Klarastift
Ehrenamtliche nähen 300 Masken in nur zehn Tagen

Münster -

Das Besuchsverbot gilt auch für die Ehrenamtlichen am Klarastift, etwa 200 von ihnen dürfen plötzlich nicht mehr tätig werden. Es sei denn, sie nähen einen Mund-Nasen-Schutz.

Donnerstag, 09.04.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 16:50 Uhr
Nach einer Anleitung der Feuerwehr Essen
Nach einer Anleitung der Feuerwehr Essen wird genäht. Foto: Robert Berg

Das Klarastift an der Andreas-Hofer-Straße ist bislang vom unmittelbaren Kontakt mit dem Coronavirus verschont geblieben. Das berichtet Geschäftsführerin Ewa Woroch – und verweist auf frühzeitiges Handeln im städtischen Altenzentrum: „Wir waren schon zwei bis drei Tage vor dem Erlass so weit, dass wir die Dinge umgesetzt haben.“ Einige vorsichtshalber getestete Verdachtsfälle hätten sich als unbegründet erwiesen.

Und doch sei die Situation – „wie in allen Häusern“ – schwierig. Die Bewohner der Einrichtung mit 103 Plätzen seien isoliert, Kontakt gebe es nur zu hauptamtlichen Mitarbeitern, die Hy­gienevorschriften würden peinlich genau beachtet. „Wir können viele Angebote nicht mehr machen – das betrifft vor allem die Gruppen, die von Ehrenamtlichen betreut werden.“ Kommunikation mit Angehörigen finde nur noch telefonisch statt – oder mit Hilfe digitaler Medien. So stehen den Bewohnern der Wohngruppen mittlerweile hauseigene Tablets zur Verfügung, um die Grußbotschaften ihrer Lieben zu empfangen; sie werden unter 0 15 78 / 0 69 03 12 bei WhatsApp entgegengenommen.

Zwangspause für 200 Ehrenamtliche

Unter der Zwangspause im Klarastift leiden allerdings auch die rund 200 Ehrenamtlichen, die sich sonst um die Menschen im Altenzen­trum kümmern. „Besuchsdienst und Seelsorge, Hospizarbeit, Café und Tätigkeiten in der Kapelle – das alles geht nicht mehr“, berichtet Dr. Robert Berg, der seit einiger Zeit die Arbeit der Ehrenamtlichen am Klarastift als Sprecher koordiniert. Eines allerdings lässt sich fortsetzen: die Arbeit der Nähgruppe. Nach einer Anfrage des Sozialdienstes hätten die ehrenamtlichen Helferinnen innerhalb von zehn Tagen 300 Masken angefertigt, betont Dr. Berg.

Über deren medizinische Wirksamkeit macht sich der Arzt für Allgemeinmedizin keine falschen Vorstellungen: „Wer eine solche Maske trägt, schützt andere – weil die Ausatemluft nicht weit vor das Gesicht dringt.“ Sobald es allerdings um echten Pflege-Kontakt mit den Bewohnern des Hauses geht, müssen selbstverständlich medizinische Pflegemasken getragen werden, die auch noch in ausreichender Zahl vorhanden seien. Die waschbaren Stoffmasken – nach einer Anleitung der Feuerwehr Essen als „Behelf-Mund-Nasen-Schutz“ angefertigt – seien zunächst für jene Mitarbeiter des Klara­stifts gedacht, die nicht direkt in der Pflege und Betreuung tätig sind, etwa Verwaltungsmitarbeiter und Haustechniker.

Motto: „Masken nähen fürs Leben“

Dr. Berg geht es nicht zuletzt um den ideellen Wert dieser Tätigkeit. In einem Brief an Oberbürgermeister Markus Lewe und Ministerpräsident Armin Laschet bittet er um Unterstützung der Näh-Initiative, die er unter das Motto „Masken nähen fürs Leben“ stellt. Nicht zuletzt Familien mit Kindern könnten sich an der Näh­aktion beteiligen – und dazu beitragen, die Nachfrage nach medizinischen Masken für den privaten Bedarf zu senken. Die Initiative „vermittelt das Gefühl nicht ohnmächtig zu sein, sondern etwas tun zu können“, meint Dr. Berg.

Kontakt

Dr. Robert Berg, Sprecher Ehrenamt, Klarastift Münster, 01 73 / 6 70 26 99

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