„Ich fühle mich nicht so wohl“
Kulturausschuss: AfD-Mann Martin Schiller nur selten anwesend

Münster -

Der AfD-Ratsherr Martin Schiller gehört nur einem kommunalen Ausschuss an - dem Kulturausschuss. Doch bei den Sitzungen fehlt der AfD-Mann - und das regelmäßig.

Montag, 08.06.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 07:05 Uhr
Sieht keine Gestaltungsmöglichkeiten für sich im Kulturausschuss: AfD-Politiker Martin Schiller
Sieht keine Gestaltungsmöglichkeiten für sich im Kulturausschuss: AfD-Politiker Martin Schiller Foto: Björn Meyer

Martin Schiller ist selbstständig, Ratsherr für die AfD, in Münster auch Sprecher der Partei und mittlerweile sogar stellvertretender Sprecher der NRW-AfD, also immerhin dem größten Landesverband der Partei. Keine Frage, der Mann hat viel zu tun – vor allem halt am rechten Rand der Demokratie. An dem einzigen kommunalen Ausschuss allerdings, in dem der Ratsherr sitzt, hat Schiller offenbar weniger Interesse. Stand 1. Juni hat der 53-jährige Schiller bei 23 von 33 regulären Kulturausschusssitzungen in der laufenden Wahlperiode gefehlt.

Auf Nachfrage unserer Zeitung räumt Schiller seine eher spärliche Teilnahme unumwunden ein, auch wenn er nicht genau mitgezählt habe, wie oft er bislang gefehlt habe. Und er versucht sich zu verteidigen. Der Kulturausschuss, so Schiller, sei für ihn einfach eine undankbare Aufgabe. Da er kein Stimmrecht habe, sondern nur beratendes Mitglied des Ausschusses sei, fühle er sich nicht wohl, sagt Schiller.

AfD-Anträge allesamt abgelehnt

Dass man auch als beratendes Mitglied Gestaltungsmöglichkeiten habe, will Schiller in seinem Fall kaum gelten lassen. „Im Rat sind alle Anträge, die wir als AfD gestellt haben, abgelehnt worden“, sagt Schiller. Es sei für ihn daher schwierig, als AfD-Mitglied Vorschläge zu machen. Zudem meint Schiller, er nehme schon ein Raunen wahr, wenn er mal wieder nicht mit abstimme. „Ich glaube, vielen ist gar nicht klar, dass ich das gar nicht darf.“

Aufgefallen ist das häufige Fehlen Schillers übrigens bislang kaum. Auch weil unterschiedliche Ausschussbeobachter zu dem Schluss kommen, dass man von Schiller, einem Mann also, der im Rat nur allzu gerne lange, im Wortlaut penibel vorbereitete Reden hält, eh noch nie ein Wort gehört habe. Der Ausschussvorsitzende Dr. Dietmar Erber (CDU) bewertet das regelmäßige Fehlen Schillers dennoch als „eher außergewöhnlich“.

Fast 500 Euro monatlich

Ob das regelmäßige Besuchen des Ausschusses, ganz abgesehen von der Beteiligung vor Ort, allerdings nicht doch zu den Pflichten Schillers zählt, darüber müssen sich nicht nur politische Gegner, sondern auch die eigene Partei Gedanken machen. Als Ratsmitglied erhält Schiller für seine politische Arbeit 497,70 Euro monatlich, zudem befindet sich Schiller bei der AfD Münster in einem Angestelltenverhältnis.

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