Caritas rechnet mit zeitversetzten Effekten
Was macht die Krise mit den Kindern?

Münster -

Schulen, Kitas und Sportangebote - die Zeit der geschlossenen Türen während der Corona-Pandemie neigt sich zumindest ein wenig dem Ende. Doch ist die Krise für Kinder damit überstanden? Experten sehen weiterhin Probleme.

Dienstag, 26.05.2020, 08:45 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 08:54 Uhr
Caritas rechnet mit zeitversetzten Effekten: Was macht die Krise mit den Kindern?
Foto: dpa (Symbolbild)

Die Zeit der geschlossenen Türen während des Corona-Shutdowns geht schrittweise zu Ende – auch für den Nachwuchs. Schulen, Kitas und Freizeitangebote öffnen langsam. Ist die Krise für die Kinder damit überstanden? „Wir rechnen mit zeitversetzten Effekten“, sagt Michael Kaiser, Einrichtungsleiter der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz in Münster. Eine vermutlich hohe Dunkelziffer von Gewalt an Kindern in der Krise und ungleiche Bildungschancen zu bewältigen, würden zukünftige Aufgaben sein, heißt es in einer Pressemitteilung des Caritasverbandes Münster.

Eine kleine Stadtwohnung ohne Garten, alleinerziehend mit zwei Kindern, zusätzlich die Belastung aus dem Homeoffice. In dieser Konstellation stecke Zündstoff. „Die Anspannung bei einer Betreuung rund um die Uhr steigt“, schätzt Michael Kaiser zur häuslichen Situation vieler Familien.

Hohe Dunkelziffer

Entgegen vieler Erwartungen aber hätten Fallzahlen von Kindeswohlgefährdungen in der Corona-Krise nicht zugenommen – im Gegenteil. Eine Abfrage der Jugendämter in der Region Münsterland durch das Kinderheim St. Mauritz zeigte nach Angaben der Caritas rückläufige Tendenzen. „Das ist ein Alarmzeichen“, sagt Kaiser.

Man müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Was fehlte, seien Einrichtungen wie Kindergarten oder Schule, die blaue Flecken, Fernbleiben von Kindern oder andere Auffälligkeiten melden.

Aufruf zur Solidarität

Kaisers Einschätzung deckt sich mit einer geringeren Nachfrage von Kinderkrisenangeboten der Caritas. Im April war die Kinderkrisenhilfe St. Mauritz nur halb so stark belegt wie zur gleichen Zeit im Vorjahr. Michael Kaiser geht davon aus, dass die Meldungen zu Kindeswohlgefährdung mit zunehmenden Lockerungen steigen werden.

Er ruft zur Solidarität mit Kindern in der Gesellschaft auf: „Einem mulmigen Gefühl, dass bei dem Nachbarskind etwas nicht stimmt, sollte man nachgehen“. Frank Müller, Fachbereichsleiter der Kinder-, Jugend- und Familienberatung der Caritas Rheine und Psychologe prognostiziert, dass Kinder nach dem Lockdown Zeit brauchen werden, diese besondere Situation zu verarbeiten.

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