Prozess gegen ehemaligen Hotelchef
Schwierige Beziehung zum Opfer: „Wechsel zwischen Angst und Liebe“

Münster -

Als „turbulent“ und konfliktbehaftet beschreiben Bekannte und Angehörige die Beziehung zwischen dem ehemaligen Hotelmanager und dessen Ex-Frau. In dem Prozess gegen den 36-Jährigen, der eben jene Frau im vergangenen August angezündet und beinahe getötet haben soll, wurden jetzt die ersten Zeugen gehört.

Montag, 09.03.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 21:24 Uhr
Vor der Justiz muss sich ein ehemaliger Hotelchef verantworten.
Vor der Justiz muss sich ein ehemaliger Hotelchef verantworten.

Wenn der ehemalige Chef eines Hotels am Albersloher Weg seine ehemalige Frau tatsächlich angezündet haben sollte, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, wäre das offenbar nicht die erste Gewalttat ihr gegenüber gewesen. Das ergaben Zeugenaussagen vor dem Landgericht, wo sich der 36-Jährige wegen schwerer Brandstiftung mit versuchter Todesfolge verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, seine Ex-Frau im vergangenen Sommer in seiner Wohnung in dem Hotel mit Benzin übergossen und angezündet zu haben. Sie überlebte schwer verletzt.

Als Zeugen geladen waren unter anderem eine Arbeitskollegin des Opfers sowie ihr ältester Sohn (17) aus erster Ehe. Die Vorsitzende Richterin interessierte sich vor allem für Gespräche über die Geschehnisse im August 2019. „Ich habe sie in der Klinik besucht“, sagte die Kollegin des Opfers. „Sie sagte, sie könnte sich erinnern, dass er sie überschüttet hat.“ Der Angeklagte habe sie gefragt, ob sie mit anderen Männern zusammen gewesen sei. Dasselbe hatte die Geschädigte seinen Angaben zufolge auch ihrem Sohn erzählt.

Zwischenzeitliche Trennungen

Ermittlungen hatten ergeben, dass der Angeklagte mit seiner Ex-Frau und dem gemeinsamen Sohn (7) in der mutmaßlichen Tatnacht aus dem Urlaub zurückgekehrt war. Das bestätigten sowohl die befreundete Kollegin der Frau als auch deren Sohn (17). Die Beziehung der beiden sei „turbulent“ gewesen, sagte die 49-jährige Zeugin. Obwohl das Paar mehrere Jahre geschieden war, habe es immer wieder „Phasen gegeben, in den die beiden zusammen waren“.

2013 war die Frau mit ihren drei Söhnen nach Geinsheim (Hessen) gezogen, wo sie seitdem in einem Kindergarten arbeitet. Davor habe sie in einem Frauenhaus gelebt, berichtete die Zeugin. „Sie sprach von Gewalt und davon, dass sie Angst hatte“, sagte sie. Das Verhältnis zu dem Angeklagten beschrieb sie als ständigen „Wechsel zwischen Angst und Liebe“. Es habe oft Streit gegeben. „Häusliche Gewalt“ nannte auch der Sohn der Frau als Grund, warum seine Brüder und er mit der Mutter ins Frauenhaus gegangen wären. „Ich habe Schläge und blaue Flecken gesehen.“

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