Sechster Corona-Fall in Münster
Stadt sagt Send ab und hält am Wochenmarkt fest

Münster -

Für den Wochenmarkt arbeitet die Stadt noch an einer Regelung, der Frühjahrssend war jedoch nicht zu halten: Er wurde am späten Dienstagnachmittag von der Verwaltung abgesagt. Der Landeserlass betrifft zudem auch die Sportveranstaltungen der großen Vereine in Münster.

Dienstag, 10.03.2020, 18:46 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 17:50 Uhr
Auf den Send-Spaß müssen die Münsteraner in diesem Frühjahr verzichten, denn die Veranstaltung wurde abgesagt.
Auf den Send-Spaß müssen die Münsteraner in diesem Frühjahr verzichten, denn die Veranstaltung wurde abgesagt. Foto: Matthias Ahlke

Die Stadt Münster sagt den Frühjahrssend, der am kommenden Samstag auf dem Schlossplatz beginnen sollte und zu dem an neun Tagen insgesamt eine halbe Million Besucher erwartet wurde, wegen eines möglichen Infektionsrisikos durch das Corona-Virus ab. „Wir hatten keinen Handlungsspielraum. Das ist sehr bedauerlich für die Schausteller“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe angesichts restriktiverer Landesvorgaben.

Hintergrund ist der Erlass des Landes NRW von Dienstagnachmittag, dass örtliche Behörden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern grundsätzlich absagen müssen. „Hätten wir einen lokalen Entscheidungsspielraum gehabt, hätten wir am Send festgehalten“, so Lewe.

Existenzbedrohung für Schausteller

Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes, Arno Heitmann, hatte eine Absage mit Blick auf die fehlenden Einnahmen nach der langen Winterpause als Existenzbedrohung für die 200 Schausteller bezeichnet. „Wir teilen diese tiefe Sorge. Das nimmt uns mit“, sagte Lewe.

Der Wochenmarkt auf dem Domplatz am Mittwoch und die Märkte in den Stadtteilen können trotz des Erlasses aus Düsseldorf, der klare Vorgaben für den Umgang mit Großveranstaltungen macht, stattfinden. Für den Samstagsmarkt arbeitet die Stadt mit der Bezirksregierung an Rahmenbedingungen, damit diese Veranstaltung, die über mehrere Stunden von 40 000 Menschen besucht wird, weiterhin stattfinden kann.

Der Bevölkerungsschutz steht über anderen Aspekten.

Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer

Der Leiter des Krisenstabs, Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer, unterstrich die Linie des Landes: „Der Bevölkerungsschutz steht über anderen Aspekten.“ Die Spiele des Fußball-Drittligisten Preußen Münster, der WWU Baskets und des USC werden im normalen Spielbetrieb, mit über 1000 Zuschauern, nicht möglich sein. Alternativen sollen Spielverlegungen, geringere Zuschauerkapazitäten oder Geisterspiele sein. Die Stadt drängt auf eine bundesweite Regelung zum Spielbetrieb und wird die Vereine kontaktieren.

Auch bei Veranstaltungen unter 1000 Besuchern wird die Stadt in Einzelfallprüfungen genau schauen müssen, ob sie stattfinden können. Dabei kommt es zu einer Risikoeinschätzung. Beim Theater wird darüber nachgedacht, die Zuschauerkapazität von knapp 1000 im Großen Haus abzusenken.

Absagen und Verschiebungen in der Halle Münsterland

Die Halle Münsterland meldete am Dienstagabend die ersten Absagen. So fällt die Veranstaltung „Bibi & Tina – das Konzert“, die am Mittwoch (11.3.) stattfinden sollte, ersatzlos aus. Das Konzert von Helge Schneider nächste Woche Mittwoch (18.3) werde verschoben auf den 3. Juni. Die Comedy-Auftritte der "Teddy Show" (am 19. und 20.3.) werden ebenfalls drei Monate nach hinten verschoben - auf den 20. und 21. Juni. Bereits erworbene Tickets behielten ihre Gültigkeit. Auch der Auftritt von Carolin Kebekus" (21.03.20) wird verschoben und am 13.09.20 nachgeholt. Auch hier gilt: bereits erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit. Auch die Show vom Markus Krebs, die ursprünglich am 15. März (Sonntag) stattfinden sollte, wird verlegt. Neuer Termin ist der 23. September.

Wie es mit weiteren Veranstaltungen, wie dem Simple-Minds-Konzert am Samstag (14.3.) weitergehen soll, werde zeitnah bekanntgegeben, heißt es von der Halle Münsterland.

Wenn Sie den folgenden Facebook Beitrag ansehen möchten, aktivieren Sie diesen bitte über den Button. Mit der Aktivierung des Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden, dass Daten an Facebook übermittelt werden.
Der Facebook-Post wird geladen

Neuer Infektionsfall

Die Zahl der an dem Corona-Virus erkrankten Münsteraner hat sich auf sechs erhöht. Ein 46-jähriger Mann hatte sich im Ski-Urlaub in den Alpen infiziert und ist in häuslicher Quarantäne.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

1/10
  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. 

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. Ansonsten gilt: Hände waschen und Abstand halten. Die seit dem 23. März bundesweit geltenden Verordnungen sehen unter anderem vor, dass sich in der Öffentlichkeit niemand in größeren Gruppen als zwei Personen aufhalten darf. Das Haus darf zum Beispiel nur für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt oder für Spaziergänge (oder Joggen) verlassen werden.

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht vorgeschrieben. Allerdings gibt es zurzeit eine Debatte, ob sie nicht doch hilfreich sind, das Virus von einer Verbreitung abzuhalten. Die Stadt Jena in Thüringen hat sie inzwischen vorgeschrieben.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7321193?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker