Pilotprojekt
On-Demand-Verkehr in Hiltrup soll noch 2020 starten

Münster -

Fünf bis acht Sitzplätze, keine festen Haltestellen und kein fester Fahrplan: So soll das On-Demand-Angebot in Hiltrup künftig aussehen. Unser Redakteur Dirk Anger befürwortet das Pilotprojekt in seinem Kommentar.

Donnerstag, 02.04.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 17:29 Uhr
Pilotprojekt: On-Demand-Verkehr in Hiltrup soll noch 2020 starten
Kleinbusse und Großraum-PKWs sollen im Pilotprojekt eingesetzt werden. Foto: Stadtwerke Münster

Da die Sitzungen der Ausschüsse und des Rates aufgrund der Coronavirus-Pandemie und des anhaltenden erforderlichen Infektionsschutzes abgesagt worden sind, wurde eine Dringlichkeitsentscheidung herbeigeführt, die den Weg ebnet, um künftig kleine „On-Demand“-Busse in Hiltrup einzusetzen. „Mit dieser Dringlichkeitsentscheidung konnten wir den Antrag fristgerecht bei der Bezirksregierung einreichen und die Umsetzung dieses innovativen Projektes weiter voranbringen“, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe in einer städtischen Mitteilung.

Kleine Busse mit fünf bis acht Sitzplätzen fahren durch Hiltrup und in benachbarte Stadtteile. Sie folgen keinem vorgegebenen Linienweg, benötigen keine Haltestellen und haben keinen festen Fahrplan. Das sieht das im Rahmen des Masterplans Mobilität Münster 2035+ umzusetzende Pilotprojekt vor, das Stadt und Stadtwerke noch in diesem Jahr an den Start bringen möchten.

Förderung vom Land NRW

Eine wichtige Hürde dafür wurde nun genommen: „Das Land NRW fördert das Projekt. Bis zu fünf Millionen Euro fließen dafür in den nächsten drei Jahren nach Münster“, so Stadtbaurat Robin Denstorff. „Das erlaubt uns, deutlich flexiblere, bedarfsgesteuerte Arten des Busverkehrs zu erproben und den klimafreundlichen Nahverkehr weiter zu stärken.“

Stadt und Stadtwerke arbeiten mit Hochdruck daran, dass die flexibel einsetzbaren Fahrzeuge noch in diesem Jahr auf Hiltrups Straßen fahren, heißt es in der Mitteilung weiter. Dazu gehört die Bereitstellung eines städtischen Eigenanteils zur Finanzierung genauso wie die Beschaffung der Fahrzeuge und der nötigen Software.

Die Fahrzeuge werden per App oder Telefon gebucht. Automatisch werden dann zueinander passende Fahrtwünsche gebündelt und eine optimale Route errechnet.

rank Gäfgen, Geschäftsführer Mobilität der Stadtwerke

„Die Fahrzeuge werden per App oder Telefon gebucht. Automatisch werden dann zueinander passende Fahrtwünsche gebündelt und eine optimale Route errechnet. Egal, ob es sich um eine Fahrt innerhalb des Stadtteils handelt oder Anschluss an die Linienbusse oder Züge gefragt ist: Es gelten die gewohnten Tarife mit den Abos, dem elektronischen 90-Minuten-Ticket und Tickets per App“, erklärt Frank Gäfgen, Geschäftsführer Mobilität der Stadtwerke.

Kommentar: Es geht endlich voran

Kleinbusse holen die Bürger an ihrer Haustür ab – ohne festen Fahrplan, ohne lange Wartezeiten, einfach auf Bestellung oder „on demand“, wie es inzwischen gerne heißt. Lange schon schwebt diese Idee in den Köpfen der Stadtwerke-Verkehrsplaner. Dank eines prallen Landeszuschusses, auf den viele Monate gewartet werden musste, kann das innovative Pilot-Projekt jetzt endlich im wahrsten Sinne des Wortes in Hiltrup auf die Straße gebracht werden.

Diese uneingeschränkt gute Nachricht fällt in eine Zeit, in der das neuartige Coronavirus weite Teile des öffentlichen Lebens zum Stillstand gebracht hat. Da mag es zuversichtlich stimmen, dass in diesen schweren Tagen und Wochen ausgerechnet ein zukunftweisendes Mobilitätsprojekt die Zeit nach der Krise in den Blick rücken lässt. Für Münster ist dieser Modellversuch einer von zahlreichen Ansätzen, das Verkehrsproblem in der Stadt in den Griff zu bekommen und damit auch die Umwelt zu schonen, weil kurze Autofahrten wegfallen. Es geht etwas voran – selbst in solchen Zeiten! (Von Dirk Anger)

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Der Verkehrsversuch in Münsters Süden ist auf drei Jahre angelegt. Stadt und Stadtwerke erhoffen sich davon wertvolle Erkenntnisse über die Möglichkeiten, mit digitalen Smart-City-Angeboten die Verkehrswende in Münster weiter voranzubringen. Hiltrup eignet sich als großer Stadtteil mit besonders viel Binnenverkehr sehr gut für das Pilotprojekt.

Emissionsarm und barrierefrei

Die eingesetzten Fahrzeuge sollen dabei je nach Verfügbarkeit am Markt möglichst emissionsarm sein. Auch die Barrierefreiheit ist gewährleistet: Schon bei der Bestellung des Fahrzeugs kann angegeben werden, ob Platz für Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen benötigt wird.

Die On-Demand-Fahrzeuge fahren nicht nur innerhalb Hiltrups, sondern auch von und nach Berg Fidel, Loddenheide, Mecklenbeck (südlich der Weseler Straße), Amelsbüren, in den Hansa-BusinessPark und zum Alexianer-Campus.

15 Projekte werden gefördert

Die Förderung stammt aus dem Landeswettbewerb „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Darin wurden insgesamt 15 Projekte aus ganz Nordrhein-Westfalen für eine Förderung ausgewählt.

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