Aufatmen auf dem Domplatz
Wochenmarkt-Händler dürfen vorerst weiter verkaufen

Münster -

Auf dem Wochenmarkt am Domplatz herrschte bei den Händlern am Mittwoch angespannte Stimmung. Denn die Absage des Marktes wegen der Corona-Krise stand doch wieder im Raum.

Mittwoch, 11.03.2020, 20:28 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 21:06 Uhr
Aufatmen auf dem Domplatz: Wochenmarkt-Händler dürfen vorerst weiter verkaufen
Es bleibt vorerst dabei: Der Wochenmarkt auf dem Domplatz findet trotz Corona-Krise weiter zu den gewohnten Zeiten statt. Foto: Karin Völker

Auf dem Domplatz gab es am Mittwochvormittag so gut wie kein anderes Thema. „Bis Samstag“ – das konnten weder Kunden noch Verkäufer an den Ständen leichthin sagen. Denn obwohl die Stadt noch am Dienstag beschlossen hatte, den Wochenmarkt wegen der Corona-Krise nicht abzusagen, stand dies schon wieder auf der Kippe.

Am Nachmittag verkündete dann Oberbürgermeister Lewe nach intensiver Abwägung: Wir bleiben dabei. Der Markt wird weiter stattfinden. Einzige Einschränkung: Die 19 Versorgungsstände, dort wo sich Kunden an Stehtischen scharen, um Backfisch oder Reibekuchen zu essen oder Kaffee zu trinken, müssen sich anders organisieren: „Keine Zelte, keine Schirme, keine Stehtische“, fasst Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer am Nachmittag bei einer Pressekonferenz im Rathaus zusammen. Mit anderen Worten: Nichts, was die längere Ansammlung größerer Menschenmengen auf engem Raum begünstigen würde, soll vorübergehend auf dem Markt erlaubt sein, so Lewe.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

1/11
  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

    Foto: dpa
  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

Der Markt als Existenzgrundlage

Erleichterung bei Sebastian Bussmeyer, dem Sprecher der Marktbeschicker: „.Hauptsache Wochenmarkt“, fasst Bussmeyer zusammen, der auf dem Domplatz mit seinem Fischstand präsent ist. So wie sehr viele der Händler auf dem Markt, hat er kein stationäres Geschäft. „Der Wochenmarkt hier ist für viele der Händler die Existenzgrundlage“, betont Bussmeyer.

Auch für Hassan Gülnar vom Gemüsestand „Paris Direct“. „Wir sind nur hier auf dem Domplatz“, sagt er. „Wohin mit der Ware, wenn wir hier nicht mehr verkaufen können?“ Auch Jürgen Potthinck, sieht gegen Mittag das Meer seiner Tulpen, Narzissen, Vergissmeinnicht und anderer Frühblüher in akuter Gefahr. Was, wenn der Markt für Wochen nicht stattfinden kann? Die Saison der Frühlingsblumen ist dann vorbei, ein stationäres Geschäft hat er nicht.

Schnelltest-Labor

Die Stadt plant, in den nächsten tagen einen Laborcontainer für den Corona-Selbsttest aufzustellen. Dort die notwendigen Utensilien ausgehändigt, der Abstrich könne sofort selbst vorgenommen und zur Analyse abgegeben werden, so Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer.

...

Corona hin oder her – es ist am Mittwoch auf dem Wochenmarkt bei mittelprächtigem Märzwetter am Mittag nicht leerer als sonst. Von den Kunden mag niemand einsehen, warum einkaufen an frischer Luft nicht mehr erlaubt sein sollte.

"Eine Super-Lösung"

Am Backfischstand von Bussmeyer steht wie immer eine Riesenschlange. „Eine Super-Lösung“, freut sich der Fischhändler im Namen aller Marktbeschicker nach der Entscheidung am Nachmittag. Im Gespräch war auch, den Markt räumlich zu entzerren, teilweise auf den Prinzipalmarkt zu verlagern. Womöglich ein Szenario für die Zukunft. Denn auch für die aktuelle Entscheidung über den Marktbetrieb gilt – sie kann sich wieder ändern.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7323067?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker