Archive präsentierten ihre Arbeit
Von Papierfischchen und eingefrorenen Dokumenten

Münster -

Wie wird in Archiven gearbeitet? Wie werden kostbare Dokumente und Quellen gesichert? Besucher konnten das am Sonntag beim Tag der Archive in Münster erfahren.

Montag, 09.03.2020, 08:00 Uhr
Mittelalterliche Dokumente im Landesarchiv am Bohlweg: Die Besucher lernten einiges über die Konservierung.
Mittelalterliche Dokumente im Landesarchiv am Bohlweg: Die Besucher lernten einiges über die Konservierung. Foto: Andreas Hasenkamp

Münster. Brandspuren an einem Balken im Dachstuhl, eine Fälschung, die gut 900 Jahre alt ist – das konnten Teilnehmer beim „Science-Walk“ im Landesarchiv NRW am Bohlweg sehen. Der Science-Walk gehörte zu mehreren Führungen und Workshops am Tag der Archive in Münster, an dem sich auch das Bistumsarchiv, das LWL-Archivamt für Westfalen, das Stadtarchiv und das Universitätsarchiv beteiligten.

Zahlreiche Besucher verfolgten am Samstag die technische Entwicklung „Von der Depesche bis zum Tweet“, ließen sich in die Familienforschung einführen, informierten sich über Berufsperspektiven im Archiv oder das Suchen und Finden im Archiv. Für Lehrer gab es ein archivpädagogisches Angebot und Kinder erfuhren: „Was macht die Maus im Archiv?“.

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Die elf Blogger und YouTuber in der Schar der Teilnehmer am Science-Walk mit Dr. Antje Diener-Steckling und Dr. Ralf Guntermann erfuhren dagegen etwas über „Papierfischchen“. Ihretwegen wird alles Archivgut erst einmal eingefroren und Fallen gibt es auch für sie. Digitalisiert wird viel, aber längst nicht alles. Auch hier setzen Archivare Prioritäten. Und die Originale schmeißen sie nicht weg.

„Das authentische Material ist das Original“, sagt Guntermann. Er unterstrich den Wert der Originale mit einem Dokument etwa aus dem elften Jahrhundert: Latein, Gitterschrift, Siegel. Mit ihm und weiteren Originalen gelang der Nachweis, dass ein in vielen Punkten ähnliches Dokument über eine Schenkung eine Fälschung ist. Zum Schutz auch der über 100.000 mittelalterlichen Dokumente gehört ein Handschuh, ein bundesweites Entsäuerungs-Programm, das Gebäude ist aus Beton und Stahl und es gibt einen Krisenplan mit den Sicherheitskräften und anderen Archiven.

Der Zugang ist prinzipiell ein Jedermann-Recht, so Guntermann. Vieles ist online zugänglich; anderes unterliegt Datenschutzrecht und Steuergeheimnis. Zuständig ist das Landesarchiv mit den Standorten Duisburg, Detmold und Münster für 1400 Landesbehörden.

Den Tag der Archive gibt es seit 2001. Seit 2004 bieten die Archive ihn gemeinsam an einem Ort an. „Schön, dass es das gibt“, sagt eine Teilnehmerin, und mein den Tag der Archive.

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