FH-Fachbereiche verteilen Material per Post
Ein Labor für zu Hause

Münster -

Ein Studium an der Fachhochschule bedeutet mehr als nur Vorlesungen und Seminare. Der Praxis-Anteil ist normalerweise hoch - doch die Corona-Pandemie macht Unterricht in Laboren schwierig. Einige Fachbereiche sind deshalb kreativ geworden.

Dienstag, 09.06.2020, 13:30 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 13:37 Uhr
FH-Fachbereiche verteilen Material per Post: Ein Labor für zu Hause
Rund 40 Päckchen bestückten Christian Bischoff und seine Kollegen aus dem Labor für Bussysteme und Halbleiter-Bauelemente mit elektronischen Bauteilen. Foto: FH Münster/Jana Schiller

Praktische Lehrveranstaltungen sind in vielen Studiengängen an der Fachhochschule Münster fester Bestandteil der Studienordnung. Doch wegen der Corona-Pandemie finden Vorlesungen und Seminare größtenteils als Distance-Learning-Formate statt. Für Labore, Werkstätten oder andere Arbeitsräume mit spezieller Ausstattung ist das eine Herausforderung. Denn sie lassen sich nicht so einfach per Videokonferenz übertragen.

Zwar gibt es seit dem 18. Mai erste Lockerungen an der FH Münster – unter bestimmten Voraussetzungen sind zum Beispiel Laborpraktika in sehr kleiner Besetzung möglich. Doch parallel dazu hatten Lehrende an einigen Fachbereichen laut einer Pressemitteilung der FH unabhängig voneinander eine kreative Idee, um Praktika auf eine andere Weise durchzuführen: Sie verteilten das notwendige Zubehör in Boxen an ihre Studierenden.

Labormaterial kommt per Post

Rund 40 Päckchen haben zum Beispiel die Mitarbeiter des Labors für Bussysteme und Halbleiter-Bauelemente am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik befüllt und per Post verschickt. Darin befinden sich unter anderem LED-Leuchtbänder, mehrere Sensoren und ein Steckbrett, auf dem die Bachelorstudierenden unterschiedliche Schaltungen zusammenbauen können.

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Matthias Nießing, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Maschinenbau, steckt unter der Dokumentenkamera eine Schaltung zusammen. Foto: FH Münster/Lisa Feldkamp

Vier Versuche sollen die angehenden Elektrotechniker zu Hause durchführen und dabei eigenständig unterschiedliche Bussysteme, also Systeme zur Übertragung zwischen mehreren Endgeräten, erforschen. „Für das Praktikum ist keine besondere Sicherheitsunterweisung notwendig“, erklärt Labormitarbeiter und Masterstudent Jan-Ole Thranow. „Daher müssen wir als Betreuer auch nicht zwingend dabei sein“, ergänzt sein Kollege Christan Bischoff. Für Fragen gibt es ein Chatforum auf der Lernplattform „ILIAS“ der Hochschule.

Versuche für Heimarbeit neu entwickelt

Die Versuche haben Laborleiter Prof. Dr. Peter Glösekötter und sein Team extra für die Heimarbeit neu entwickelt. In der Präsenzveranstaltung hätten die Studierenden unter anderem ein Modellauto zum Fahren gebracht, doch das war zu groß für die Postsendung. Geplant ist, dass die Studierenden am Ende des Praktikums alle Bauteile wieder abgeben. „Die besten drei dürfen die Ausrüstung allerdings als Prämie behalten“, sagt Thranow.

Am Fachbereich Maschinenbau haben Lehrende ähnliche Lösungen gesucht und gefunden. Auch hier bekamen die Studierenden der Veranstaltung „Elektrotechnik im Fahrzeugbau“ Praktikumsboxen – mit Steckplatinen, einem Multimeter, Mikrocontroller und sämtlichen elektronischen Bauteilen.

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Die Praktikumsbox für das Modul „Elektrotechnik im Fahrzeugbau“ auf einen Blick. Foto: FH Münster/Lisa Feldkamp

Einmal pro Woche schalten sich nun die Studierenden mit Prof. Dr. Jochen Korn und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Matthias Nießing zusammen, um das Praktikum gemeinsam zu machen und Schaltungen zu stecken. Hier lernen die Studierenden, wie beispielsweise Lichtsensoren am Fahrzeug funktionieren. Durch die Investition in eine Dokumentenkamera sehen die Studierenden die Platte im Großformat auf dem eigenen Bildschirm. Nießing macht vor, wie es geht, und Fragen werden in der Gruppe geklärt.

Es wurde das Beste aus der Situation gemacht. 

Student Arndt Cassens

Den Studierenden gefällt diese Lösung. „Es wurde das Beste aus der Situation gemacht. Durch den Einsatz der Dokumentenkamera ist das Praktikum optimal“, sagt Arndt Cassens. Sein Kommilitone Tino Wöbbeking stimmt dem zu: „Die Veranstaltung ist wirklich innovativ und bringt etwas Abwechslung in den Alltag.“ Auch in Zukunft möchte Korn ähnliche Formate weiterführen.

„Wir testen aktuell ein Simulationsprogramm, mit dem die Studierenden im kommenden Wintersemester ihr E-Technik-Praktikum von zu Hause aus absolvieren könnten“, erklärt der Professor. Zurück ins Labor geht er mit seinen Studierenden in diesem Semester nicht mehr. „Es läuft so gut, das ziehen wir jetzt durch.“

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