„Besonders achtsam sein“
Krebserkrankung in Zeiten von Corona

Münster -

Für Risikopatienten ist das Coronavirus besonders bedrohlich. Astrid Mönnig-Wiese ist eine von ihnen, seit sechseinhalb Jahren kämpft sie gegen eine unheilbare Tumorerkrankung. Durch das Coronavirus fühlt sie sich eingeschränkt, doch aufgeben kommt für sie deshalb nicht infrage.

Montag, 06.04.2020, 13:15 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 19:18 Uhr
„Besonders achtsam sein“: Krebserkrankung in Zeiten von Corona
Bei den regelmäßig stattfindenden Kontroll- und Untersuchungsterminen im UKM trägt Astrid Mönnig-Wiese (r.), wie hier im Gespräch mit Prof. Annalen Bleckmann, derzeit einen Mundschutz. Foto: UKM/Wibberg

Die Corona-Krise bringt viele Fragen, Ängste und Sorgen mit sich – das gilt besonders für Risikopatienten. Auch Astrid Mönnig-Wiese, die seit 2013 wegen einer unheilbaren Tumorerkrankung am Universitätsklinikum Münster in Behandlung ist, bekommt die Auswirkungen der Pandemie in ihrem Lebensalltag zu spüren. „Das Virus schränkt mich ein“, erzählt die 52-Jährige aus Altenberge in einer Mitteilung des UKM. 

„Prinzipiell gelten für Menschen mit Krebserkrankungen die gleichen Regeln wie für andere Risikogruppen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Stephan Ludwig, Lei-ter des Instituts für Molekulare Virologie der Uni Münster. Dazu zählen regelmäßiges Händewaschen, das Einhalten der Husten- und Niesregeln, das Einschränken sozialer Kontakte und ein Sicherheitsabstand von anderthalb bis zwei Metern zu anderen Personen. Gemeinsam genutzte Oberflächen wie Türklinken und Telefone sollten regelmäßig gereinigt werden.  

Das Abwehrsystem ist geschwächt

„Das sollten Krebspatienten aber ohnehin in den Zeiträumen einhalten, in denen ihr Immunsystem aufgrund der Erkrankung selbst oder wegen der Therapie im Keller ist“, weiß Ludwig, der nach einer inzwischen als geheilt geltenden Tumorerkrankung vor fünf Jahren aus eigener Erfahrung spricht. „Ich gehöre jetzt nicht mehr zur Risikogruppe, weil Erkrankung und Therapie schon länger zurückliegen“, so der Virologe.

Für alle Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem sei das konsequente Einhalten der Maßnahmen aber derzeit besonders wichtig. Das gelte auch für Personen, die mit Risikopatienten zusammenleben oder nicht vermeidbaren Kontakt mit diesen haben.

UKM_Ludwig

Univ.-Prof. Stephan Ludwig Foto: UKM/

Ich fühle mich gut, habe gerade keine Halsschmerzen und keine Erkältungsanzeichen.

Astrid Mönnig-Wiese

Auch wenn sich Astrid Mönnig-Wiese des gesundheitlichen Risikos, das die Ausbreitung des Virus für sie bedeutet, durchaus bewusst ist, bricht sie nicht in Panik aus. „Ich fühle mich gut, habe gerade keine Halsschmerzen und keine Erkältungsanzeichen“, ist sie erleichtert. Denn wegen ihrer fortgeschrittenen Krebserkrankung und der notwendigen Therapien ist sie besonders anfällig für Infekte.
 
„Wenn Krebspatienten Anzeichen wie Husten und Fieber bekommen, sollten sie zügig telefonischen oder elektronischen Kontakt zu einem Arzt oder Krankenhaus aufnehmen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Annalen Bleckmann, Direktorin des WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Netzwerkpartners Münster, dem Krebszentrum am UKM.

Mundschutz  und Sicherheitsabstand

Astrid Mönnig-Wiese ist bei ihr in Behandlung und kommt weiterhin regelmäßig zu den Kontroll- und Therapie-Terminen ins Uniklinikum. „Die nötigen Sicherheitsabstände zwischen den Patienten werden eingehalten. Das Tragen eines Mundschutzes ist für alle vorgeschrieben“, fühlt sie sich sicher. Sorgen, dass die Corona-Krise auch Auswirkungen auf die Versorgung von Krebspatienten in Krankenhäusern haben könnte, macht sich Mönnig-Wiese nicht. „Gerade Menschen mit schweren Grunderkrankungen können ja nicht auf eine Behandlung verzichten.“

Das bestätigt auch Bleckmann: „Tumorpatienten werden auch in Zeiten von Corona weiter behandelt. Wir versuchen, alle wichtigen Kontrolluntersuchungen und Therapien – egal, ob Operationen, Strahlen-, Chemo- oder Immuntherapien – wie geplant durchzuführen“, beschreibt die Onkologin die aktuelle Lage. Es gehe darum, den Behandlungserfolg nicht zu gefährden. In Erkrankungssituationen, in denen hingegen kein schnelles Handeln erforderlich sei, müssten die behandelnden Ärzte Nutzen und Risiken für jeden Patienten einzeln abwägen. 

Behandlungspause ist keine Option

Für Astrid Mönnig-Wiese kommt eine Behandlungspause nicht in Frage. Um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen, bekommt sie im Wechsel Chemo- und Immuntherapien. Auch Bestrahlungen und Operationen waren schon häufiger nötig. „Ich habe mich fürs Kämpfen entschieden“, sagt die Mutter zweier inzwischen erwachsener Kinder. „Das mache ich jetzt schon seit sechseinhalb Jahren.“

Das Einhalten der mit dem Coronavirus verbundenen Maßnahmen und Einschränkungen hält sie für unbedingt erforderlich und sinnvoll. Doch jetzt nicht mehr mit Freunden Essen gehen oder der Familie reisen zu können, empfindet die Schwererkrankte als Verlust wertvoller Zeit und Lebensqualität.

Weil ich in einer kleinen Bauernschaft lebe, kann ich mich draußen bewegen, ohne mir Gedanken über den Sicherheitsabstand machen zu müssen.

Astrid Mönnig-Wiese

Trotz allem schätzt sich Astrid Mönnig-Wiese glücklich: „Ich habe einen Hund, mit dem ich regelmäßig spazieren gehe, eine Terrasse und einen Gar-ten. Und weil ich in einer kleinen Bauernschaft lebe, kann ich mich bei dem schönen Wetter draußen bewegen, ohne mir Gedanken über den Sicherheitsabstand machen zu müssen.“

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