Corona-Fälle am Theater Münster verliefen bislang glimpflich
Bühne befindet sich weiter im Wartestand

Münster -

Das Theater Münster muss warten. Mindestens bis zum 19. April. Doch ob die Saison dann noch einmal richtig Fahrt aufnehmen wird, ist angesichts der Corona-Krise und der steigenden Infektionen sehr fraglich. Ein Zwischenbericht.

Donnerstag, 26.03.2020, 20:11 Uhr
Das Theater Münster im Eröffnungsjahr 1956. In seiner Geschichte hat das Haus noch keine infektionsbedingte Zwangspause wie in diesen Tagen erlebt.
Das Theater Münster im Eröffnungsjahr 1956. In seiner Geschichte hat das Haus noch keine infektionsbedingte Zwangspause wie in diesen Tagen erlebt. Foto: Theater Münster

Die gute Nachricht zuerst: Jene 20 Mitarbeiter, die sich am Theater Münster schon in den ersten Tagen der Infektionswelle mit dem Corona-Virus infiziert hatten, sind auf dem Weg der Besserung. Nach Auskunft von Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann musste auch niemand wegen schwerer Verläufe ins Krankenhaus.

Die weniger gute Nachricht aus Sicht von Bühnen-Akteuren und Theaterfans: Weiterhin ist kein Ende der Zwangspause in Sicht. Bis zum Weißen Sonntag, 19. April, ruht der gesamte Spiel- und Probenbetrieb nach den entsprechenden Anordnungen des münsterschen Ordnungsdezernenten Wolfgang Heuer. Auch die „Monday Night Music“ am 20. April (Montag) im Landesmuseum wurde gestrichen.

Überlegungen für eine digitale Überbrückungszeit

Wie es danach weitergeht, mag die Verwaltungsdirektorin des Theaters Münster nicht prognostizieren. Sie räumt ein, dass in einzelnen Abteilungen der Dienstbetrieb im Theater unter Einhaltung der Vorschriften fortgeführt wird. Das gilt, um ein Beispiel zu nennen, etwa für einen Bläser, der einen der Probenräume zum Üben nutzt, weil er sonst daheim die Nachbarn in Wallung bringt.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

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  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Generalintendant Dr. Ulrich Peters und Generalmusikdirektor Golo Berg sind nach Auskunft von Rita Feldmann wohlauf, ändern können sie an der derzeitigen Sachlage nicht viel. Es bleiben nur Vorbereitungs- und Verwaltungsarbeiten sowie Überlegungen für eine digitale Überbrückungszeit. Auch die Bestimmung eines Nachfolgers für den 2022 aus dem Amt scheidenden Ulrich Peters ruht. Die drei letzten Anwärter, eine Dame und zwei Herren, müssen weiterhin auf ihr Vorsprechen in den Fraktionen, im Kultur- und Personalausschuss sowie im Rat warten. Das könnte Mai werden – oder sogar Juni.

Rita Feldmann vermutet, dass die Saison im Theater, die bis Ende Februar 110.000 Besucher zählte, nicht mehr jenen Schwung aufnehmen wird, den man ihr wünscht. Zunächst müssten die weiteren Direktiven von Bund, Land und Stadt abgewartet werden. Aber selbst wenn sich die Situation um das Virus langsam entspannen würde, gäbe es ja beim Zugang zum Theater und in den Zuschauerräumen kaum Möglichkeiten, Menschen entsprechend auf Distanz zu halten. Und Abstandslinien auf der Bühne wären schließlich auch nicht vorstellbar.

Kulanz gegenüber regelmäßigen Theater-Gästen

Schauspieler und Musiker, die in entsprechenden Tarifverträgen arbeiten, bekommen ihre Gage weiter. Bei den Gästen, die regelmäßig im Theater auflaufen, will man sich, wie es kürzlich schon hieß, kulant verhalten. Anders verhält es sich bei einigen Theatern in Deutschland, die als Eigenbetrieb oder GmbH laufen. Dort, etwa in Hannover und auch in Osnabrück, wurde, wie Rita Feldmann erläutert, bereits Kurzarbeit angepeilt oder gar schon angeordnet.

Um den Bestand des Theaters Münster macht sich Rita Feldmann keine Gedanken, wohl aber über die Vielfalt der Kulturlandschaft nach der Krise. Gerade die Akteure aus der Freien Szene und die kleinen Privattheater stünden in der Gefahr, sich nicht wieder von den wirtschaftlichen Einbrüchen erholen zu können.

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