Welle der Solidarität am Uni-Klinikum
Viele Blutspender in Zeiten von Corona

Münster -

Gute Nachricht in Zeiten der Corona-Panik: Das Universitätsklinikum Münster verzeichnet nach einem Spende-Aufruf einen Anstieg von Spenden. 

Montag, 23.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 13:36 Uhr
Am Uniklinikum in Münster mangelt es nicht an Blutspendern (Symbolfoto).
Am Uniklinikum in Münster mangelt es nicht an Blutspendern (Symbolfoto). Foto: dpa

Die Schlange zur Blutspende am Universitätsklinikum Münster (UKM) reicht am jüngsten Spendetermin bis auf den Flur hinaus. An der Eingangstür: Desinfektionsmittel für die Hände und ein Hinweis, dass alle Spendewilligen, die in den letzten vier Wochen in einem vom Coronavirus betroffenen Risikogebiet waren, für vier Wochen für eine Blut- oder Thrombozyten (Blutplättchen)-Spende gesperrt sind.

In der Schlange steht auch Vera. Die 22-Jährige traut sich heute zum ersten Mal Blut zu spenden, trotz ihrer großen Angst vor Nadeln. Vor mehr als einem Monat beendete sie ihren Mailand-Urlaub und war dadurch für vier Wochen von einer Blutspende am UKM ausgeschlossen. Doch jetzt ist die Frist abgelaufen, Vera zeigte keine Symptome und darf spenden. „Ich will den Patienten am UKM durch meine Spende helfen“, sagt die Studentin. Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus habe sie nicht. Dr. Hartmut Hillmann, kommissarischer Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am UKM, freut sich sehr über Spender wie Vera. Denn in den vergangenen Wochen waren die Vollblut- und Thrombozyten-Spenden am UKM beinahe gänzlich eingebrochen.

„Jede Spende rettet Leben“

Dabei sind die für die Versorgung von Patienten am UKM unerlässlich, auch wenn Operationen vereinzelt verschoben werden können, erklärt Hillmann: „Ob eine neue Hüfte diese Woche oder in drei Monaten eingebaut wird, ist relativ flexibel“, erklärt der 53-Jährige. „Aber auch in Zeiten von Corona passieren Unfälle und Notfälle, die sich nicht verschieben lassen. Hier benötigen wir dringend Spenden.“ Ein Großteil der Spenden geht am UKM allerdings an Patienten, denen Stammzellen transplantiert werden wie im Zuge einer Krebsbehandlung. „Jede Spende rettet Leben, sonst würden wir das hier nicht machen“, sagt Hillmann. Weil auch die meisten anderen Blutspendedienste in Nordrhein-Westfalen einen Rückgang von Spenden zu beklagen haben, kann sich das UKM kaum Konzentrate aus Erythrozyten (roten Blutkörperchen) oder Thrombozyten zukaufen.

Der Spende-Aufruf des UKM zeigt auf jeden Fall Wirkung: In unter zwei Stunden spenden 35 Personen Vollblut am UKM, darunter 19 Personen zum ersten Mal. Das sei selbst für einen traditionell gut besuchten Tag ein guter Schnitt. „Wir erfahren eine große Solidarität von den Münsteranern, dafür ein ganz großes Dankeschön“, strahlt Hillmann. Er zeigt zwar Verständnis für diejenigen, die aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus vorsorglich zu Hause bleiben, erinnert aber an die verschärften Kontrollmaßnahmen des UKM: „Die Leute, die Sie hier auf dem Flur sehen, sind im Schnitt gesünder als die, die sie im Supermarkt oder an der Bushaltestelle treffen“, ist er überzeugt. In den vollen Gängen vor der ärztlichen Kontrolle versuchen die Spender Abstand zu wahren, einen Test speziell auf das Coronavirus gibt es vor der Spende nicht.

Die Leute, die sie hier auf dem Flur sehen, sind im Schnitt gesünder als die, die sie im Supermarkt oder an der Bushaltestelle treffen.

Dr. Hartmut Hillmann

„Wir halten uns streng an die Hämotherapie-Richtlinien“, so Hillmann. Die schreiben strengere Maßnahmen für eine Blutspende im Falle einer Gefährdung vor, wie sie auch beim Ausbruch der Vogelgrippe 2006 bestand. Das UKM ist auch in den kommenden Wochen und Monaten auf Vollblut- und Thrombozytenspenden angewiesen, warnt aber aktuell vor zu großen Menschenansammlungen. Deshalb können momentan nur noch Spender mit einem Termin Blut spenden. Dieser kann telefonisch vereinbaren werden:  0251/ 8358000.

 

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