Stadt stellt kommunale Krankenhilfe-Einrichtung bereit
Betreuung von Corona-Patienten im DRK-Tagungshotel

Münster -

Bisher haben die Krankenhäuser in Münster ausreichende Kapazitäten zur Behandlung von Corona-Patienten. Für den Fall, dass nicht mehr alle in den Kliniken behandelt werden können, schafft die Stadt nun eine Behandlungs- und Pflegemöglichkeit für leichter Erkrankte.

Freitag, 03.04.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 19:11 Uhr
Ehrenamtliche Helfer in einem Zimmer des DRK-Tagungshotels (v.l.) Merle Gebauer, Julia Kadenbach, Roman Ehring vom DRK und Carsten März von den Johannitern
Ehrenamtliche Helfer in einem Zimmer des DRK-Tagungshotels (v.l.) Merle Gebauer, Julia Kadenbach, Roman Ehring vom DRK und Carsten März von den Johannitern Foto: Matthias Ahlke

Die feierliche Eröffnung des neuen DRK-Tagungshotels an der Sperlichstraße hätte eigentlich am vergangenen Mittwoch stattfinden sollen. Corona steuert auch in dem schicken Neubaukomplex die Ereignisse in eine ganz neue Richtung. In den Zimmern des Tagungshotels sollen nun bei Bedarf Patienten mit einer Corona-Infektion gepflegt werden, die nicht besonders schwer erkrankt sind, sich aber zu Hause nicht versorgen können.

72 Plätze in Einzelzimmer stehen bereit, verkündete am Freitag der Ärztliche Leiter des städtische Rettungsdienstes, Prof. Dr. Andreas Bohn. Auch Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer, Leiter des stätischen Krisenstabs, ist froh, dass es in Münster nun eine solche Möglichkeit gibt. „Das ist ein tolles Haus hier“, sagt Heuer in dem modernen Bau bewundernd, während draußen Gärtner die Außenanlagen herrichten. Betreiberin der „Kommunalen Krankenhilfe-Einrichtung“ (KKE), so der Fachterminus, wird die Stadt Münster sein. Sie trage auch die Kosten, ergänzt Heuer.

Pflege durch Ehrenamtliche

Pflege und Behandlung der Kranken sollen ausnahmslos ehrenamtliche Kräfte leisten. Merle Gebauer, Medizinstudentin an der Uni Münster, und Julia Kadenbach, Studentin am Fachbereich Gesundheit der FH, haben sich freiwillig gemeldet und werden nun für den Dienst angeleitet. Ärzte, die ehrenamtliche Hilfe angeboten haben, sollen täglich eine Visite bei den Patienten vornehmen.

Kommentar: Hoffentlich unnötig

Kranke, die nicht mehr in Kliniken aufgenommen werden, die von dort entlassen werden, ohne hinreichend gesundet zu sein – solche Szenarien sind angesichts von Corona wohl real. Dass Münster hier nun vorsorgt, ist beruhigend. Umso besser, dass nicht schwer erkrankte Corona-Infizierte oder Patienten auf dem Weg der Besserung in einem neu ausgebauten und komfortablen Tagungshotel behandelt und gepflegt werden können – und nicht, wie in anderen Ländern durchaus üblich, in einem Feldlazarett oder einer Turnhalle.

Bei aller Unwägbarkeit der Entwicklung der Epidemie äußern Fachleute nun vorsichtigen Optimismus, dass die gefürchteten katastrophalen Zustände wie in Italien und anderen Ländern hier vor Ort nicht eintreten. Das Krankenhaus im Tagungshotel ist gut. Am besten wäre aber, wenn es nie in Betrieb gehen müsste. (Von Karin Völker)

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„Zwischen Krankenhaus und Pflegeheim“ charakterisiert Heuer das neue Element zur Bewältigung der Corona-Krise in Münster. In den Krankenhäusern werde entschieden, welche Patienten hierher verlegt werden könnten. Die Infizierten seien hier medizinisch betreut, hier werde wahrgenommen und geholfen, wenn es jemandem schlechter geht. Und wer sich mit abklingenden Symptomen noch schwach fühle, könne sich hier erholen, skizziert Bohn.

Eskalation der Krise vorbeugen

Die Bereitstellung der Krankenhilfe-Einrichtung beschreibt er als „Versuch, jeder möglichen Eskalation der Corona-Krise in den regulären Krankenhäusern vorzubeugen“. Bohn ergänzt aber, er „rechne nicht damit, dass es dazu kommt.“ Mit anderen Worten: Ob das spezielle Corona-Krankenhaus überhaupt in Betrieb genommen wird, ist noch gar nicht klar. Der Betrieb könne innerhalb von 24 Stunden hochgefahren werden.

Dabei spielt das DRK Münster die zentrale Rolle, es stellt 43 ehrenamtliche Kräfte. In den Krankenhäusern vor Ort sind aktuell genügend Betten frei, für den „möglicherweise bevorstehenden Peak der Infektionswelle“ wolle die Stadt aber vorbereitet sein, betonen Bohn und Heuer. Bei Bedarf soll es eine weitere Einrichtung mit 190 Plätzen in Münster geben, deren Betrieb die Johanniter organisieren sollen. Hier sei die Stadt in letzten Absprachen. Auch wenn eine Prognose in der Corona-Krise weiter schwer bleibe, einen Punkt stellt Heuer klar: Notkrankenhäuser für Corona-Kranke in Turnhallen soll es in Münster nicht geben.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. 

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. Ansonsten gilt: Hände waschen und Abstand halten. Die seit dem 23. März bundesweit geltenden Verordnungen sehen unter anderem vor, dass sich in der Öffentlichkeit niemand in größeren Gruppen als zwei Personen aufhalten darf. Das Haus darf zum Beispiel nur für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt oder für Spaziergänge (oder Joggen) verlassen werden.

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht vorgeschrieben. Allerdings gibt es zurzeit eine Debatte, ob sie nicht doch hilfreich sind, das Virus von einer Verbreitung abzuhalten. Die Stadt Jena in Thüringen hat sie inzwischen vorgeschrieben.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa
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