Brief an die Gläubigen im Bistum
Bischof Genn ruft zu weltweiter Solidarität auf

Münster -

"In einer Zeit der menschlichen Über­forderung haben viele Großartiges geleistet", lobt Bischof Dr. Felix Genn den Einsatz vieler Menschen während der Corona-Krise. In einem Brief an die Gläubigen dankt er Pflegern, Ärzten, Lehrern und Politikern - und fordert zudem Solidarität.

Donnerstag, 07.05.2020, 14:30 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 14:41 Uhr
Brief an die Gläubigen im Bistum: Bischof Genn ruft zu weltweiter Solidarität auf
Bischof Dr. Felix Genn Foto: Bistum Münster

„Ich bin überzeugt: Wir haben die Kraft, aus dieser Krise etwas Gutes, etwas Großes, etwas Neues zu schaffen. Wenden wir diese Krise, um etwas Neues hervorzubringen. Denken wir Zusammenleben und Miteinander neu!“ Mit diesen Worten hat sich der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am Donnerstag (7. Mai) an die Gläubigen im Bistum Münster gewandt.

In einem Schreiben und einer Video-Botschaft zeigt sich Bischof Genn sehr dankbar für das, was in der Krise alles geleistet wird und ruft die Gläubigen weiter zu Solidarität, Zuversicht und Verbundenheit im Gebet auf.

Dank an Seelsorger und Pfarrei-Mitarbeiter

Der Bischof bringt laut einer Pressemitteilung des Bistums seine Freude darüber zum Ausdruck, dass wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden können. Er dankt den Seelsorgern, die in den vergangenen Wochen trotz der notwendigen Ferne Nähe zu den Menschen gesucht hätten. „Vieles, was getan wurde, schien wenige Tage zuvor nicht einmal denkbar. Die Kreativität hat mich sehr gefreut“, betont Bischof Genn. 

Und er dankt allen Haupt- und Ehrenamtlichen in den Pfarreien, die mit großer Umsicht und mit viel Verantwortungsgefühl dafür Sorge tragen würden, dass Gottesdienste wieder in Gemeinschaft gefeiert werden könnten.

In einer Zeit der menschlichen Über­forderung haben viele Großartiges geleistet.

Bischof Genn

Der Dank des Bischofs richtet sich darüber hinaus an viele weitere Gruppen. Er nennt etwa das Pflegepersonal, Ärzte, Verkäufer, Beamte und die Verantwortlichen in der Politik, Lehrer, Erzieher sowie Unternehmer und Arbeitgeber. „In einer Zeit der menschlichen Über­forderung haben viele Großartiges geleistet“, betont Bischof Genn.

Ein ausdrückliches Wort des Dankes richtet der Bischof an Eltern und Familien: „Ich danke den Müttern und Vätern – die Hauptlast liegt oft auf den Frauen und ich denke insbesondere an Alleinerziehende –, dass trotz vielleicht mancher Situationen kurz vor dem Nervenzusammenbruch doch auch in den meisten Familien die Herausforderungen der Krise bewältigt werden: Wie systemrelevant ist das, was Mütter und Väter in den Familien leisten!“

Verpflichtung gegenüber anderen

Mit Dankbarkeit und zugleich mit Demut erfülle es ihn, in einem Land wie Deutschland zu leben. Grundversorgung, Gesundheitsversorgung und die Wahrung der Menschenwürde hätten zu keiner Zeit in Gefahr gestanden. Hieraus leitet der Bischof eine Gabe und Verpflichtung ab: „Wir sind als Kirche, als Gesellschaft und als Nation gerufen, mit den anderen zu teilen: in Europa und darüber hinaus.“ Ein Impf­stoff, den die Wissenschaft hoffentlich bald finde, dürfe niemals durch Partikularinteressen verteilt werden.

Bischof Genn: „Keine Nation ist hier ‚first‘, auch nicht das eigene Ich, sondern die, die es am dringendsten brauchen. In dieser Situation dürfen wir die nicht vergessen, die keine eigene Lobby haben: große Teile Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sind von unserer Solidarität abhängig. Aber nicht nur in der Ferne gilt dieses Wort. Unsere Verantwortung für den Nächsten nimmt uns auch für die Flüchtlinge weltweit und an unseren Grenzen in die Pflicht. Warum können wir nicht einfach großherzig sein? Viele Menschen stehen bereit, sich hier zu engagieren.“

Verantwortung der katholischen Kirche

Bischof Genn macht deutlich, dass die Krankheit und die Gefahr nicht vorüber seien. Es sei die Zeit von klaren Erwägungen durch Wissenschaft und Politik. Sicherlich gebiete es aber die Situation, alle in den Blick zu nehmen und niemanden liegen zu lassen.

„Als katholische Kirche sehe ich uns in der Verantwortung, insbesondere für die da zu sein, die trotz mancher Hilfen nicht alle aus der Krise kommen. Hier werden wir das tun, was uns in dieser Zeit möglich ist“, betont der Bischof. Zugleich drückt er seine Verbundenheit im Gebet mit denen aus, „die einen geliebten Menschen durch diese Krankheit verloren haben, deren Leben gezeichnet wurde oder deren Lebensgrundlage nicht sicher ist“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7399484?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker