Händewaschen gegen das Coronavirus
Viel Seife und ein "Happy Birthday"

Münster -

In Zeiten von Corona machen es alle noch mehr als sonst: Händewaschen. Chemiker Prof. Dr. Thomas Schupp von der Fachhochschule Münster erklärt, wieso das wichtig ist und was das Lied "Happy Birthday to you" damit zu tun hat.

Donnerstag, 02.04.2020, 14:15 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 14:43 Uhr
Händewaschen gegen das Coronavirus: Viel Seife und ein "Happy Birthday"
Das Händewaschen ist gerade in Zeiten von Corona besonders wichtig. Foto: FH Münster/Katharina Kipp

Herr Prof. Schupp, man liest es überall: Händewaschen schützt vor einer Corona-Infektion. Warum ist das so?

Schupp: Viruserreger wie das SARS-CoV-2 halten sich problemlos ein paar Stunden an der Luft. Deshalb ist die sogenannte Kontaktinfektion gefährlich: Jemand ist krank, niest in seine bloße Hand und packt dann die Türklinke an – prompt sind da Viren drauf. Wenn dann ein anderer die Klinke wenig später anfasst und unachtsam ist – zum Beispiel mit der Hand etwas greift und isst – finden die Erreger über die Mundschleimhaut ihren Weg in den Körper. Um das zu verhindern, sollte man sich die Hände waschen und zwar mit Seife! Coronaviren haben eine fettartige Hülle, und Seife vertragen sie überhaupt nicht.

Wie wasche ich meine Hände denn richtig?

Schupp: Am besten machen Sie Ihre Hände nass, nehmen Seife dazu und kneten 20 Sekunden lang Ihre Finger richtig schön durch. Um das tatsächlich 20 Sekunden durchzuhalten, hilft folgender Trick: Wenn Sie im Stillen, aber mit voller Inbrunst, einmal „Happy birthday to you“ singen, haben Sie es geschafft. Welche Seife Sie verwenden, ist übrigens egal, Hauptsache, Sie nehmen eine. Allerdings: Nur mit Wasser ist immer noch besser als die Hände gar nicht zu waschen. Das sollte aber die Ausnahme bleiben.

Durch das ständige Waschen trocknet die Haut extrem aus.

Schupp: Stimmt, das ist leider eine unschöne Begleiterscheinung. Wenn Sie sich die Hände waschen, machen Sie nicht nur Schmutz und Viren den Garaus. Sie entfetten auch Ihre Haut. Üblicherweise sondern die Hautporen Fett ab, damit die Haut schön geschmeidig bleibt. Diesen Fettfilm waschen Sie mit Wasser und Seife ab. Die Folge: Es entsteht trockene, spröde Hornhaut, Ihre Haut bekommt Risse und Sie haben raue Hände. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn das Wetter schön und die Luft trocken ist. Gegen trockene Hände hilft aber Handcreme. Darin enthalten sind unter anderem Glycerin, Harnstoff und Fette – das alles sorgt dafür, dass eine Art Rückfettung passiert, und Ihre Hände werden wieder schön geschmeidig.

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Prof. Dr. Thomas Schupp forscht und lehrt am Fachbereich Chemieingenieurwesen unter anderem zu Nachhaltiger Chemie und Ökotoxikologie. Foto: FH Münster/Theresa Gerks

Ist es denn egal, ob wir uns die Hände mit kaltem oder warmen Wasser waschen?

Schupp: Grundsätzlich ist warmes Wasser besser, um Fett zu lösen. Beim Händewaschen macht das aber keinen großen Unterschied. Optimal ist lauwarmes Wasser, denn heißes Wasser trocknet die Haut stark aus, kaltes Wasser fühlt sich unangenehm an. Wichtiger als die Temperatur des Wassers ist aber, dass Sie Seife nutzen.  

Neben dem Händewaschen schwören einige auf Desinfektionsmittel. Sind sie ein zusätzlicher Schutz?

Schupp: Solange Sie keinen direkten Kontakt zu Erkrankten haben: nein. Denn Desinfektionsmittel sorgen dafür, dass der Entfettungsprozess der Haut viel schneller und stärker abläuft. Gründliches Händewaschen ist aus meiner Sicht ausreichend. Das ändert sich, wenn zum Beispiel ein Mensch in Ihrem Haushalt erkrankt. Dann sollten Sie Desinfektionsmittel nutzen, gemäß den Anweisungen des Hausarztes.

Wer jetzt noch keins hat und Schwierigkeiten bekommt, es zu kaufen: Kann man Desinfektionsmittel selber herstellen?

Schupp: Theoretisch schon, aber ich rate dringend davon ab! Desinfektionsmittel zählen zu den Bioziden. Wer die auf den Markt bringt, muss sich bei der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki melden, dort die Zulassung beantragen und diese auch bekommen. Ansonsten macht man sich strafbar, und wir haben schließlich noch keinen Katastrophenfall. Abgesehen davon gibt es aber auch noch einen anderen Grund, Desinfektionsmittel auf keinen Fall selber herzustellen: Das zugelassene Desinfektionsmittel aus der Drogerie besteht nicht nur aus Alkoholkomponenten, sondern auch aus Stoffen, die dem Entfetten der Haut zumindest zum Teil entgegenwirken. Diese sind dermatologisch geprüft und allemal hautverträglicher als selbst hergestellte Mischungen. Wer sich exzessiv ohne Not die Hände desinfiziert, riskiert schlimme Hautekzeme.

Wie oft sollte man sich die Hände waschen?   

Schupp: Das ist situationsabhängig. Sie sollten auf jeden Fall immer dann Ihre Hände waschen, wenn Sie etwas essen möchten, von draußen reinkommen oder auf der Toilette waren. Dadurch schützen Sie sich schon mal gut vor Kontaktinfektionen. Allerdings lässt sich das Coronavirus auch durch Tröpfcheninfektion übertragen, wenn zum Bespiel jemand feucht spricht oder kräftig niest und Sie dadurch Tröpfchen einatmen. Dagegen hilft nur: Abstand halten und – noch besser – zu Hause bleiben, sofern das möglich ist.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. 

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. Ansonsten gilt: Hände waschen und Abstand halten. Die seit dem 23. März bundesweit geltenden Verordnungen sehen unter anderem vor, dass sich in der Öffentlichkeit niemand in größeren Gruppen als zwei Personen aufhalten darf. Das Haus darf zum Beispiel nur für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt oder für Spaziergänge (oder Joggen) verlassen werden.

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht vorgeschrieben. Allerdings gibt es zurzeit eine Debatte, ob sie nicht doch hilfreich sind, das Virus von einer Verbreitung abzuhalten. Die Stadt Jena in Thüringen hat sie inzwischen vorgeschrieben.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa
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