Terminabsprache über neue Hotline ist erforderlich
Krisenstab optimiert Test-Steuerung

Münster -

Über eine zentrale Hotline steuert der Krisenstab der Stadt Münster von nun an die Tests bei Corona-Verdachtsfällen. Ein Appell geht derweil ausgerechnet an die Mediziner.

Donnerstag, 19.03.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 19:10 Uhr
Am Diagnosezentrum der Halle Münsterland bildeten sich in dieser Woche lange Schlangen. Rund 90 Prozent aller in Münster durchgeführten Tests verlaufen negativ.
Am Diagnosezentrum der Halle Münsterland bildeten sich in dieser Woche lange Schlangen. Rund 90 Prozent aller in Münster durchgeführten Tests verlaufen negativ. Foto: hpe

Ordnungsamtsmitarbeiter mit Atemschutzmasken, dahinter eine lange Schlange Autos. Am Diagnosezentrum am Albersloher Weg herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb. In ihren Autos harren die Menschen mit ärztlicher Überweisung aus – mitunter müssen sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren. „Wir können dort nur ungefähr 100 Tests pro Tag durchführen“, verweist Dr. Hendrik Oen, Mitglied des Krisenstabes der Stadt, gegenüber unserer Zeitung auf die Labore als limitierender Faktor.

Insgesamt werden im Stadtgebiet derzeit rund 500 Tests pro Tag durchgeführt, neben den Testzentren am Uniklinikum Münster und an der Halle Münsterland auch von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Das Verfahren, wie getestet wird, wird laut Oen gerade optimiert: „Wir ändern die Steuerung. Es gibt jetzt eine zentrale Hotline, über die Termine vergeben werden.“ 492 10 77 lautet die Nummer. Ohne Termin keinen Test.

Wartezeiten an der Hotline

Mussten zunächst täglich Dutzende Münsteraner abgewiesen werden, kommt es an den Diagnosezentren laut der Stadt Münster mittlerweile zu weniger Absagen. Mit Wartezeiten, so Oen, müsse aber auch an der Hotline gerechnet werden.

Die Stadt wird geleert

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  • Wie leer gefegt: Die Arkaden nach der Schließung wegen des Coronavirus.

    Foto: Karin Völjker
  • Das vorerst letzte Eis wurde in den Arkaden am Mittwoch verkauft.

    Foto: Karin Völker
  • Nur noch sehr wenige Geschäfte in den Arkaden dürfen weiter geöffnet bleiben – unter anderem der dm. Die Stühle vor dem Super Bio-Markt stehen derweil schon auf den Tischen.

    Foto: Karin Völker
  • Schilder wie dieses hier haben die Geschäftsleute hinterlassen

    Foto: Karin Völker
  • Auch die Cafés sind wegen des Coronavirus geschlossen.

    Foto: Karin Völker
  • Aufräumen ist angesagt: Uwe Dieks macht seinen Wurstimbiss am Durchgang zwischen Domplatz und Rothenburg dicht.

    Foto: Karin Völker
  • Ole Oelkers, Geschäftsführer vom Fyal, verschenkt Milch und Getränke gegen eine Spende für einen guten Zweck

    Foto: Karin Völker
  • Ein letztes Glas im Marktcafé: Hier wurde erst am Mittag dichtgemacht.

    Foto: Karin Völker
  • So sieht man den Prinzipalmarkt selten: Nur wenige Menschen waren hier am Mittwochmittag unterwegs.

    Foto: Karin Völker
  • Der Blumenstand Malecki am Stadthausturm räumt nach der Verfügung ab.

    Foto: Karin Völker
  • Der nicht ganz korrekte Aushang an den Arkaden am Mittwochvormittag. Das Lokal Pablo muss ebenfalls schließen.

    Foto: Karin Völker
  • Wenig später gab es den korrigierten Aushang.

    Foto: Karin Völker
  • Zahlreiche Geschäfte weisen zudem auf ihren Onlineshop hin.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Schotten sind auch unter den Bögen dicht.

    Foto: Oliver Werner
  • Einige wenige Menschen trieben sich am Mittwoch noch in der Innenstadt rum.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Wochenmarkt darf weitermachen – allerdings gelten klare Regeln.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf dem Markt am Domplatz herrschte am Mittwoch kein Andrang.

    Foto: Oliver Werner

Ganz wichtig: Nach wie vor müssen all diejenigen, die aus einem der vom Robert Koch-Institut definierten Risikogebiete zurückgekehrt sind und deutliche Infektionssymptome zeigen, oder aber die deutliche Symptome nach einem Kontakt mit einer bereits positiv getesteten Person haben, zunächst ihren Hausarzt anrufen. „Der Weg zu einem Corona-Test führt im ambulanten Bereich über einen niedergelassenen Arzt, von wo die zu testenden Personen mit einer entsprechenden Verordnung an unterschiedliche Teststationen zugeordnet und geprüft werden“, heißt es deutlich in einem „Gemeinsamen Appell“.

In diesem Appell „drängen“ Prof. Dr. Andreas Bohn (Ärztlicher Leiter des Rettungsdiensts in Münster und Mitglied des Krisenstabs der Stadt), Prof. Dr. Hugo Van Aken (Ärztlicher Direktor des Uniklinikums), Prof. Dr. Stephan Ludwig (Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Münster) sowie Dr. Peter Czeschinski (Leitender Arzt beim Uniklinikum Münster) alle Hausärzte, „nur Personen testen zu lassen, die auch die dafür vorgeschriebenen Kriterien erfüllen“. Weiter heißt es: „Ärztinnen und Ärzte tragen eine hohe Verantwortung für den gewissenhaften Einsatz unserer  Ressourcen.“

Der Wunsch nach einem Test kann und darf nicht als Begründung reichen.

Andreas Bohn

Andreas Bohn wird im „Gemeinsamen Appell“ noch deutlicher: „Der Wunsch nach einem Test kann und darf nicht als Begründung reichen. Bei vielen Patienten und teilweise auch bei verordnenden Ärzten stößt das leider auf Unverständnis.“ Die Testkapazitäten seien „nach dem absehbaren Lagebild ausreichend.“

Nach wie vor dürften Hausärzte auch selbst Tests herausgeben, wenn sie es für erforderlich hielten, so Hendrik Oen .

Warum die Kriterien, wer getestet wird, streng gehandhabt und nicht ausgeweitet werden, erklärte Oen mit Lieferschwierigkeiten, die private Firmen hätten. Diese müssten den Labors verschiedene Materialien liefern, die diese brauchten, um arbeiten zu können. „Diese Firmen mussten innerhalb von vier Wochen von null auf 100 fahren.“ Tests gebe es genug, auch Personen, die diese ausgeben, und schließlich Mitarbeiter in den Labors, die sie auswerten.

Derweil es in den Labors an Equipment mangelt, plant die Stadt eigenen Angaben zufolge, derzeit keine weiteren Diagnosezentren in Betrieb zu nehmen.

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