Wissen über Tiere und Pflanzen
Allwetterzoo beteiligt sich aktiv an Forschung

Münster -

Weltweit gibt es etwa zehn bis 15 Millionen Tier- und Pflanzenarten. Nur ein kleiner Teil davon ist umfassend erforscht. Das zu ändern, haben viele Universitäten und auch Zoos als Ziel - unter anderem der Allwetterzoo in Münster.

Dienstag, 02.06.2020, 12:00 Uhr
Wissen über Tiere und Pflanzen: Allwetterzoo beteiligt sich aktiv an Forschung
Tierärztinnen des Allwetterzoos untersuchen den Gepardenkater Jabari. Foto: Allwetterzoo Münster

Es sind mehr als 1000 Beiträge zum besseren Verständnis von Wildtieren: Der Verband der Zoologischen Gärten hat erstmals eine Erhebung über die Forschungsleistungen seiner Mitglieder vorgelegt.

Auch der Allwetterzoo Münster ist laut einer eigenen Pressemitteilung als außeruniversitärer Forschungs- und Bildungsort aktiv in der Forschung tätig und hat dazu beigetragen, dass in den vergangenen Jahren insgesamt 1058 wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht werden konnten. Insgesamt erfolgten die Veröffentlichungen in 284 unterschiedlichen Wissenschaftsjournalen und wurden anschließend 8991 Mal zitiert. Dabei erstreckten sich die Forschungsprojekte über alle Tiergruppen und eine Vielzahl von Fachgebieten.

Erkenntnisse über die Arten

Im Bereich Forschung werden im Allwetterzoo Münster zwei verschiedene Strategien verfolgt. „Zum einen nutzen wir unseren Tierbestand um die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Arten zu gewinnen, die in der Natur nur schwer zu generieren sind. In unserem Fall umfasst dies vor allem die Themen Veterinärmedizin, Reproduktion und Verhaltensforschung“, erklärt Artenschutzkurator Dr. Philipp Wagner.

„Hier führen wir eigene Studien durch, stellen anderen Wissenschaftlern unseren Tierbestand für ihre Forschungen zu Verfügung  oder sichern unsere genetischen Ressourcen in Biobanken, zum Beispiel bei der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria).“

Forschen an Großkatzen

Der Allwetterzoo kooperiert unter anderem mit Wissenschaftlern der Universitäten in Münster, Hannover, Osnabrück, Frankfurt, Pretoria (Südafrika) und der Universidade de Trás-os-Montes e Alto Douro (Portugal) sowie anderen nicht-universitärer Forschungsreinrichtungen wie dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und dem Zoologischen Forschungsmuseum Koenig, ebenfalls ein Leibniz-Institut.

„Durch unsere Forschungsarbeiten wurden unter anderem neue Erkenntnisse zur Reproduktion von Großkatzen gewonnen. Um die Zucht- und Haltungsbedingungen zu verbessern nutzen wir unsere Erkenntnisse aus der Freilandforschung, zum Beispiel an Elefanten und Nashörnern in den Bereichen Anästhesie, Konservieren von Spermien oder der Empfängnisverhütung“, so Wagner weiter.

Wir beschreiben neue Arten und verbessern unsere Kenntnisse, so zum Beispiel über Echsen.

Dr. Philipp Wagner

Darüber hinaus will der Allwetterzoo Münster mehr über die bei ihm lebenden Arten und deren Lebensräume in der Natur erfahren. „Hier beteiligen wir uns an der Grundlagenforschung in den Bereichen Biodiversität, Evolution und Artenschutz – etwa in der Freilandforschung um die Auswilderung unserer Arten vorzubereiten“, sagt dazu Dr. Philipp Wagner.

