Intensivbetten
NRW bietet Niederlanden 107 Plätze für Covid-19-Patienten an

Münster -

Nordrhein-Westfalen hilft den Niederlanden bei der Behandlung von Covid-19-Patienten und stellt in der Corona-Krise Intensivbetten zur Verfügung. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Professor Hugo Van Aken von der Uniklinik Münster konkretisierte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag in Münster das Hilfsangebot.

Montag, 06.04.2020, 19:44 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 19:47 Uhr
Pressekonferneez mit Masken im Freien: Hugo Van Aken und Karl-Josef Laumann berichteten über die Hilfe für die Niederlande.
Pressekonferneez mit Masken im Freien: Hugo Van Aken und Karl-Josef Laumann berichteten über die Hilfe für die Niederlande. Foto: Oliver Werner

Bei dieser spontanen Pressekonferenz wird schnell klar, dass nichts wie immer ist. Um Abstand halten zu können, findet sie im Freien statt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Professor Hugo Van Aken bleiben vor der Tür stehen, sie tragen beide dunkle Atemmasken mit der Aufschrift „UKM“ für Universitätsklinikum Münster. Gleichwohl ist die Stimmung gut, denn beide haben Erfreuliches zu berichten.

Erst am Freitag hatten sie alle NRW-Kliniken angeschrieben mit der dringenden Bitte, ob sie ein oder zwei Intensivbetten für an Covid 19 erkrankte Niederländer bereitstellen würden (wir berichteten). Denn im Nachbarland gibt es eine echte Notlage. Weil es viele Schwerkranke und nur wenig Beatmungsplätze gibt, hatte sich vergangene Woche das Gesundheitsministerium in Den Haag mit einem dringenden Hilferuf bei Laumann gemeldet.

„Perfekt organisierte Hilfe"

Die spontane Aktion, „die wir ganz ohne Vertrag organisiert haben“ (Laumann) hatte Erfolg: „68 Krankenhäuser in NRW haben sich seitdem bereit erklärt, Plätze zur Verfügung zu stellen“, erklärte Laumann. Auch die Uniklinik in Mainz will nun bei der Aktion mitmachen. Insgesamt 107 an Covid 19 erkrankten Niederländern könne so sofort geholfen werden. 21 Krankenhäuser hätten bereits am Wochenende 37 Patienten aufgenommen.

Zwei davon sind auch in der Uniklinik Münster gelandet, die die Hilfsaktion koordiniert. Dazu steht in Münster die Stabsstelle „Internationale Patientenmanagement“ zur Verfügung. Von dort aus werden die Plätze zusammen mit der zuständigen Stelle in Rotterdam („Emergency Network“) vermittelt. Man habe sich bereits jetzt für die „perfekt organisierte Hilfe, die mit deutscher Gründlichkeit funktioniere“ bedankt, freute sich Van Aken.

Laumann schlug pathetische Töne an: „Seit 60 Jahren arbeiten die Regionen auf beiden Seiten nachbarschaftlich zusammen. Auch im Gesundheitssystem. Da halte ich es für selbstverständlich, dass wir uns unbürokratisch helfen“, sagte er. „Die Niederländer würden uns doch auch in einer ähnlichen Lage helfen.“ Er könne es historisch nicht verantworten, in dieser Lage den Nachbarn in der Not nicht beiseite zu stehen.

Große Kapazitäten an Intensivbetten

Zumal es auf deutscher Seite erfreulicherweise derzeit noch sehr große Kapazitäten an Intensivbetten gebe, wie beide Experten betonten. Deshalb sei es möglich, die Patienten aus den Niederlanden aufzunehmen. Man rechnet mit einer Aufenthaltszeit von rund zwei Wochen.

Hugo Van Aken hatte die Zahlen parat: 28 000 Intensivbetten gebe es in ganz Deutschland, in NRW allein 6023, von denen über 2400 derzeit nicht belegt seien. „40 Prozent der Kapazitäten sind derzeit frei“, so Laumann.

Rund 603 Covid-19-Erkrankte würden im Moment in NRW auf den Intensivstationen gehandelt, 485 davon müssten beatmet werden.

Selbst wenn sich in absehbarer Zeit die Zahlen noch erhöhen würden, sei das eine beruhigende Ausgangslage. „Wir haben hier auch auf absehbare Zeit eine sehr komfortable und beherrschbare Situation“ beruhigte Van Aken. „Wir müssen keine Angst haben. Bilder aus Italien mit überfüllten Intensivstationen wird es hier nicht geben.“

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