Ein unermüdlicher Mahner
Holocaust-Zeitzeuge Leslie Schwartz gestorben

Holocaust-Überlebender Leslie Schwartz, der unter anderem die Konzentrationslager in Auschwitz und Dachau durchlitt und der in den vergangenen Jahren bei mehreren Schulbesuchen in Münster gegen das Vergessen kämpfte, ist am 12. Mai in den USA (Miami) gestorben, wie sein in Münster lebender Neffe Ulrich Krempel mitteilt. Leslie Schwartz wurde 90 Jahre alt.

Samstag, 16.05.2020, 10:00 Uhr
Ein unermüdlicher Mahner: Holocaust-Zeitzeuge Leslie Schwartz gestorben
Leslie Schwartz verstarb am 12. Mai. Foto: dpa

In den vergangenen Jahrzehnten berichtete er über seine Erlebnisse in deutschen Schulen und leistete unermüdlich Aufklärungsarbeit. Der Bayerische Rundfunk drehte den Dokumentarfilm „Der Mühldorfer Todeszug“ über ihn, der 2012 im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wurde:

In den letzten Tagen vor Kriegsende, am 25. April 1945, geschieht eine der letzten verheerenden Gräueltaten der Nazis: Ein Zug verlässt mit über 3600 KZ-Häftlingen das KZ-Außenkommando Mühldorf. Die 60 bis 80 Waggons sollen die vorwiegend ungarischen Juden nach Süden, nach Tirol, bringen. Das erklärte Ziel der Nazis: Keiner der Häftlinge soll das Kriegsende überleben. Laszlo „Leslie“ Schwartz ist damals 14 Jahre alt und wohl der jüngste Gefangene auf diesem Todeszug.

Jahrzehnte geschwiegen

Jahrzehnte lang hat er über die Geschehnisse dieser Odyssee durch Oberbayern geschwiegen. Erst durch die Begegnung mit jungen Menschen am Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben bricht er sein Schweigen.

Leslie Schwartz verliert seine ganze Familie in den Gaskammern von Auschwitz. Nur durch einen glücklichen Zufall überlebt er die Selektion an der Rampe von Auschwitz und folgt seinem Freund, als dieser auf einen Transport nach Dachau kommt. Er gelangt in verschiedene Außenlager des KZ-Dachau in und um München, bevor er Anfang 1945 nach Mittergars deportiert wird. Dieses Konzentrationslager gehört zum Außenkomplex Mühldorf, in dem die Nazis größenwahnsinnige Bunkeranlagen bauten, um dort ein Kampfflugzeug noch in Serie zu bauen. Es kommt nie dazu, nur über 4000 Menschen lassen an dieser mörderischen Baustelle ihr Leben.

Leslie Schwartz kommt am Abend des 25. April 1945 in Ampfing auf den Todeszug, der auf seiner Fahrt noch in drei Orten von Alliierten beschossen wird, weil man ihn für einen Munitions- oder Truppentransport hält. Am 30. April 1945 endlich wird Leslie Schwartz zusammen mit den anderen Überlebenden in Tutzing von den Amerikanern befreit.

Bundesverdienstkreuz für Aufklärung

Am Ende seiner Zeitreise stand für Leslie Schwartz das Verzeihen. Für seine Aufklärungsarbeit in den Schulen erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Der Cousin des Hollywood-Schauspielers Tony Curtis starb getrennt von seiner Frau, Annette Buken-Schwartz, die sich wegen einer medizinischen Behandlung in New York City aufhält und die Stadt wegen der Corona-Krise aktuell nicht verlassen kann.

Seine Beerdigung findet in zwei Wochen in Brooklyn auf dem „Mount Hope Cemetery“ statt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7411415?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker