Uni-Senat beschließt Maßnahmenprogramm
Der schwierige Umgang mit dem eigenen Namen

Münster -

Bricht die Westfälische Wilhelms-Universität mit ihrem Namensgeber, dem letzten deutschen Kaiser? Ein nun vom Senat der Universität beschlossenes Maßnahmenpaket könnte dazu führen – muss es aber nicht.

Mittwoch, 27.05.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 16:06 Uhr
Das Schloss ist das Herz der Westfälischen Wilhelms-Universität. In seinen Mauern wurde nun ein vielleicht zukunftsweisender Beschluss zur Identität der Universität gefasst.
Das Schloss ist das Herz der Westfälischen Wilhelms-Universität. In seinen Mauern wurde nun ein vielleicht zukunftsweisender Beschluss zur Identität der Universität gefasst. Foto: Oliver Werner

Als den Mitgliedern des 23-köpfigen Senats der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) am Mittwochnachmittag in der Aula des Schlosses, und live zugeschaltet auf der Videowand, das Wort erteilt wird, bleibt es still. Geradezu überraschend still, denn immerhin könnte der Beschluss, den es zu kommentieren gilt, dazu führen, dass die WWU dereinst einen anderen Namen tragen wird. Wohlgemerkt könnte.

Wenige Augenblicke später jedenfalls ist am Mittwoch der Beschlussvorschlag zu Tagesordnungspunkt elf der Senatssitzung einstimmig angenommen. Er besagt nicht nur, dass der Senat dem Bericht der Kommission zu einem historisch verantwortungsvollen Umgang mit dem Namensgeber der Einrichtung, dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II., zustimmt. Er regelt auch, dass sich der Senat darauf verständigt, mit dem größeren der beiden von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmenpakete zum Umgang mit Wilhelm II. in die kommenden Jahre zu gehen.

Diskussion ist neu entflammt

Die Diskussion um den Namen der Westfälischen Wilhelms-Universität ist nicht neu. Schon Ende der 1990er-Jahre hatte der Senat der Universität beschlossen, das „Wilhelm“ im Namen zwar zu belassen, gleichwohl aber einen kritischen Umgang mit dem Namensgeber Wilhelm II. anzustreben. Seit 2018 ist die Diskussion um den mittlerweile 113 Jahre alten Namen der Universität neu entflammt.

Kaiser Wilhelm II. werde mittlerweile historisch nicht nur als militaristisch und nationalistisch bewertet. Es bestehe zudem auch kein Zweifel daran, dass der 1941 verstorbene Wilhelm II. obsessiv antisemitisch war. Er könne nicht als Vorbild dienen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die eingesetzte Kommission unter der Leitung des Historikers Professor Dr. Olaf Blaschke.

Uni steckt in einem Dilemma

Ausdrücklich leitet die Kommission daraus aber nicht ab, dass eine Namensänderung unumgänglich sei, lediglich, dass sie es im Zuge des Prozesses einmal werden könnte, so die vage Aussicht. Zumal die Universität in einem Dilemma steckt. Schließlich war es der Kaiser, der die damalige Akademie in Münster 1902 wieder in den Stand einer Universität erhob und so einen elementaren Grundstein der Stadt Münster legte, wie man sie heute kennt.

Das nun beschlossene Maßnahmenpaket beinhaltet sechs Punkte. Zentral ist dabei neben einer Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eine öffentliche Diskussionsreihe, bei der es nicht nur um Wilhelm II. gehen, sondern unter anderem auch diskutiert werden soll, inwieweit die Hohenzollern dem Nationalsozialismus Vorschub geleistet haben. Renommierte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sollen zu Wort kommen.

Infos an Gebäude und für Erstsemester

Auch auf anderen Wegen soll die Diskussion in die Öffentlichkeit getragen werden. So werden auf der Homepage der WWU kritische Hinweise zu Wilhelm II. verankert. Am Schloss und weiteren zentralen Gebäuden sollen Infotafeln zum letzten deutschen Kaiser angebracht werden. Und neben Infobroschüren für die Angestellten der WWU soll auch bei der zentralen Begrüßungsveranstaltung für Erstsemester vom Rektorat über den Namenspatron der Universität aufgeklärt werden.

Für diese Maßnahmen veranschlagt die Arbeitsgruppe bis 2022 einen finanziellen Aufwand von 83 000 Euro.

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