Prozess gegen Hotelchef
Spuren deuten auf Brandstiftung im B&B-Hotel hin

Münster -

An acht verschiedenen Stellen hätten Spürhunde Spuren von Brandbeschleuniger gefunden. Allerdings nicht im Badezimmer, wo der Angeklagte den Benzinkanister hatte entleeren wollen. Das hat der Leiter der Mordkommission vor dem Landgericht in dem Prozess gegen einen ehemaligen Hotelchef berichtet.

Mittwoch, 01.04.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 18:20 Uhr
Im August hat es in dem Hotel gebrannt.
Im August hat es in dem Hotel gebrannt. Foto: Helmut Etzkorn

„Wir waren sehr schnell der Meinung, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte“, sagte der Leiter der zuständigen Mordkommission vor dem Landgericht, wo er im Prozess gegen den ehemaligen Manager des Hotels aussagte. Dem 36-Jährigen wird vorgeworfen, in der Nacht zum 11. August 2019 in der Wohnung seine Ex-Frau mit Benzin überschüttet und angezündet zu haben. Sie hatte lebensgefährliche Verbrennungen erlitten.

Einen entscheidenden Hinweis auf Brandstiftung hatten Überreste eines Kanisters gegeben, wie eine weitere Zeugin berichtete. Die Oberkommissarin hatte den Angeklagten, der bei dem Brand selbst leicht verletzt worden war, kurz nach der mutmaßlichen Tat im Krankenhaus befragt. Er habe gesagt, er habe einen Kanister im Hotel gefunden und diesen entsorgen wollen.

Verschmolzenes Plastik im Schlafzimmer

Bei ersten Ermittlungen am Brandort kurz nach der Befragung sei ihr ein verschmolzenes Stück Plastik im Schlafzimmer aufgefallen, berichtete die 31-Jährige. „Anhand der vorherigen Aussage ging ich davon aus, dass es sich dabei um diesen Kanister handelte“, so die Beamtin. Das sei ihr komisch vorgekommen, deshalb habe sie sofort die Mordkommission eingeschaltet.

Die Ermittler untersuchten die Wohnung am Tag nach dem Brand, wie der Leiter der Mordkommission berichtete. Man habe Brandspürhunde losgeschickt, diese hätten an acht verschiedenen Stellen in dem Schlafzimmer angeschlagen. An diesen Stellen seien Brandschutzproben genommen worden, erklärte der Ermittlungsleiter. „Wir haben erhebliche Brandbeschleunigungsspuren gefunden.“

Keine Aussage zu Unstimmigkeiten

Da sich zum fraglichen Zeitpunkt nur die beiden Personen in der Wohnung aufgehalten hätten – der Angeklagte und dessen geschiedene Ehefrau – sei nur der Angeklagte als Tatverdächtiger infrage gekommen. Dieser hatte, so schilderten es beide Zeugen, bei früheren Vernehmungen angegeben, den Kanister im Flur abgestellt und im Badezimmer ausleeren wollen. Als der 36-Jährige als Tatverdächtiger erneut befragt wurde, „haben wir ihn mit unseren Ergebnissen vor Ort konfrontiert“, so der Ermittlungsleiter. Zu den Unstimmigkeiten bezüglich der Benzinspuren im Schlafzimmer habe er sich nicht äußern wollen.

Seine ehemalige Frau hatte angegeben, dass er sie mit Benzin überschüttet habe. Der Angeklagte hingegen hatte der Polizei gesagt, er sei mit dem Kanister im Bad gewesen, habe einen Knall von der (laut ihm) defekten Klimaanlage gehört und seine Ex-Frau brennend im Flur gefunden. Den Kanister will der Angeklagte gefunden haben, als er unter einer Treppe im Hotel nach Werkzeug suchte, weil sich das Paar ausgesperrt hatte.

Wohnung wird noch immer saniert

Wie Bilder der Überwachungskamera belegen, hatte der 36-Jährige in der Nacht vergeblich versucht, die Wohnungstür mit einer CD zu öffnen. Schließlich sei es mit einer Plastikkarte gelungen.

Die Wohnung in dem B&B-Hotel wird zurzeit nach Angaben den Leiters der Mordkommission noch immer saniert. Man rechne mit Renovierungskosten von 70.000 bis 80.000 Euro.

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