Coronavirus in Münster
Alles geschlossen: Schulen, Kitas, Clubs und Theater

Münster -

Keine Clubs und Konzerte mehr bis Ostern, auch städtische Veranstaltungen werden abgesagt und das Theater geschlossen. Dazu schließen auf Beschluss des Landes Schulen und Kitas. Die neuen Maßnahmen im Hinblick auf Covid-19 sind drastisch, laut der Einschätzung der Verwaltung aber keineswegs überzogen. 

Freitag, 13.03.2020, 12:21 Uhr aktualisiert: 13.03.2020, 17:24 Uhr
Coronavirus in Münster: Alles geschlossen: Schulen, Kitas, Clubs und Theater
Virologe Prof. Dr. Stephan Ludwig erklärte anhand einer Kurve, warum präventive Maßnahmen für ein funktionierendes Gesundheitssystem so wichtig sind. Foto: Oliver Werner

Die Stadt Münster hat am Freitagmittag bekanntgegeben, dass alle Clubs und Tanzlokale in der Stadt bis Ostern geschlossen bleiben. Zudem sagt die Stadt alle eigenen, öffentlichen Veranstaltungen bis Ostern ab. Lediglich interne Veranstaltungen sowie Ausschüsse und Ratssitzungen sollen weiter stattfinden. Das Theater und das Pumpenhaus werden geschlossen. Die Stadtkantinen werden nur noch für Mitarbeiter geöffnet, eine Ausnahme ist der Restaurantbetrieb im 1648.

Im Hinblick auf die nicht mehr nachvollziehbaren Infektionsketten sowie im Interesse der Prävention seien diese weiteren Maßnahmen nicht überzogen, äußerte Oberbürgermeister Markus Lewe auf der am Freitag anberaumten Pressekonferenz. Zudem werden, wie überall im Land NRW, auch Schulen und Kitas ab kommender Woche in Münster geschlossen. Auf das daraus folgende Betreuungsproblem sei man vorbereitet, konkret wollte sich Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer aber nicht zu den Vorkehrungen äußern.

Die Frage der Betreuung

Oberbürgermeister Lewe mahnte, die Erwartungen aus Sicht der Eltern nicht zu hoch zu schrauben, schon weil eine neuerliche Betreuung aller Kinder die Maßnahme konterkarieren würde. Eine Betreuungssituation soll vor allem für die Eltern realisiert werden, die das kommunale System aufrecht erhalten. „Ärzte, Pfleger, Polizei und Feuerwehr“, führte Lewe als Beispiele an.

LWL reagiert auf Coronavirus

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat am Freitag wegen der Verbreitung der Corona-Infektionen sämtliche Veranstaltungen in allen seinen Einrichtungen ab sofort bis zum 17. April abgesagt. Das betrifft Tagungen, Führungen, Messen oder Vorträge in allen 18 LWL-Museen, 27 LWL-Kliniken, 35 LWL-Förderschulen und anderen LWL-Einrichtungen. Ab Samstag (14. März) werden darüber hinaus sämtliche Museen des LWL bis zum 20. April (einschließlich) für Besucher geschlossen bleiben. "Wir wollen unseren Beitrag leisten, die Verbreitung des Virus einzudämmen und bitten um Verständnis für diese drastische Maßnahme", so LWL-Direktor Matthias Löb.

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Auch der Allwetterzoo kündigte am Freitag an, zwar weiter zu öffnen, aber um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, unter anderem auf öffentliche Tierfütterungen und Tierpflegegespräche zu verzichten sowie auch privat gebuchte Veranstaltungen wie Kindergeburtstage abzusagen. Außerdem kündigte die Sparkasse an, Zweigstellen und kleine Filialen vorerst zu schleißen. Lediglich die Beratungscenter bleiben geöffnet.

Test auf Covid-19 mit ärztlicher Indikation

An der Halle Münsterland steht ab Sonntag am südlichen Eingang (Richtung Hawerkamp) ein Container bereit, an dem Tests auf das Coronavirus durchgeführt werden können. Dr. Hendrik Oen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe für Münster, sowie die Kreise Warendorf und Steinfurt, und die Stadt Münster wiesen am Freitag ausdrücklich darauf hin, dass lediglich Patienten mit ärztlicher Indikation in dem provisorischen Diagnosezentrum einen Test durchführen lassen können. Dementsprechend ist entweder eine – in dem Fall telefonisch einzuholende Überweisung des Hausarztes – oder aber eine Anmeldung über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) unbedingt notwendig. Ein von Patienten selbstständig initiierter Test ist dagegen ausgeschlossen. Das Diagnosezentrum ist an sieben Tagen die Woche jeweils von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

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Die Situation in Deutschland ist nicht vergleichbar mit Wuhan oder Italien.

Prof. Dr. Hugo Van Aken

Sowohl der Virologe Prof. Dr. Stephan Ludwig (UKM) als auch der Ärztliche Direktor des UKM, Prof. Dr. Hugo Van Aken, mahnten am Freitag zur Besonnenheit. „Die Situation in Deutschland ist nicht vergleichbar mit Wuhan oder Italien“, so Van Aken, der unter anderem die geringe Zahl an Todesfällen in Relation zu den Infizierten als Beweis wertete, dass man in Deutschland richtig, weil frühzeitig, auf das Coronavirus reagiert habe. Zudem betonte er, dass es, auch wenn sich das Virus in der Stadt weiter ausbreite, genügend Betten auf Intensivstationen in Münster gebe.

Professor Ludwig bezeichnete die kommenden „vier bis fünf Wochen“ als entscheidend bei der Eindämmung des Virus. Unter anderem weil man hoffe, dass die höheren Temperaturen im Frühjahr unterstützend wirken könnten. „Das ist allerdings bislang lediglich eine Hoffnung“, so Ludwig.

29 Infizierte in Münster

Stand Freitagnachmittag gibt es in Münster 29 Corona-Infizierte. Auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind bereits betroffen, diese haben laut städtischem Krisenstab überwiegend ihren Wohnsitz nicht in Münster. Derweil wurde bekannt, dass die angeblich infizierte Familie, wegen der die Mathilde-Anneke-Gesamtschule, die Margaretenschule, die Paul-Schneider-Kita sowie der Kindergarten St. Bernhard geschlossen worden waren, nicht vom Coronavirus betroffen ist. Eine Nachkontrolle des ursprünglichen Tests eines Kindes habe das ergeben. Auch die Tests aller anderen Familienmitglieder seien negativ ausgefallen, wie der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Norbert Schulze Kalthoff bestätigte.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa
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