Agrarhändler macht bei stabilem Umsatz Verlust
Agravis: Rote Zahlen durch Kartellstrafe

Münster -

Agravis leidet unter einer hohen Kartellstrafe. Folge sind rote Zahlen in der Bilanz 2019. Doch für 2020 ist der münsterische Konzern wieder zuversichtlich.

Donnerstag, 26.03.2020, 14:17 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 14:19 Uhr
Agravis-Zentrale in Münster
Agravis-Zentrale in Münster Foto: AGRAVIS Raiffeisen AG

Der Agrarhändler Agravis (Münster/Hannover) ist in die roten Zahlen gerutscht. Wie der Konzern am Donnerstag bei der Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 2019 mitteilte, lag das Ergebnis vor Steuern bei minus 20,5 Millionen €. Grund für den Ertragseinbruch war nach Angaben von Vorstandschef Dr. Dirk Köckler eine Kartellbuße wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht in Höhe von 43,7 Millionen €, über die unsere Zeitung bereits ausführlich berichtet hat.

"Umsatzmäßig solide"

Als positives Signal wertete Köckler, dass Agravis auch im zweiten Dürrejahr hintereinander „umsatzmäßig solide Ergebnisse“ erreicht habe. „Operativ waren wir als Agravis gut im Markt unterwegs, wie der Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro zeigt. Damit haben wir unser geplantes Umsatzziel erreicht.“ Im Vorjahr hatte der Umsatz bei 6,6 Milliarden € gelegen, also nur minimal höher als 2019.

Zum Kartellverfahren, in dem Preisabsprachen im Pflanzenschutz bestraft wurden, betonte der Vorstandschef: „Ganz bewusst haben wir uns nach umfangreicher juristischer Analyse und in voller Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat Ende 2019 dazu entschieden, das Kartellverfahren wegen des Vorwurfs von Preisabsprachen im Pflanzenschutz außergerichtlich und einvernehmlich zu beenden.“ Er betonte allerdings auch, dass die Agravis Raiffeisen AG solide aufgestellt sei, über Reserven und eine ausreichende Eigenkapitalausstattung verfüge. „Das Bußgeld ist mit dem Geschäftsabschluss 2019 vollständig verarbeitet. Der Schlussstrich ist gezogen.“

Der Blick gehe deshalb nur noch nach vorn. „Wir planen für 2020 mit einer soliden und stabilen Umsatzentwicklung und einem Ergebnis vor Steuern, das bei 30,2 Millionen Euro liegt“, erläuterte Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff. 2018 hatte das Unternehmen einen Vorsteuergewinn in einer ähnlichen Größenordnung erzielt. Für 2020 hat Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler ein Umsatzziel von 6,3 Milliarden € ausgegeben – das wäre also trotz der Corona-Pandemie nur ein kleiner Rückgang gegenüber dem Jahr 2019.

Aktuell liegt die Umsatzrendite bei rund 0,5 Prozent. Das vor einigen Jahren ausgegeben Ziel einer einprozentigen Rendite hält Vorstandschef Köckler angesichts der Preissprünge auf dem Agrarmarkt und den anhaltenden Folgen des Klimawandels nicht mehr für realisierbar.

"Hohes Maß an Verantwortung"

Mit Blick auf die Corona-Krise betonte der Vorstandsvorsitzende in einer Telefonkonferenz „das hohe Maß an Verantwortung“, das Agravis für die Lebensmittelversorgung in Deutschland trage. „In der Summe ist die Lage für die Agravis-Gruppe bis dato aber noch beherrschbar, jedoch ist die Situation auch täglich, manchmal sogar stündlich neu zu bewerten“, sagte der Vorstandschef.

Probleme gebe es nach wie vor bei Rohstofflieferungen aus Fernost. Zwar sei die Produktion in China wieder angelaufen. Aber es dauere sechs bis acht Wochen bis die Ware dann in Europa ankomme. Köckler: „Ich bin da aber insgesamt nicht so optimistisch wie die chinesischen Behörden.“

Trotz der aktuellen Unsicherheiten denkt Agravis an die Zukunft: Dazu gehöre eine weiterhin hohe Investitionsbereitschaft, betonte Köckler. „Auch in einem schwierigen Jahr wie 2019 haben wir 47 Millionen Euro investiert. Wir sind überzeugt davon, dass sich der Markt am Ende auch für immer modernere, leistungsstärkere Standorte entscheiden wird.“ Und weiter: „Diesen Weg setzen wir auch 2020 konsequent fort. Wir werden erneut rund 49 Millionen Euro in die Standortqualität, in Leistungsfähigkeit und in Kundennähe investieren.“

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