Kritik der Deutsch-Israelischen Gesellschaft
Antisemitische Äußerungen bei Corona-Demos?

Münster -

Laut der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) wurde auf Corona-Demonstrationen in Münster mehrfach antisemitisches Gedankengut verbreitet. Die DIG beruft sich dabei nicht nur auf Redebeiträge, sondern auch auf die Telegram-Gruppe der Demo-Organisatoren.

Donnerstag, 28.05.2020, 20:00 Uhr
Auch in Münster hat es bereits Demos gegen die Corona-Auflagen gegeben - das Foto zeigt allerdings Demonstranten in Stuttgart.
Auch in Münster hat es bereits Demos gegen die Corona-Auflagen gegeben - das Foto zeigt allerdings Demonstranten in Stuttgart. Foto: dpa

Die Corona-Krise führt in diesen Tagen nicht nur zu erheblichen gesundheitlichen, gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen, sondern auch zu einer gefährlichen Ausbreitung antisemitischer Hassbotschaften und Verschwörungsthesen. Das teilte die Deutsch-Israelische-Gesellschaft (DIG) in einer Pressemitteilung mit. Hintergrund ist, dass es im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen die Corona-Regeln in Münster zu antisemitischen Vorfällen gekommen sein soll. Antisemitismus sei eine Konstante dieser Demon­strationen und der Milieus, die sie tragen, heißt es weiter.

Der Kundgebungsorganisator soll Israel auf einer Demonstration Mitte Mai als „rassistischen Apartheidstaat“ bezeichnet haben. Ein anderer Redner und Organisator, habe in seiner Rede die aktuelle Lage mit 1933 verglichen und relativierte damit die Verbrechen des Nationalsozialismus, so die DIG.

Verschwörungstheorie bei Youtube verbreitet

Der Mann verbreite auf Youtube die Verschwörungsthese, nach der Bill Gates durch die Corona-Pandemie einen Plan durchführe, um die Menschheit in „Abhängigkeit“ zu zwingen. Nicht nur die Struktur dieser Erzählung, sondern auch die explizite Wortwahl, seien antisemitisch konnotiert, argumentiert die DIG.

Im antisemitischen Wahnbild wollen Juden die Weltherrschaft dadurch erlangen, dass sie Menschen in Abhängigkeitsverhältnisse zwingen. „Schon der „Glaube, dass hinter unverstandenen, abstrakten Prozessen eine konkrete Macht stehe, ist strukturell und historisch antisemitisch“, stellt DIG-Forscher Samuel Salzborn im Zusammenhang mit den Corona-Demonstrationen fest. Stefanie Schüler-Springorum, die Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, erkennt: „Wenn das antisemitische Narrativ einmal steht, ist es egal, ob Bill Gates Jude ist oder nicht, in den Augen der Verschwörungsfachleute ist er das sowieso“.

Im Telegram-Chat des Organisatorenkreises der münsterischen Demonstrationen soll zudem darüber diskutiert worden sein, ob man Menschen jüdischen Glaubens als Kronzeugen gewinnen könne. Solle das nicht gelingen, wurde vorgeschlagen, dass sich eine an der Demonstration teilnehmende Person als orthodoxer Jude verkleiden könne.

Eindeutig antisemitische Beiträge

Dies sei eine übliche Strategie von Antisemiten, mit der diese sich vor dem „Antisemitismus-Vorwurf“ schützen wollen, erläutert die DIG. In derselben Telegram-Gruppe wurde ein Bild mit einem an den „Judenstern“ von 1941 erinnernden „Ungeimpft“-Stern gepostet. Auch ein Bild mit der Bezeichnung „Impfen macht frei“, dessen Schriftzug an „Arbeit macht frei“ angelehnt ist, sei dort zu sehen. Diese eindeutig antisemitischen Beiträge in der Telegram-Gruppe stießen auf keine Gegenrede der anderen Gruppenmitglieder.

Die DIG ruft daher dazu auf, sich antisemitischen Vorfällen bei Corona Demonstrationen entgegen zu stellen.

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