Bischof Felix feiert Ostern im leeren Dom
Auch jetzt: „Gott ist mit uns“

Münster -

In seiner Predigt am Ostersonntag im St.-Paulus-Dom nahm Bischof Dr. Felix Genn besonders die Menschen in den Blick, die in diesen Tagen um das Leben eines Angehörigen ringen.

Montag, 13.04.2020, 16:45 Uhr aktualisiert: 13.04.2020, 20:20 Uhr
Bischof Felix Genn entzündete in der Osternacht die Osterkerze. Gläubige waren im Dom nicht anwesend. Die Feier wurde aber vom Bistum Münster live im Internet übertragen.
Bischof Felix Genn entzündete in der Osternacht die Osterkerze. Gläubige waren im Dom nicht anwesend. Die Feier wurde aber vom Bistum Münster live im Internet übertragen. Foto: Bistum Münster

„‚Fliehen wir nicht vor der Auferstehung Jesu. Geben wir uns niemals geschlagen. Was auch immer geschehen mag. Nichts soll stärker sein als sein Leben, das uns vorantreibt.‘ Dann hat die Botschaft es in sich. Und hat Auswirkung auf den Alltag, auf das gesellschaftliche und politische Leben.“ Mit diesen Worten hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, bei der Feier am Ostersonntag im St.-Paulus-Dom in Münster ein gesegnetes Osterfest gewünscht. Er berief sich auf Aussagen von Papst Franziskus aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ („Freude des Evangeliums“). Im St.-Paulus-Dom waren wegen der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus keine Gläubigen anwesend. Die Feier am Ostersonntag wurde vom Bistum Münster live im Internet übertragen.

In seiner Predigt nahm der Bischof besonders die Menschen in den Blick, die in diesen Tagen um das Leben eines Angehörigen ringen. „Man muss sich dieser Realität stellen, um dieses Wort, das Ostern in aller Welt erklingt und für alle Welt gesagt ist, zur Sprache zu bringen“, betonte Genn. Er lud dazu ein, auch in dieser Situation aus der Hoffnung zu leben und die tiefe Überzeugung im Herzen zu tragen, dass Ostern ein Ereignis sei, das die Welt des Todes zerbrochen habe. Diese Botschaft wirke auch in die derzeitige Situation hinein.

Auch im Bistum Münster entwickele sich besonders in diesen Tagen eine große Solidarität, hob Genn hervor: in den Gemeinden, in Nachbarschaftshilfen, im Dienst für die Kranken und – mit Blick auf die Kontaktsperren – im Schutz für die Schwächsten. Auf diesen Einsatz, diese Solidarität dürften Christen zurückgreifen und spüren: „Die Einladung des Herrn, mit ihm in Beziehung zu treten und sein Leben zu teilen, gilt“, sagte Genn und wünschte den Gläubigen „gesegnete Ostern voll Hoffnung und Zuversicht in der Bereitschaft zum Wettlauf um mehr Liebe und Erkenntnis des Herrn“.

Tags zuvor hatte Bischof Genn im Dom die Osternacht gefeiert. Ratlosigkeit und Todesstille, Bilder von Massengräbern, Menschen, die aufgrund der Corona-Epidemie um das Leben ihrer Angehörigen bangen. Kann in dieser Situation trotzdem Osterstimmung aufkommen? Kann trotzdem das Ostergeheimnis verkündet werden? „Ja, aber wir tun es nicht, weil uns nach Zynismus zumute ist. Wir tun es, weil wir tatsächlich glauben dürfen, dass es wahr ist, dass Gott selbst gehandelt hat und in diesem Jesus von Nazareth, den er von den Toten auferweckt hat, die Macht des Todes gebrochen hat.“ Auch in der Osternacht war der Dom leer, die Feier wurde ebenfalls im Internet übertragen.

„Gott geht mit uns, auch jetzt“, sagte Bischof Genn und lud die Menschen ein, sich in dieser Zeit, die von mancher Verzweiflung und Ratlosigkeit geprägt sei, Jesus anzuschließen. „Mit der Kraft, die in uns eingepflanzt ist, können wir in den Alltag unseres Lebens gehen, um dort zu erproben, dass es stimmt: umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet.“

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