.

Nur das Schreiben seitens des Amts für Immobilienmanagement liegt dem Verein vor. Dort steht es Schwarz auf Weiß: „Eine Teilfläche wird voraussichtlich ab Frühjahr 2020 für städtische Zwecke benötigt.“

Die Trainingsgeräte für die Vierbeiner sind bereits abgebaut, auch das Vereinsheim muss von den Mitgliedern eigenständig entfernt werden – so sieht es die Stadt in ihrer Kündigung aus dem November vergangenen Jahres vor. Alle Rechtswege gegen die „spontane Kündigung“ seien bereits ausgeschöpft, berichtet Benecke im Gespräch mit unserer Zeitung: „Da ist leider nichts mehr zu machen.“

2014 – während des Hochwassers in Münster – sei auch die besagte Fläche „abgesoffen“, in Zukunft soll sie neben dem Kanal direkt als Ausgleichsfläche für derlei Vorfälle dienen. Die Suche nach einem neuen Platz gestaltet sich für die 20-köpfige „Hundefamilie“ bisher schwierig. Benecke erklärt: „Wir brauchen eine große Fläche, die weit genug von Wohngebieten ist. Damit die Hunde auch bellen können.“

Mit Hilfe von Seiten der Stadt rechnen die Münsteraner nicht mehr. Benecke: „Man setzt uns einfach so vor die Tür.“ Für Ettlinger sei es „besonders enttäuschend“, weil sich der Verein in der Vergangenheit immer wieder der Öffentlichkeit geöffnet habe: „Hier war immer jeder mit seinen Hunden willkommen. Das wusste die Stadt zu schätzen.“

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