Findige Ideen kleiner Unternehmen in der Corona-Krise
Schneider nähen Schutzmasken

Münster -

Not macht erfinderisch. Das gilt während der Corona-Krise in vielen Bereichen. Einige Unternehmen in Münster werden dabei ziemlich kreativ.

Mittwoch, 01.04.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 16:50 Uhr
Sabine Rawert und Franziska Grauthoff nähen zurzeit statt Brautkleidern Corona-Schutzmasken.
Sabine Rawert und Franziska Grauthoff nähen zurzeit statt Brautkleidern Corona-Schutzmasken. Foto: Oliver Werner

In der Not werden Menschen sehr ideenreich. Eigentlich hat Sabine Rawert täglich mit Bräuten zu tun. Im Geschäft „Schwanenweiss“ im Zentrum Nord, das sich auf Braut- und Abendmoden spezialisiert hat, ändert die Schneiderin wallende weiße Träume passgenau um. Da der Handel mit den Kleidern in der Corona-Krise nicht mehr möglich ist, produziert sie jetzt mit ihrer Auszubildenden täglich zwischen 50 und 70 Corona-Schutzmasken. „Aus Baumwoll- und Leinenstoffen, die bei 60 Grad waschbar sind“, betont Sabine Rawert.

Masken, die natürlich keinen medizinischen Standards entsprechen, wie Karin Decker einräumt, die das Brautmodengeschäft in Münster vor zwei Jahren zusätzlich zu ihrem Hauptstandort in Laer eröffnet hatte. Beim Husten oder Niesen könnten die Masken aber einen Schutz vor Tröpfcheninfektionen bieten.

Zunächst, erzählt Karin Decker, habe sie die Masken verschenkt und sehr gute Rückmeldungen bekommen. Inzwischen bekomme sie auch Nachfragen unter anderem aus Physiotherapiepraxen.

Mit Einnahmen von fünf Euro pro Stück lassen sich zwar keine großen Sprünge machen. Aber für die Jungunternehmerin, die sich erst vor fünf Jahren selbstständig gemacht hat, wie sie sagt, „sind es wichtige Einnahmen, um unter anderem die Miete zu bezahlen“.

Auf Hilfen aus dem Rettungsfonds für Kleinunternehmen könne sie nämlich nicht rechnen. „Die Auflagen sind hoch.“ Fördergeld gebe es nur für jene, „die 2019 eine schwarze Null in ihrer Bilanz hatten.“ Einige wenige Tausend Euro minus, was in den ersten Jahren nach einer Unternehmensgründung häufig vorkomme, seien für das Förderprogramm aber bereits ein Ausschlusskriterium, musste die Geschäftsfrau feststellen. Ab dem 1. April gehe der Betrieb in Kurzarbeit. Wie so viele in diesen Wochen. Jetzt öffnet Sabine Rawert in Münster nur noch zwei Mal in der Woche zum Abstecken und Anpassen der Brautkleider. Denn viele wollen den Termin offensichtlich nicht verschieben. Wenn die Feier wegen der Corona-Krise auch ausfallen muss – „auf ihr Kleid will keine verzichten“, hat die Schneiderin festgestellt.

Als Solounternehmer ist auch der Schneider Vadim Mammadov mit seinem Schneideratelier „Nähknecht“ an der Coerdestraße in die Schutzmasken-Produktion eingestiegen. „Derzeit kann ich glücklicherweise auf Stoffspenden zurückgreifen“, erzählt er. Die Hersteller kommen wie berichtet mit der Lieferung von Schutzkleidung und Schutzmasken nicht hinterher. „Gerne möchte ich jedoch mit meinem Beitrag uns alle unterstützen und biete hiermit meine Hilfe an“, so der Schneider. Auch er will die von ihm genährten Atemschutzmasken für einen kleinen Betrag verkaufen, um Miete und Strom für sein Atelier zu finanzieren. Über Anfragen freut er sich unter info@naehknecht.de.

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