Dabei werden nicht nur Daten im Allwetterzoo, sondern auch in dem Zooeigenen Artenschutzzentrum in Kambodscha, dem ACCB erhoben. „Wir beschreiben neue Arten und verbessern unsere Kenntnisse, so zum Beispiel über Echsen, wir erfassen die Artenvielfalt in potentiellen Gebieten zur Wiederauswilderung und untersuchen das Verhalten von Wasservögeln nach der Auswilderung oder innerhalb unserer Zuchtprogramme.“

Wissen für die breite Öffentlichkeit

Das Team des Allwetterzoos beteiligt sich zudem an der Ausbildung von Studierenden. Dafür kooperiert der Zoo eng mit der Universität Münster, die im Rahmen von Lehrveranstaltungen das Zoogelände, die Tiere und Anlagen nutzen kann. Gemeinsam mit Partnern werden universitäre Abschlussarbeiten vergeben und Nachwuchswissenschaftler in ihren Promotionsarbeiten unterstützt.

Um das gewonnene Wissen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, halten die Mitarbeiter des Allwetterzoos regelmäßig Vorträge über ihre Studien und Erfahrungen und veranstalten akademische und nicht-akademische Tagungen am Standort Allwetterzoo. So fand unter anderem schon mehrmals ein Treffen der „Great Ape TAG Meeting“ in Münster statt. Im Fokus dieses Netzwerktreffens stehen das Wohlergehen sowie die verantwortungsvolle Haltung der vier Menschenaffen­gruppen Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos.

Durch die Studien an unseren Zootieren kann Forschung gelingen, die ansonsten unmöglich wäre.

Dr. Julia Kögler

„Durch die Studien an unseren Zootieren kann Forschung gelingen, die ansonsten unmöglich wäre“, sagt Dr. Julia Kögler, stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ). „Letztlich haben alle Beteiligten in unseren gemeinsamen Artenschutzbemühungen bessere Chancen, die bedrohte Biodiversität zu erhalten, weil die Zoos  seit vielen Jahren relevante wissenschaftliche Daten sammeln.“ Und diese Erkenntnisse können dazu beitragen, Schutzmaßnahmen für Tierarten in menschlicher Obhut und in der Wildnis gezielter zu planen und umzusetzen.

Im Zeitraum von 2008 bis 2018 waren die Mitglieder des VdZ an insgesamt 1058 wissenschaftlichen Publikationen beteiligt. Diese erfolgten in 284 unterschiedlichen Wissenschaftsjournalen und wurden anschließend 8991 Mal zitiert. Dabei erstreckten sich die Forschungsprojekte über alle Tiergruppen und eine Vielzahl von Fachgebieten.

Bis zu 15 Millionen Tier- und Pflanzenarten

So konnte unter anderem ein wichtiger Beitrag zur stressfreien Entnahme von Blutproben bei Wildtieren geleistet werden. Ein umfangreiches Forschungsprojekt untersuchte, welche blutsaugenden Wanzenarten sich dafür eignen. Des Weiteren konnte vor dem Hintergrund der Bedrohung wildlebender Königspinguine durch die steigende Erderwärmung mittels einer groß angelegten Studie in zwölf europäischen und amerikanischen Zoos nachgewiesen werden, dass die Anzahl gelegter Eier pro Tier steigt, je mehr der Vögel pro Quadratmeter zusammenleben.

 „Die wertvollen Tierbestände und Datenbanken der Zoos sind von großer Bedeutung für den wissenschaftlichen Kenntnisstand“, sagt Kögler. „Man muss sich nur vor Augen führen, dass von den schätzungsweise zehn bis 15 Millionen Pflanzen- und Tierarten auf diesem Planeten nicht einmal die rund 100 000 Spezies umfassend erforscht sind, die von der Weltnaturschutzunion IUCN hinsichtlich ihres Bedrohungsstatus‘ überwacht werden. Unsere Mitglieder sind unverzichtbar, wenn es darum geht, bestehende Wissenslücken über Tierarten zu schließen.“

In der Broschüre „Forschungsort Zoo“ finden sich neben Informationen über die Beiträge auch zahlreiche Beispiele zur praktischen Anwendbarkeit. Die vorgelegte VdZ-Broschüre fußt auf der folgenden wissenschaftlichen Publikation: https://jzar.org/jzar/article/view/471

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