In der Corona-Krise
FH-Student macht Musik für Senioren

Münster -

Ab Sonntag (10. Mai) wird das Besuchsverbot in Altenheimen wieder aufgehoben. Dennoch waren die vergangenen Wochen für die Senioren schwierig. Ein FH-Student hat versucht, den Bewohnern mit Musik eine Freude zu machen.

Donnerstag, 07.05.2020, 09:00 Uhr
In der Corona-Krise: FH-Student macht Musik für Senioren
Leon Wösting legt los: Der 20-Jährige macht Musik für die Bewohner des Fritz-Krüger-Seniorenzentrums. Foto: FH Münster/Katharina Kipp

Leon Wösting steht mit seiner Gitarre und einem Mikrofon vor dem Fritz-Krüger-Seniorenzentrum in Gievenbeck. Mit großem Sicherheitsabstand sitzen einige Bewohner vor ihm, andere schieben Vorhänge und Gardinen zur Seite, öffnen vorsichtig die Fenster und warten gespannt. Und dann legt Wösting los.

Eine Stunde lang spielt und singt der Student der FH Münster viele Hits aus den 50ern, darunter Elvis Presley und Frank Sinatra, aber auch von den Beatles – und natürlich darf Udo Jürgens nicht fehlen. „Von ihm habe ich mir extra zwei, drei Songs beigebracht, weil ich dachte, dass die sicherlich gut ankommen“, sagt Wösting.

Musik als große Leidenschaft

Musik zu machen ist für den 20-Jährigen eine große Leidenschaft. „Ich spiele und singe einfach richtig gern.“ Dass er damit jetzt auch den Bewohnern von Seniorenheimen Freude bereitet, sei Zufall gewesen. „Eine Professorin von mir, Prof. Mittmann, hat uns Studierende aufgefordert, das Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe der FH Münster zu kontaktieren. Denn das suche ehrenamtliche Helfer. Daraufhin habe ich mich gemeldet.“

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Mit großem Sicherheitsabstand spielt Leon Wösting sein Konzert. Foto: FH Münster/Katharina Kipp

Und dort hatte Petra Seyfferth prompt den richtigen Riecher: Sie schlug ihm vor, in dem Musikprojekt mitzumachen – obwohl sie gar nicht wusste, dass er ein Instrument spielt. Genau genommen sind es sogar mehrere: Gitarre, E-Gitarre, Kontrabass, Ukulele und Mundharmonika, außerdem singt er.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es den Pflegern fast besser gefällt.

Leon Wösting

Es dauerte nicht lang, da hatte Seyfferth die ersten Seniorenheime gefunden, die den Studenten einluden und ihn spielen ließen, natürlich immer mit erheblichem Sicherheitsabstand. „Manchmal sind die Bewohner an den Fenstern oder sitzen auf großen Balkonen. Einmal wurden sie nach draußen gebracht und in einem sehr großen Kreis um mich herum platziert. Mir ist das ganz egal, Hauptsache ich kann Musik machen, Leute sehen und man hört mir zu.“

Das Feedback kommt prompt: „Die Menschen lachen und lächeln viel, klatschen mit und haben offensichtlich jede Menge Spaß. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass es den Pflegern fast besser gefällt“, sagt der 20-Jährige schmunzelnd. Wie schwierig es sein muss, die Bewohnerinnen und Bewohner in Zeiten von Corona zu beschäftigen, weiß Wösting aus eigener Erfahrung. Denn eine Großmutter von ihm ist im Heim, und dort ist die Langeweile groß.

Soziales Engagement als Hobby

Sozial engagiert ist Wösting aber schon lange, nicht erst seit Corona. Seit sechs Jahren ist er Leiter und Musiker bei den Royal Rangers, einem internationalen Pfadfinderverband, und er hilft jeden Sommer bei den Indianercamps. Dieses kostenlose Angebot richtet sich an Kinder von Inhaftierten oder aus sozial benachteiligten Familien. Außerdem ist er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Die soziale Arbeit und die Musik bleiben aber Hobby: Wösting studiert Biomedizinische Technik am Fachbereich Physikingenieurwesen auf dem Steinfurter Campus der FH Münster.

Seniorenheime, die den Studenten einladen möchten, können sich bei ihm melden – per E-Mail an leonwoestingaolcom. Wösting wohnt in Steinfurt, hat bislang aber nur in Münster gespielt. „Das ist auch überhaupt kein Problem, und ich mache das weiterhin gern. Falls aber mal ein Heim in Steinfurt Bedarf hat, würde ich mich auch darüber sehr freuen. Und vielleicht kann ich auch noch andere Studierende ermutigen, sich zu engagieren.“

Ehrenamtlich und unentgeltlich

Anderen Menschen eine Freude zu bereiten sei gerade jetzt besonders schön. Eines ist ihm aber ganz wichtig: Gitarre spielt er ehrenamtlich und unentgeltlich. „Wer mir dafür danken will, hört am besten einfach zu. Geschenke sind wirklich nicht nötig.“ Das sah man aber wie in allen bisherigen Konzertlocations auch in Gievenbeck anders und überreichte ihm als Zeichen der Wertschätzung einen Einkaufsgutschein.

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