Genesung, Auflagen und Immunität
„Wann ist ein Infizierter wieder gesund?“

Münster -

Mittlerweile sind mehr als 100 Corona-Infizierte aus dem Münsterland wieder gesund. Doch wann gilt ein Corona-Patient eigentlich als genesen? Ein Experte des Uniklinikums Münster erklärt die Voraussetzungen.

Mittwoch, 25.03.2020, 19:36 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 08:33 Uhr
Laut Robert-Koch-Institut ist zum Abschluss der Quarantäne bei leicht erkrankten Patienten in der Regel kein Test mehr nötig.
Laut Robert-Koch-Institut ist zum Abschluss der Quarantäne bei leicht erkrankten Patienten in der Regel kein Test mehr nötig. Foto: dpa

Es ist eine Nachricht, die Mut macht: Mittlerweile sind mehr als 100 Corona-Infizierte aus dem Münsterland wieder gesund. Doch wann gilt ein Corona-Patient als genesen? Und kann sich der Gesundete irgendwann erneut anstecken? Dr. Peter Czeschinski, Leiter des Arbeitsmedizinischen Dienstes des Universitätsklinikums Münster (UKM), geht auf diese Fragen ein.

Gesundung:

  • Nach einer Definition des Robert-Koch-Instituts (RKI) gelten Infizierte frühestens 14 Tage nach Beginn ihrer Symptome als genesen. Aber es müssen auch einige Kriterien erfüllt sein. Der Patient dürfe seit 48 Stunden keine Symptome wie Fieber mehr gezeigt haben, berichtet Czeschinski. Im Abstand von 24 Stunden mussten zudem bislang in der Regel „zwei negative Rachenabstriche“ erfolgt sein. Doch die Bezirksregierung Münster und die Stadt Münster weisen auf die aktualisierte Empfehlung des RKI hin. Diese sehe vor, in der Regel nur noch schwer Erkrankte, die stationär behandelt wurden, zum Abschluss erneut zu testen. Angesichts gestiegener Testzahlen verzichten laut Bezirksregierung nun die Städte und Kreise im Münsterland darauf, leicht Erkrankte zum Abschluss der häuslichen Quarantäne erneut zu testen. Eine Ausnahme können weiterhin Personen aus Risikogruppen sein.

Quarantäne:

  • Die häusliche Quarantäne wird laut Gesundheitsamt bei „leichten bis moderaten Krankheitsverläufen“ 14 Tage nach Symptombeginn aufgehoben, wenn es seit mindestens 48 Stunden keine Symptome mehr gab. Bei einem schweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt sehe es anders aus: Dann werde die Quarantäne erst frühestens 14 Tage nach der Entlassung aus der Klinik beendet. Der Patient dürfe ebenfalls seit mindestens 48 Stunden keine Symptome mehr zeigen.

Auflagen für Gesundete

  • „Besondere Auflagen bestehen nicht“, erklärt Czeschinski. Für den Gesundeten gelten lediglich die „allgemeinen Schutzvorschriften für die Bevölkerung“ wie das Versammlungsverbot.
  • Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

    1/11
    • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

      Foto: dpa (Symbolbild)
    • Woran erkenne ich eine Infektion?

      Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

      Foto: dpa
    • Wie gefährlich ist Covid-19?

      Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

      Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

      Foto: dpa (Symbolbild)
    • Wie wird das Virus übertragen?

      Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

      Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

      Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

      Foto: Alissa Eckert (dpa)
    • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

      Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

      Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

      Foto: dpa
    • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

      Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

      Foto: dpa
    • Welche Verhaltensregeln gibt es?

      Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

      Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

      Foto: dpa
    • Wenn Sie Symptome feststellen... 

      Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

      Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

      Foto: dpa
    • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

      Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

      Foto: dpa
    • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

      Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

      Foto: dpa
    • Noch Fragen?

      Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

      Weitere Informationen gibt es hier:

      Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

      Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

      Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

      Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

      Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

      Foto: dpa

Ansteckungsgefahr:

  • Von gesundeten Infizierten, die entsprechend der Vorgaben untersucht wurden, gehe keine Ansteckungsgefahr mehr aus, betont Czeschinski. „Angehörige und Kontaktpersonen, die danach mit der erkrankten Person zusammengetroffen sind, müssen keine Infektion fürchten.“ Gab es einen Kontakt zu dem Infizierten innerhalb der Quarantänezeit, sollte man laut Czeschinski auf Symptome achten und sich gegebenenfalls einem Test unterziehen.

Erneute Infizierung:

  • „Aus den Erfahrungen mit anderen viralen Erkrankungen kann man davon ausgehen, dass nach durchgemachter Covid-19-Erkrankung eine Immunität verbleibt“, betont Czeschinski. Die Dauer der Immunität sei aber unklar. „Es kann aber mit ein bis zwei Jahren gerechnet werden.“ Ausgeschlossen werden könne eine erneute Infizierung nicht. Eine andere Situation könnte entstehen, wenn es zu einer Mutation, also Veränderung des neuen Coronavirus kommen sollte.
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7343650?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker