Verkehrsbehinderungen durch Trecker-Demo
1600 Trecker legen Innenstadt lahm

Münster -

Etwa 1600 Landwirte haben am Donnerstag mit Trecker-Konvois in Münster demonstriert. Sie fordern Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum Rücktritt auf. Wegen der Demo gab es massive Verkehrsbehinderungen.

Donnerstag, 28.05.2020, 15:45 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 16:41 Uhr
Verkehrsbehinderungen durch Trecker-Demo: 1600 Trecker legen Innenstadt lahm
Die protestierenden Landwirte sind da: In Münster kommt es zu massiven Verkehrsbehinderungen. Foto: Oliver Werner

Am späten Donnerstagvormittag geht in weiten Teilen der Innenstadt nichts mehr. 1600 Trecker, so die Polizei, haben sich auf den Weg nach Münster gemacht – und verstopfen nun die Straßen. Kurzerhand wird der Stadtgraben zum Trecker-Parkplatz, weil längst nicht alle Teilnehmer der von der Initiative „Land schafft Verbindung“ (LSV) organisierten Demo auf den Schlossplatz passen. „Ich bin begeistert“, sagt Ansgar Tubes, NRW-Sprecher der LSV, zu Beginn der Kundgebung, „meine kühnsten Erwartungen sind übertroffen worden.“ Es folgt ein ohrenbetäubendes Hupkonzert.

"Heute waren deutlich mehr Traktoren in Münsters Innenstadt unterwegs, als noch vor knapp sieben Monaten", erklärte der Einsatzleiter, Polizeioberrat Andre Niewöhner heute nach Ende der Versammlung in Münster. "Die Münsteraner zeigten jedoch Verständnis für die Aktion der Landwirte und nahmen die Beeinträchtigungen geduldig hin", resümierte der Einsatzleiter.

Demo kurzfristig organisiert

Die Landwirte kommen aus dem nördlichen Nordrhein-Westfalen und aus dem Emsland. Jan-Bernd Rolfering ist um 7 Uhr morgens in Vreden losgefahren, um 11 Uhr trifft er in Münster ein. „Ich bin nicht damit einverstanden, wie die Politik mit uns umgeht“, sagt der Landwirt. „Immer sind die Landwirte an allem schuld“, so auch die Einschätzung von Tubes.

Der LSV hat die Demo kurzfristig auf die Beine gestellt. Stein des Anstoßes war der Bericht zur Lage der Natur, den Bundesumweltministerin Svenja Schulze am vergangenen Dienstag vorgestellt hatte. Der Landwirtschaft, kritisieren Demo-Teilnehmer, werde darin die Alleinschuld am Verlust der Artenvielfalt gegeben.

Landwirte protestieren in Münster

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  • Mit Trecker-Konvois protestieren Landwirte am Donnerstag gegen Bundesumweltministerin Svenja Schulze - hier gegen 11 Uhr vor dem SPD-Büro in Münster.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Auf dem Schlossplatz haben sich bereits einige Traktoren eingefunden. Ab 12 Uhr findet hier die Kundgebung statt.

    Foto: Oliver Werner
  • Hunderte Landwirte beteiligen sich an dem Protest.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf zahlreichen Straßen im Stadtgebiet kommt es zu Verkehrsbehinderungen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Trecker-Konvois kommen vor allem aus den Kreisen Steinfurt, Warendorf und Borken nach Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • In langen Schlangen bewegen sich die Traktoren in Richtung Schlossplatz.

    Foto: Oliver Werner
  • Landwirte haben von der SPD Zentrale Kerzen angezündet. Sie fordern von der Bundesumweltministerin ein persönliches Treffen. Das habe es bislang nicht gegeben. Sie habe auf mehrere Kontaktaufnahme-Versuche nicht reagiert. Die Landwirte wollen in den kommenden Tagen so lange vor der SPD eine Mahnwache abhalten, bis sich die Ministerin mit ihnen trifft.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Für die Busse gibt es kein Weiterkommen mehr vor dem Hauptbahnhof.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Am Stadtgraben kommt es zum Rückstau, die Polizei leitet den Verkehr um.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Oliver Werner
  • Landwirte haben von der SPD Zentrale Kerzen angezündet. Sie fordern von der Bundesumweltministerin ein persönliches Treffen. Das habe es bislang nicht gegeben. Sie habe auf mehrere Kontaktaufnahme-Versuche nicht reagiert.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Landwirte haben von der SPD Zentrale Kerzen angezündet. Sie fordern von der Bundesumweltministerin ein persönliches Treffen. Das habe es bislang nicht gegeben. Sie habe auf mehrere Kontaktaufnahme-Versuche nicht reagiert.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch vor dem Landgericht staut sich der Verkehr.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Auf dem Schlossplatz haben sich hunderte Landwirte mit ihren Traktoren versammelt.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Kay Böckling
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Die Landwirte senden mit ihren Plakaten klare Botschaften.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Auch von Telgte aus machten sich zahlreiche Landwirte auf den Weg nach Münster.

    Foto: Daniela Allendorf
  • Foto: Daniela Allendorf
  • Foto: Daniela Allendorf
  • Foto: Daniela Allendorf

Mahnwache vor dem SPD-Büro

Danach, berichtet der Borkener Landwirt und dortige LSV-Vertreter Lambert Aehling, habe man auf verschiedenen Wegen versucht, Kontakt zu Schulze bekommen – vergeblich. 50 Landwirte sind daher vor der Schlossplatz-Kundgebung mit ihren Treckern einen Umweg zum Wahlkreisbüro der SPD-Politikerin an der Bahnhofstraße gefahren.

Vor der Tür entzünden sie Kerzen und geben den Startschuss für eine Mahnwache. „Wir werden hier so lange bleiben, bis Schulze mit uns spricht. Sie wohnt ja hier“, sagt Landwirt Rüdiger Neuenhoff aus Hamminkeln (LSV Borken). Bis Anfang Juni soll die Mahnwache dauern – mindestens. 

In ein Gespräch mit der Ministerin setzt Tubes keine Hoffnung mehr, in seiner Rede auf dem Schlossplatz fordert er stattdessen den Rücktritt der Ministerin. Sie betreibe keine Politik, sondern folge einer Ideologie, die ihr radikale Umweltschützer einflüsterten, so sein Vorwurf. „Wir sind nicht länger bereit, uns das Bauern-Bashing der Politik gefallen zu lassen“, stellt Tubes klar.

Treten Sie zurück und machen Sie den Weg für einen neuen Dialog mit der Landwirtschaft frei!

Ansgar Tubes, NRW-Sprecher der LSV

Sicherlich sei die Landwirtschaft für einen Teil des Artensterbens mitverantwortlich – aber von der seit Jahrzehnten zunehmenden Versiegelung von Flächen für Verkehr, Wohnen und Industrie, einer immer stärkeren Lichtverschmutzung und Gefahren, die von Mobilfunksendern ausgingen, spreche niemand, kritisiert er. Für Schulze sei die Landwirtschaft der einzige Übeltäter. „Treten Sie zurück und machen Sie den Weg für einen neuen Dialog mit der Landwirtschaft frei“, ruft er unter kräftigem Applaus ins Mikrofon.

Knapp drei Stunden dauert die Kundgebung auf dem Schlossplatz, danach machen sich die 1500 Trecker wieder auf den Weg zurück zu den heimischen Höfen.

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