Jahreskonzert der Musikschule im Großen Haus des Theaters
Auch Beethoven hat klein angefangen

Münster -

Das war eigentlich nicht geplant: Statt „Grenade“ von Bruno Mars sangen die Besucher im Großen Haus Beethovens „Ode an die Freude“.

Sonntag, 08.03.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 08.03.2020, 18:12 Uhr
Gesang, Tanz und vierhändiges Klavier: Der Chor „Sing On“ illustriert zu Beethovens „La Marmotte“ das Treiben von Bettlerkindern auf einem Marktplatz.
Gesang, Tanz und vierhändiges Klavier: Der Chor „Sing On“ illustriert zu Beethovens „La Marmotte“ das Treiben von Bettlerkindern auf einem Marktplatz. Foto: Wolfgang A. Müller

Das war eigentlich nicht geplant: Mit Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ zu eröffnen – vom Publikum mit Unterstützung des Bläserquintetts „Brassissimo“ gesungen. Stattdessen hätte der R&B-Heuler „Grenade“ von Bruno Mars in einer Interpretation der Chorklassen der Marienschule auf das „Konzert des Jahres“ der Musikschule einstimmen sollen. Doch die Corona-Infektionsfälle an der Schule durchkreuzten dies . . .

Bei ihrem traditionellen Jahreskonzert zeigte die Westfälische Schule für Musik einmal mehr, dass die Begeisterung für Musik keine stilistischen oder handwerklichen Grenzen kennt. Ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen legt nahe: Die Zukunft klingt aufregend.

Der aus dem Hut gezauberte Auftakt des Konzerts war indes ein ausgezeichnetes Mittel, zu zeigen, wie leicht man zur Musik und zum Musizieren kommt. Friedrun Vollmer (Direktorin der Westfälischen Schule für Musik) führte im Theater Münster durch ein Programm, das rund 250 Anfängern und arrivierten Zöglingen (darunter zahlreiche „Jugend musiziert“-Preisträger) gleichermaßen eine große Bühne bereitete. In mehr als einem Dutzend solistischer Arbeiten, Instrumentalensembles und Pop- und Chor-Projekten spiegelten sich nicht nur alle Farben und Formen der Musik wider, sondern auch der vielgestaltigen praktischen Arbeit der Schule.

Die Beschäftigung mit Beethovens Werk und Einfluss auf spätere Komponisten durchzog als roter Faden das Programm. Bei seinem „La Marmotte“ entführte der Chor „Sing On“ bunt kostümiert tanzend auf einen Marktplatz. Franz Liszts Konzertetüde Nr. 2 (Annegrit Rohlmann am Flügel), Alexej Lebedjews romantisches Konzert für Tuba und Orchester und eine Einführung in Funk-Rhythmik durch den elfjährigen Schlagzeuger Max Ehmer bildeten reizvolle Kontraste. Blendend unterhalten, durchaus auch gerührt und von den Klängen verzaubert, erlebte das den leidenschaftlichen jungen Musikern kräftig Applaus spendende Publikum unter anderem zwischen Barock, Folk und witzigem Experiment gelagertes Blockflötenspiel, eine orientalische Kastenzither zu Trommelgrooves sowie Pop- und Rock-Hits aus mehreren Jahrzehnten. Chuck Berrys „Roll Over Beethoven“ war allerdings nicht dabei: Das Rockorchester Kinderhaus, ein gelungenes Beispiel für die Musikschularbeit in den Stadtteilen, verlegte sich auf Jimi Hendrix’ „Hey Joe“ und Rihannas „Diamonds“. Beim großen Finale durch das Westfälische Jugendsinfonieorchester, das Beethovens 1. Sinfonie gab, war der geniale Rheinländer dann wieder präsent, der zwar sehr begabt, aber eben auch mal klein angefangen hatte.

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