Coronavirus
Klare Ansage vom Krisenstab in Münster : „Die Lage ist ernst“

Münster -

Vor allem durch Rückkehrer aus Skigebieten hat sich die Zahl der Corona-Infizierten in Münster seit Sonntag stark erhöht. Derweil verhängt die Stadt weitere Maßnahmen.

Montag, 16.03.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 12:18 Uhr
Nur jeder zehnte, der in Münster auf das Coronavirus getestet wurde, ist bislang infiziert.
Nur jeder zehnte, der in Münster auf das Coronavirus getestet wurde, ist bislang infiziert. Foto: dpa

Die Stadt Düsseldorf hat am Montag sämtliche Dienststellen mit Publikumsverkehr geschlossen. So weit soll es in Münster nicht kommen. Man sehe sich in der Pflicht, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die öffentliche Ordnung gewahrt bleibe, machte Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer am Montag deutlich. Doch zu Einschränkungen, gerade bei publikumsintensiven Dienststellen, wird es kommen. Wo es möglich ist, sollen Telefon und Internet anstelle von persönlichem Kontakt treten.

Die erreichbare Verwaltung war eine von wenigen guten Nachrichten, die der Krisenstab, der von nun an täglich tagen wird, überbringen konnte. „Die Lage ist ernst“, stellte Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor des UKM klar. Er betonte aber auch, dass es „Horrorszenen“ wie in China oder Italien mit auf dem Flur sterbenden Menschen hierzulande nicht gebe. Van Aken begründete das mit der in Deutschland höheren Anzahl an Intensivbetten – auf 100.000 Einwohner gerechnet – im Vergleich zu Italien und Frankreich. Rund drei Mal so viele stehen laut Van Aken in Deutschland zur Verfügung.

Keine Veranstaltungen bis Ostermontag

Dass sich die Zahl der nachweislich Infizierten seit Samstag in Münster auf 90 (Stand 17 Uhr) mehr als verdoppelt habe, begründete Van Aken vor allem mit den Rückkehrern aus Skigebieten. Allerdings seien nur rund zehn Prozent derer, die sich zuletzt hätten testen lassen, auch wirklich vom Coronavirus betroffen. Zwei Infizierte aus Münster sind mittlerweile wieder genesen.

Um der steigenden Zahl der Infizierten angemessen zu begegnen, hat die Stadt eine Allgemeinverfügung erlassen. Alle Veranstaltungen, ob öffentlich oder privat, sind demnach bis Ostermontag untersagt – auch Zusammenkünfte in Sportvereinen. Die städtischen Ausschüsse werden verschoben. Reiserückkehrern aus Risikogebieten wird der Zutritt zu zahlreichen Einrichtungen untersagt.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

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  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
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