Heiraten in der Corona-Krise
Kaum Absagen beim Standesamt in Münster

Münster -

In Zeiten des Coronavirus ist nichts mehr wie es einmal war. Auch die Hochzeiten beim münsterischen Standesamt nicht. Die meisten Paare lassen sich von den strengen Regeln aber nicht abhalten.

Dienstag, 31.03.2020, 12:10 Uhr
Das Ja-Wort wird auch in der Corona-Krise noch ausgesprochen.
Das Ja-Wort wird auch in der Corona-Krise noch ausgesprochen. Foto: dpa

Befragt nach ihrem schönsten Tag im Leben, sehen viele Menschen Bilder von ihrer Trauung vorbeiziehen. Bilder von gerührten Eltern und stolzen Trauzeugen, von besten Freunden, von einem fröhlichen Fest. Für Hochzeitspaare in diesen Wochen indes gilt nichts von alledem. Sie schließen den Bund ihres Lebens in aller Stille.  

Das Coronavirus stellt die Welt auf den Kopf, und es führt selbst bei diesem innigen Moment Regie: Es gilt im Standesamt die strikte Zwei-Personen-Regel, heißt es in einer städtischen Mitteilung. Das angehende Ehepaar muss bei der Zeremonie unter sich bleiben. Wer nun annimmt, dass bei diesen Auflagen  Absage für Absage eintrifft, sieht sich getäuscht. 90 Prozent aller Paare halten auch in Krisenzeiten in Münster an ihrem gebuchten Wunschtermin fest.

Große Enttäuschung

„Es ist das Team des Standesamtes, das in diesen Wochen immer wieder zum Telefonhörer greift, um die Paare im Vorfeld über die strengen Kontaktregeln zu informieren“, teilt die Stadt mit. Gespräche, die selbst den erfahrenen Standesbeamten im Amt für Bürger- und Ratsservice schwer fallen. Der Bund der Ehe ohne Eltern und Geschwister? Sprecherin Doris Hanhart sagt: „Kein Sektempfang? Keine fröhliche Hochzeitstafel? Wir spüren die große Enttäuschung, wenn die Vorfreude auf ein Fest mit Familie und Freunden verabschiedet wird. Das geht unter die Haut – auch uns.“

Und dennoch trotzen fast alle Pärchen der Pandemie. „Wir halten zusammen. Wir lieben uns und es ist doch unser Tag“ – diese Sätze fielen  oft in den Gesprächen. Doris Hanhart denkt an die Verlobten, die nach dem ersten Schock um Bedenkzeit baten. „Sie haben zunächst Rat bei den Eltern gesucht. Die signalisierten dann  ‚grünes Licht‘ für die abgeschiedene Zeremonie. Dieses Einverständnis war dem jungen Paar unendlich wichtig.“ Ein anderes Paar, wird eine „freie Hochzeit“ nachholen, also eine ohne Staat und Kirche, aber mit einer ganz persönlichen Traurede eines Festredners oder einer Festrednerin.“

Live-Übertragung im Internet

Wenn die Stadt auch die Kontaktsperre nicht aufheben kann – sie gilt zunächst bis 20. April –,  hält sie doch ein Mini-Trostpflaster bereit. Die städtische Webcam überträgt Live-Bilder von der Trauung ins Internet. Und macht so wenigstens ein kleines „dabei sein“ möglich.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

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  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
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